Icj mrlde mich spater nocjmsl!

Mit der freien und billigen Verfügbarkeit von SMS und Messengern ist der Wert der persönlichen Nachricht stark gesunken. Früher wurde eine Einladung noch sorgfältig entworfen, danach gründlich auf Rechtschreibfehler geprüft, auf Büttenpapier gedruckt, stilvoll handsigniert und dann auf dem Postweg versandt.¹

Heute haut man so eine Einladung in drei Sekunden raus:

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Ein Thumbs up gilt dann als angemessene Antwort und Zusage.

In solch rausgeschleuderte Textchen könnte man nun hineininterpretieren, dass der Verfasser einfach nur ein schludriger Zeitgenosse ist, der Korrekturlesen als reine Zeitverschwendung betrachtet. Schließlich ist die eigene Lebenszeit begrenzt und die Botschaft kommt ja inhaltlich vollumfänglich an. Der Rest ist ästhetische Übersensibilität.

Das ist freilich abhängig vom Kontext und der Person. Weshalb es mindestens noch eine zweite Interpretationsebene für solche hingerotzten Nachrichten gibt. Und zwar, wenn sie von Zeitgenossen geschrieben sind, die auch sonst ständig bemüht sind, der ganzen Welt aufzuzeigen, wie vielbeschäftigt sie doch sind:

Icj mrlde mich spater nocjmsl!

Der Subtext: Hier schreibt ein Mensch, der keine Zeit hat, schon gar nicht zum Korrekturlesen.

So entsteht vor unserem geistigen Auge das Bild eines Menschen, der mit links den kleinen Malte kämmt, mit rechts die Spaghetti abgießt und nun mit dem Kinn Nachrichten schreiben muss, während er mit dem blanken Fuß souverän durch die Kontoauszüge blättert.

Aus vermeintlich schusseliger Gleichgültigkeit wird so ein Akt nötiger und effizienter Selbstoptimierung. Und diesen Akt gilt es zu beneiden. In Demut und voller Dankbarkeit empfängt der Rezipient diese verstummelte Rumpfnachricht eines multitaskfähigen Machers.

Textnachrichten also immer einfach raushauen. Warum nocjmsl drüberschauen?

¹ Wer das für eine übertriebene Romantisierung hält, hat vermutlich Recht.

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3 Kommentare zu “Icj mrlde mich spater nocjmsl!”

  1. Unfreiwillig bin ich auch manchmal schuldig im Sinne der Anklage. Nicht, weil es absichtlich wäre, aber Worte richtig tippen und nach dem abschicken sehen, was meine Autokorrektur jetzt wieder daraus gemacht hat. Sicher, ich könnte nochmal nachlesen, aber gesundheitsbedingt bin ich über jede Sekunde froh, die ich nicht aufs Handy gucken muss. *Liest nochmal grob nach. Extra für dich..;-)

  2. Danke dir,
    anklagen will ich hier tatsächlich niemand. So wichtig ist die Sache dann auch wieder nicht. Mir passieren solche Hickups auch immer mal wieder (Team Schludrigkeit, count me in). Man sollte tatsächlich auch noch andere Gründe hinzufügen, wie gesundheitliche oder Rechtschreibschwäche. Mein Versuch hier ist das Thema augenzwinkernd mit einem Schuss Humor zu beackern, insofern kommt es hier zu einer Art ironischer Reduzierung des Sachverhalts.

  3. Alles cool. Ich hab das nicht böse aufgefasst. Ganz im Gegenteil, ich schrieb ja, dass ich mit ner Menge Steine selbst im Glashaus sitze. Sollte das falsch rübergekommen sein, sorry. Musste beim Lesen heftig lachen, da ich mich wie gesagt sehr ertappt fühlte. Peace und schönen Sonntag.

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