Bin ich in München, habe ich meist nur kurzen Aufenthalt. Am Dienstag – kurz vor der Eröffnung des Oktoberfests – war es soweit: Ein ganzer Tag München, an dem wir das klassische Touristenprogramm abgeklappert haben.
Von Nürnberg sind es mit dem ICE 75 Minuten. Als Frühbucher mit Zugbindung legten wir zu zweit gerade mal knapp 30 Euro auf den Tisch.
München hat einen hohen Lebensstandard. Anders gesagt: Alles hier ist teurer. Einmal pinkeln in der Box hinter dem Hauptbahnhof kostet einsfuffzig. Welcome to Munich. Mia san mir, Oida!
Auf dem Weg zum Marienplatz liegt der Stachus (Karlsplatz). Die Stachus-Fontäne mit ihren kontratsreichen Licht- und Schattenspielen verlangt bei dem Sonnenwetter geradezu nach einem Foto:

Nur ein paar Fußminuten zum Marienplatz. Der ist bekannt:
Denn am Marienplatz jubeln traditionell die bajuwarischen Haxenmillionäre des FC Hollywood mit drei Maß Bier im G’sicht vom Rathausbalkon in die jubelnden Meschenmenge hinunter, dazu flattern bunte Fähnchen im Wind. Weil sie wieder mal mit 23 Punkten Vorsprung die restdeutschen Rübenackerclubs auf die Plätze verwiesen haben.
Inzwischen ist es 11 und die Massen bestaunen das Glockenspiel am Rathaus. So ein Glockenspiel kann uns Nürnberger nicht vom Hocker hauen, auch wenn das Münchner Glockenspiel freilich viel oppulenter und aufwändiger ist. Es zieht sich aber hin wie ein Hubba Bubba.
Weshalb wir nach zwei Minuten nicht mehr zuschauen, sondern lieber denjenigen zuschauen, die dem Glockenspiel zuschauen:

Danach genießen wir noch ein Tässchen Kaffee am Platz für 6,50 die Tasse. Pinkeln kostet extra. Das ist für uns OK, auch wenn uns klar wird, dass wir für vier Tassen Kaffee am Marienplatz zu zweit mit dem ICE nach München und zurück reisen könnten.
Hier in München ist eben alles ein bisserl größer. Wir besichtigen die beeindruckende Domkirche St. Stephan und gleich im Anschluss die Frauenkirche. Diese wirkt auf den ersten Blick etwas mager und spartanisch, geradzu unmünchnerisch. Doch das täuscht – der weitaus historisch interessantere Teil versteckt sich weiter hinten.
München ist bei herrlichem Sonnenschein sehr geschäftig. Wir entkommen dem wuseligen Trubel in den Münchner Hofgarten. Hier ergattern wir eine kleine Bank im Halbschatten, wo wir ungestört unser frühmorgens hektisch zusammengestelltes Tupperdosenpicknick wegspachteln.
Der nächste Stopp von hier ist natürlich der Englische Garten:

Wir bestaunen die couragierten Surfys an der Eisbachwelle. Da ich aus praktischen Gründen die klobige Spiegi zu Haus gelassen habe, bleibt mir fotografisch nur mit der Methode Spray and Pray 30 Fotos zu schießen und darauf zu hoffen, dass unter diesen optimistischen Versuchen schon was dabei sein wird. Das Gewinnerfoto:

Natürlich gehen wir auch hoch zum Monopteros, einem Ziertempel im griechischen Stil mit herrlichem Blick über München.
Endlich haben wir uns eine Halbe verdient und deshalb rennen wir dahin, wo auch alle anderen Touristen hinrennen: Ins von jodelnden Japanern und Neidfranken geflutete Hofbräuhaus mit seiner zünftigen Blasmusik. Vorbei an schunkelnden Brasilianern und Amerikanern mit Seppelhut ergattern wir einen Tisch.
Im Münchner Hofbräuhaus einen halben Liter Bier zu bestellen ist gar nicht so einfach. Das süffige hauseigene Bier aus dem Hofbräuhaus jedenfalls gibt’s auf der Karte nur im 1-Liter-Krug. A zünftige Maß ist hier der Standard, Preußen liegt weiter nördlich.

Wir fragen den supergeschniegelten Lederhosenkellner, ob es das Hofbräuhausbier auch als Halbe gibt. Kurze Pause…dann ein mitleidiger Seufzer: Na ja…können wir schon machen!
Wir fühlen uns als zimperliche Pseudomünchner markiert und als er uns die zwei Halbe bringt, fügt er naserümpfend hinzu: Hier sind Ihre zwei kleinen Bier. Ja danke, Digger, wir haben’s verstanden…
Jos F. hat uns inzwischen ferndigital darauf hingewiesen, dass an den Decken des Hofbräuhauses „verklausulierte Hakenkreuze“ zu sehen wären. Und der muss es wissen – schließlich hat Jos F. vor Jahren diesen Hitler-Cartoon zu irgendeinem Fußballevent auf Netz10 publiziert:

Als Qualifikation zum Hitler-Experten reicht das ja wohl völlig aus – wir werfen also einen Blick zur Decke und tatsächlich…

Das ist bemerkenswert. Schließlich ist das Hofbräuhaus ein Staatsbetrieb des Freistaats Bayern und dem Finanzministerium unterstellt. Jährlich rund 350.000 Hektoliter Bier werden hier produziert. Das ist ein Stück Weg, warum sollte man da halbe Biere verkaufen?
Der Durst auf das gute Bier zwingt uns, nochmal zwei „kleine Bier“ zu bestellen. Nun haben wir wohl auch so eine Art Maß im Gesicht. Nur dass die zweite Hälfte der Maß noch Schaum hat und nicht so abgestanden schmeckt.
Zum Abschluss besuchen wir den Viktualienmarkt. Ein Gemüse- und Feinkostfressmarkt, den man als Luxusmarkt für privilegierte Edelmünchner (und wer sich dafür hält) bezeichnen könnte. Auf dem Viktualienmarkt kann man schon mal 10 Euro für einen Blumenkohl ausgeben:

Sieben Stunden München, das reicht uns.
Außerdem haben wir Knauserfranken ja Zugbindung und so düsen wir mit dem ICE zurück nach Nürnberg. Wo man für 50 Cent noch pinkeln kann und bei der Touristinfo den Stadtplan noch umsonst bekommt.
Schön war’s – oder wie der Franke sagt:
Bassd scho.