Vor rund einer Woche startete ich ein kleines Open-Source-Quiz. Die rund einwöchige Teilnahmefrist für das Quiz ist inzwischen abgelaufen. Höchste Zeit für die Auflösung und die Bekanntgabe des Gewinners (Buchpreis)!
Frage 1: Welches Programm erzeugte die folgende Ausgabe?

top
Hier endete bereits für so manchen der Traum von der vollen Punktzahl. Nicht wenige gaben hier htop an, vermutlich weil top standardmäßig keine Farbgebung hat, htop aber schon. Doch top hat etliches an Konfigurationen zu bieten (wichtigste Taste: h für Hilfe). Mehr Info (und ein größeres Bild) gibt es in einem früher erschienenen Artikel: “Perlen auf der Kommandozeile: top”.
Frage 2: In welcher Datei (kompletter Pfad) sind Netzwerkdienste den von der IANA festgelegten Portnummern zugeordnet?
Antwort: /etc/services
Anmerkung: Die /etc/protocols basiert zwar auch auf IANA-Zuordnungen, in ihr werden jedoch IP-Protokolle auf Protokollnummern (wie sie im IP-Header erscheinen) gemappt. Diese Datei wurde in einem Fall als Zweitlösung vorgeschlagen. Da in diesem Fall die /etc/services die Hauptantwort war, wurde die Antwort als richtig bewertet.
Ein weiterer Lösungsvorschlag war: /proc/sys/net/ipv4/ip_local_port_range. Eine Zuordnung von Diensten auf Portnummern findet hier aber nicht statt. In dieser Datei wird lediglich ein Bereich von Ports für TCP und UDP Traffic festgelegt. Mehr Info
Frage 3: Mit welchem Befehl (4 Tastenanschläge) kann man in der Bash in das unmittelbar vorangegangene Verzeichnis zurückwechseln?
Antwort: cd -
cd .. wechselt in das nächsthöhere Verzeichnis (und hat 5 Tastenanschläge). Diese Antwort hatten drei Kandidaten versucht. Ein Kandidat hat angemerkt, dass die richtige Lösung cd – wegen der RETURN-Taste ja eigentlich 5 Tastenanschläge habe. Die RETURN-Taste ist aber nicht Teil des Befehls, sondern zu dessen Ausführung nötig.
Ein weiterer Lösungsvorschlag war: cd$! Dieser Befehl führt offenbar “nur” in das Homeverzeichnis:
Frage 4: Ist die folgende Aussage richtig oder falsch?
“Der Initiator des Linux-Kernels (Sternzeichen: Steinbock) war der Reader’s Digest Europäer des Jahres 2000 und heißt Linus Benedict Thorvalds.”
Antwort: falsch
Der Initiator des Linux-Kernels heißt nämlich nicht Linus Benedict Thorvalds, sondern Linus Benedict Torvalds (ohne h). Wirklich erstaunlich, wieviele Kandidaten an dieser Frage gescheitert sind. OK, Linus hat den Kernel initiiert und ist Steinbock (28.12.1969). Dies kann man im Wikipedia-Artikel über Linus T. nachlesen. Ich vermute stark, dass genau diese Quelle der erste Anlaufpunkt für viele war. In diesem Artikel wird (Stand: 7.6.2011) auch behauptet, Linus T. wäre Europäer des Jahres 2000 gewesen. Die im Anhang des Artikels verlinkte Quelle behauptet auch genau dies, ohne jedoch eine weitere Quelle zu nennen. Glaubt man jedoch Reader’s Digest’ Liste der Europäer des Jahres (zur Liste in diesem Artikel nach unten scrollen), war Linus Europäer des Jahres 2001 (weitere Quelle: hier). Wie auch immer: Torvalds schreibt man ohne h – die Aussage ist falsch.
