Gestern war ich als Beifahrer mit dem Auto unterwegs, um den Routenplaner von TangoGPS zu testen. Als GPS-Empfänger verwende ich das Openmoko Freerunner mit SHR als OS. TangoGPS läuft auf Ubuntu, gebootet von SD-Card auf einem Asus EeePC 1005PX. Mal sehen, ob ich meinen Fahrer vom Nürnberger Norden bis zum Fürther Rathaus bringen kann…

EeePc 1005PX und Openmoko Freerunner GTA02
TangoGPS und der Routenplaner würden zwar auch auf dem Freerunner ohne weitere Hardware laufen. Doch die Akku-Laufzeit des Freerunner ist ja bekanntlich eines der großen Mankos des Open-Source-Telefons. Deshalb wird das Gerät in diesem Setup zum reinen GPS-Empfänger degradiert. Mit dem 1005PX kann ich mit ca. 6 Stunden Laufzeit rechnen und komme als Beifahrer auch noch in den Genuss eines 10-Zoll-Displays. Welches Navi hat das schon?
Navigation unter Linux
Meine Suche nach einer praktikablen Lösung für einen Routenplaner unter Linux hatte natürlich unweigerlich zu Navit geführt. Wer sich für Navigation unter Linux interessiert, sollte auf jeden Fall einen Blick darauf werfen. Persönlich fand ich Navit nicht gerade intuitiv zu installieren bzw. zum Laufen zu bringen, obwohl das ausführliche Wiki detaillierte Unterstützung anbietet. Auch wenn er wesentlich einfacher gestrickt ist und bei weitem nicht an die Vielfalt der Funktionen von Navit heranreicht, habe ich mich für diese Testfahrt für den Routenplaner von TangoGPS entschieden.
Routenplaner mit TangoGPS
Im Dezember hatte ich bereits das Programm TangoGPS (mit OpenStreetMap) für Linux vorgestellt. In diesem Artikel findet ihr auch Hinweise zum grundsätzlichen Setup von TangoGPS. Meine Erfahrung mit diesem Programm ist sehr gut. TangoGPS ist leicht zu installieren und läuft sehr stabil. Und es hat einen Routenplaner mit zweidimensionaler Darstellung. Auf den ersten Blick kommt er zwar, na ja, etwas rudimentär daher. Die Entwickler bezeichnen den Routenplaner als “experimentell”. Meine Erwartungen sind also nicht zu hoch geschraubt. Solange es funktioniert, soll es mir Recht sein…
Vorbereitungen
Den Freerunner schließe ich über USB an (seine interne IP ist i.d.R. 192.168.0.202) und konfiguriere das auf dem Netbook neu hinzugekommene Interface (hier: eth1) so, dass es im selben Netzwerk liegt (z.B. als 192.168.0.203).
round@about:$ ifconfig eth1 192.168.0.203
Dann logge ich mich mit ssh auf dem Freerunner ein und starte GPS mit:
moko:$ fso-gpsd
Auf dem EeePc wird TangoGPS noch so konfiguriert, dass es den GPS-Dienst mit der IP 192.168.0.202 auf Port 2947 erkennt. Rund eine Minute später steht die Verbindung und das Setup ist erfolgreich beendet.

Zur Erstellung der Route mit TangoGPS braucht man eine Internetverbindung. Die Route lasse ich mir also schon vor dem Start berechnen, da ich im Auto kein Verbindung ins Netz habe. Mit einem Klick auf die Karte komme ich über “ways and routes” und dann “get route” zum Menü der Routenplanung (Bild unten) und lege den Startpunkt durch die Option “GPS”fest. Für den Zielpunkt wähle ich “Pick”, navigiere auf der Karte zum Ziel und klicke darauf. Als Dienst wähle ich yournavigation.org, ein freier Routenplaner mit Kartenmaterial von OpenStreetMap. Es dauert ein paar Sekunden, bis die Route berechnet und auf der Karte eingetragen ist.

Auf der Straße
Der Freerunner GTA02 braucht ca. 2 Minuten, um das GPS-Signal brauchbar einzuordnen. Mit aktivierter Autozentrierung lotse ich meinen Fahrer entlang der geplanten Route (im Bild unten: grüne Linie). Norden ist immer oben, man muss also schon ein räumliches Vorstellunsvermögen haben, da sich die Karte nicht automatisch in Fahrtrichtung ausrichtet. Unsere tatsächlich gefahrene Route ist im Bild rot angezeigt, unsere Position und die Fahrtrichtung werden durch den blauen Kreis dargestellt. Links oben im Eck wird die Geschwindigkeit angezeigt. Vom Nürnberger Norden bis zum Rathaus in Fürth verläuft die Navigation ohne Probleme.

Routenplaner mit TangoGPS
Fazit
Wenn die ellenlange Vorbereitung erfolgreich war, lässt es sich mit Beifahrer recht brauchbar navigieren. Eine Option für den täglichen Gebrauch ist dieses Setup trotzdem nicht. Dafür ist es einfach zu experimentell und umständlich. Aber wenn man kein Navi hat und samt Beifahrer in eine fremde größere Stadt fährt, hat der Routenplaner von TangoGPS durchaus seine Berechtigung.
Und schließlich kann man den Routenplaner auch direkt auf dem Freerunner laufen lassen. Eine Stromversorgung über den Zigarettenanzünder ist erhältlich (habe ich aber nicht) und dann auch empfehlenswert. Aber alleine schon deshalb, um in den Genuss eines Navis mit 10-Zoll-Display zu kommen, war es den ganzen Spaß auf jeden Fall wert…