Über das Händeschütteln

Die Pandemie verändert viele unserer Gewohnheiten. Was nicht per se immer schlecht ist. So kann ich es z.B. kaum erwarten, nie wieder im Leben irgendeine schmutzige Hand zu schütteln. Überhaupt: Wann in der Geschichte ist der temporäre Oberhonk unserer Affenhorde auf die Idee gekommen, zur Begrüßung sämtliche verfügbaren Viren auszutauschen?

Schlimmer ist da nur nur noch der öffentliche Nahverkehr. Jedesmal, wenn Sie eine Türklinke der U2 öffnen oder im 67er einen Halteknopf drücken, klebt Ihnen der aktuelle Bakterienpool der Metropolregion Nürnberg an den Fingerkuppen. Der wahre Öffi-Profi lässt deshalb grundsätzlich immer andere die U-Bahntüren öffnen. Und hat langjährige Erfahrung, die Teenager im Bus durch subtile psychologische Steuerung zum Drücken des Halteknopfs hinzumanipulieren.

Für Öffis und Händeschütteln gilt gleichermaßen: Überlegen Sie sich mal, was Sie alles in den letzten 24 Stunden angefasst haben (bitte schreiben Sie es nicht in die Kommentare!). Und dann gehen Sie bitte davon aus, dass sich die Hälfte Ihrer Mitmenschen eher unregelmäßig die Hände wäscht. Eher so flüchtig. Und 30 Sekunden schon gar nicht.

Haendeschuetteln

Bei jedem Händeschütteln besteht also die Gefahr, dass Sie mit der privaten biologischen Taktitilität Ihres Gegenübers haptische Bekanntschaft machen. Was das im schlimmsten Fall bedeutet, will sich niemand wirklich ausmalen. Im besten Fall schütteln Sie dann eine Hand, die eine manische Neigung zum Jogi-Löw-Griff hat.

Das Zeitalter des Händeschüttelns darf getrost als abgeschlossen betrachtet werden. Nichts ist überflüssiger als das Händeschütteln. Na gut, eine Dauerkarte für Bayern München vielleicht. Die schon. Ich freue mich jedenfalls jetzt schon auf das Gesicht, wenn ich die erste mir wieder angebotene Hand einsam in der Luft stehen lasse. Und irgendwas von „Willkommen im postpandemischen Zeitalter“ hinterhermurmle.

Wenn Sie auf Händeschütten stehen, dann schütteln Sie sich bitte selbst die Hand. Sie haben ja zwei.

Ich bin raus.

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