An einem sonnigen Märztag besuchen und fotografieren wir die Ortschaft Loket in Böhmen mit ihrer beeindruckenden Burg, den Kerkern sowie Ausstellungen zu Waffen, Porzellan- und Lebkuchenhandwerk. Die Burg liegt rund eine halbe Stunde Busfahrt von Karlovy Vary (Karlsbad) entfernt.
Spray and Pray
An anderer Stelle habe ich ja schon mal die vielversprechendste Technik beschrieben, wie ich bevorzugt aus einem fahrenden Bus fotografiere. Kurz zusammengefasst, sobald das Objekt auftaucht, einfach gnadenlos drauflosknipsen, die Fotografenehre mal kurz ausblenden (was soll das überhaupt sein??) und am Ende von zwanzig Bildern einfach das Beste aussuchen.
Trotz dieses grobschlächtigen Ansatzes hier das Siegerfoto, geschossen mit der Handykamera (wie auch alle folgenden Fotos):

Geschützte Lage
Historisch strategisch liegen Burg und Ortschaft nahezu völlig vom Fluss Eger umhüllt, weshalb Loket auch den Namen Elbogen trägt:

Die Ortschaft selbst kann an diesem sonnigen Märztag mit ein paar schönen Ansichten punkten:


In der Burg Loket
Absolutes Highlight ist natürlich die Burg Loket. Der Besuch kostet. Das geht in Ordnung und am Ende werden wir viel mehr gesehen haben als erwartet, darunter mehrere Ausstellungsräume mit Waffen, Gemälden, zu Porzellan und der lokalen Lebkuchenproduktion (die lief allerdings nur bis 1945).
Blick vom Turm
Vor dem Besuch des Kerkers besteigen wir aber erst mal den Turm, der als letzter Rückzugsort bei Feindbelagerung dienen sollte. Macht uns nix, der ganze Aufenthalt hier in Böhmen ist eh durch viele Treppen und Steigungen geprägt, wir kommen so täglich auf über 20 Stockwerke (sagt jedenfalls die moderne Technik).
Im Turm bestaunen wir den Abort, das Klo, das einfach nur ein in den Stein gelassenes Sitzloch darstellt, durch das alle transformierten Entbehrlichkeiten einfach nach unten plumpsen (von einer Nutzung sehen wir freilich ab).

Im dunklen Kerker
In der Burg selbst gibt es trotz heftigster Renovierungsarbeiten einige Ausstellungen zu sehen. Vor allem sehenswert der ausgedehnte Kerker, in dem man durch kleine Löcher in den Holztüren einen authentisch aufbereiteten Blick auf ein paar ziemlich grausame Foltermethoden werfen kann. In diesem Konzept stehen nicht so sehr harte geschichtliche Fakten im Vordergrund, Besucher sollen sich hineinversetzen können, indem mit viel Aufwand plastisch die Foltermethoden dargestellt sind.
Die Opfer dieser grausamen Methoden sind teils sehr drastisch und mit schmerzverzerrtem Gesicht als Figuren dargestellt, mal mit gebrochenen Knochen durch ein Rad geflochten oder auf dem „Spanischen Stuhl“. Zu sehen gibt es auch eine Eiserne Jungfrau, das alles unterlegt mit fiktiven Schreien vom Band der Gemarterten.
Im Steilhang
Die Burg wird gerade renoviert, gefördert von EU-Geldern. Teile der Burg sind in einen sehr steilen Granitfelsen gebaut. Das Bild zeigt die Arbeiter und man kann ungefähr ahnen:
Dieser Job wird kein leichter sein:

Zum Einlass bekommen wir ein handliches, aber sehr kompaktes A4-Infoblatt, doppelseitig. So erfahren wir, dass Karl IV., (also der Prager Karlsbrücken-Karl, dem zu Ehren die Stadt Nürnberg das Glockenspiel „Männleinlaufen“ in die Frauenkirche gebaut hat) hier in Loket zwei Monate im Kerker gesessen war, weil ihn sein Vater der Mutter Elisabeth entführt hatte. Da war Karl (damals noch Wenzel) gerade mal drei Jahre alt).

In der Ortschaft Loket ist im März wenig los, ideal zum Fotografieren.

Burg und Ortschaft sind auf jedenfall sehr sehenswert. Auch wenn sich die aufwändigen Renovierungen wohl noch eine Weile hinziehen.
Hier geht es zum offiziellen Webauftritt der Burg von Loket.