Die Händeschüttler sind zurück!

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Sie sind wieder da: Die Händeschüttler! Gerade erst hat das RKI die Gefahr durch das Virus von sehr hoch auf hoch zurückgestuft: Schon kommen sie wieder aus ihren Löchern. Sie können es kaum erwarten, die überholte Tradition der Bakterienverteilung durch intimes Fingerhakeln genussvoll wieder zu etablieren.

Im März schrieb ich über das Händeschütteln:

Ich freue mich jedenfalls jetzt schon auf das Gesicht, wenn ich die erste mir wieder angebotene Hand einsam in der Luft stehen lasse.

Über das Händeschütteln

Gestern war es soweit. Die Visage hätten Sie sehen sollen!

Es geschah im Rahmen einer Art halboffiziellen Verabschiedung (hoffentlich für immer – andere Story). Gepudert mit salbungsvollen Abschiedsworten streckte mir mein Gegenüber erwartungsfroh seine Schüttelhand entgegen. Ich blieb stocksteif stehen, während er mit seinen behaarten Schweiß-Pranken noch ein paar Sekunden hilflos in der Luft herumruderte.

Sein Mundwinkel begann zu zucken, während ich ihm im Stile eines teilnahmslosen Finanzbeamten eröffnete, dass ich momentan grundsätzlich keine Hände mehr schüttele.

Derart echauffiert, brabbelte mein Gegenüber: Naja, man müsse ja auch bedenken, dass es ja gar nicht so gut sei, wenn wir alle zu wenige Viren und Bakterien austauschen. Von wegen Abwehrkräfte. Und: Ein bisschen Schmutz hat noch niemandem geschadet. Und so.

Worauf ich ihm zustimmte. Und hinzufügte, mit wem und auf welche Weise ich gerne Viren und Bakterien austauschen möchte, das möchte ich schon lieber selbst bestimmen. Zwei Sekunden Stille. Ein echter Tumbleweed-Moment.

Zum Abschluss schüttelten sich alle anderen gegenseitig die Hände. So bleibt die Vielfalt des Bazillenpools in Nürnberg gewährleistet. Alle bleiben gut durchgerüttelt und gehen ihrer Wege. Und es ist sichergestellt, dass U-Bahnhaltegriffe, Nasenschleimhäute und die ganze Vielfalt der Körperritzen auch ihren Anteil abbekommen. Weil: Ist ja gut für die Abwehrkräfte.

2 Kommentare zu “Die Händeschüttler sind zurück!”

    1. Ich hatte ja noch Glück, dass mir das künftige Verhältnis zu dem Herrn ziemlich gleichgültig ist. Ein gutes Training zum Einstieg in schwierigere Situationen.

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