Vielen Dank für die Blumen

Weil wir im Überfluss leben, weiß heute kaum noch jemand, was er dem anderen schenken soll. Rund um die Uhr buhlt die Industrie deshalb um das Millionenheer verzweifelter Zeitgenossen, die sich ständig und überall zum Schenken von irgendetwas verpflichtet fühlen.

Eine ganze Flotte schwerölbetriebener Conatinerschiffe töffelt deshalb zu allen Zeiten über die sieben Weltmeere, um all diesen Plempel zu den Freude heuchelnden Beschenkten zu bringen: Solarbetriebene Winkekatzen, tibetische Bambuslöffel (die gleichzeitig Strohhalme sind) oder raffinierte Gurkenschnittmaschinen mit FCB-Logo.

Die Höchststrafe für wehrlose Schenkopfer bleibt aber das selbstgemachte Wohnaccessoire: Wie z.B. das krumme Olivenschälchen, das Fräulein Midlifecrisis auf dem Töpferkurs in der Toskana unbeholfen zusammengefingert hat und das nun so schief und absurd ist, dass dagegen selbst ihr debiler Pantoffelgatte wie Roger Moore aussieht.

Schlimm genug, dass unter diesem Irrsinn der geschundene Planet ächzt. Viel schlimmer ist es, dass der Gast seinen Gastgeber zu einem Heuchler macht, ihn zu einem billigen Schauspieler degradiert, der nun Freudentänze simulieren muss – über einen neongelben Strauß hämisch klimpernder Keramikblumen.

Oh vielen, lieben Dank! Was für ein tolles Geschenk!

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