Interessant auch die Suchtechnik eines Kandidaten in dieser Frage. Dazu nur der Hinweis, dass ein in Anführungszeichen gesetzter String bei der Google-Suche nach genau diesem String sucht. Von A-Z. Das Suchergebnis kann also nur auf den Quiz-Artikel (oder höchstens auf eine authorisierten Planetenveröffentlichung) deuten bzw. auf eine unauthorisierte Fremdveröffentlichung genau dieses Artikels. Auszug aus Piwik:
Frage 5: Ein Linux-Mehrbenutzersystem soll so eingerichtet werden, dass alle künftig neu angelegten Benutzer die Feuerschutzrichtlinien automatisch in ihrem Home-Ordner vorfinden. In welches Verzeichnis muss das Dokument mit den Richtlinien kopiert werden, damit alle neu angelegten Benutzer die Feuerschutzrichtlinien in ihrem Home-Verzeichnis vorfinden?
Antwort: /etc/skel
Als manuelle Alternative kann man mit useradd -k auch ein alternatives Verzeichnis übergeben. Beispiel für neuen Benutzer “testuser” (mit Homeverzeichnis):
useradd -m -k /etc/alternatives_verzeichnis testuser
Frage 6: Wie lautet der kürzeste alphanumerische Befehl, den man in der Shell ausführen kann?
Antwort: (u.a.) w
Mehrere Antworten wurden als richtig gewertet. Als richtig gewertet wurden w, i (von iprint), X. Sowie jeder andere Buchstabe oder Zahl (wenn sie mit dem Hinweis verbunden waren, dass es sich um einen Alias handelt).
Angelegt war die Frage natürlich auf w. Der Befehl w zeigt an, wer auf einem System eingeloggt ist (und was er gerade tut). Beispiel:
ko@box:~$ w
20:03:11 up 1:37, 3 users, load average: 0,54, 0,48, 0,42
USER TTY FROM LOGIN@ IDLE JCPU PCPU WHAT
ko tty7 :0 18:26 1:36m 3:37 0.02s /bin/sh /etc/xd
ko pts/0 :0.0 18:27 3:12 0.75s 0.09s ssh -p 22 fakeme
ko pts/1 :0.0 20:01 1.00s 0.50s 0.01s w
Frage 7: Welche beiden Dienste müssen auf einer Linux-Maschine laufen, wenn
sie in einem Microsoft-Netzwerk als SAMBA-Server funktionieren soll ? Wähle exakt 2 Antworten!
- ldap
- smbd
- radius
- nfsd
- nmbd
Antwort: smbd, nmbd
ldap (wurde von ein einigen Teinehmern genannt) ist nicht Voraussetzung zur Funktion eines Samba-Servers. Um mehr über Samba zu lernen, ist das Samba Wiki von Ubuntuusers eine gute Anlaufstelle.
Frage 8: Welches quelloffene Programm ist hier zu sehen?

Antwort: Audacity
Frage 9: Welche Zahl (Standardausgabe STDOUT) liefert der zuletzt eingegebe Befehl: history | wc -l

(Antwort: n.a.)
Um es vorwegzunehmen: Diese Frage wurde aus der Wertung genommen. Sie war wirklich unpräzise gestellt. Auf die Idee, dass verschiedene Shells auf die Befehle verschieden reagieren, bin ich nicht gekommen. (Danke an booboo und marcschh für den interessanten Diskurs über die zsh).
In der Bash heißt das richtige Ergebnis 38. Nach dem ersten Wordcount werden 2 Befehle abgesetzt. Der nächste Wordcount ermittelt also zwei Zeilen mehr (und auch sich selbst erfasst der kombinierte Befehl bereits). Der Befehl “export $HISTSIZE” war ein reines Ablenkungsmanöver, um den Zähler hochzutreiben. Der eine oder andere ist mir hier trotzdem auf den Leim gegangen und gab als Ergebnis 500 an. Die Variable HISTSIZE definiert lediglich wieviele Befehle maximal gespeichert werden. Z.B. in Ubuntu Lucid werden diese Daten in ~/.bash_history gespeichert).
Anders sieht es aber mit dem Verhalten der zsh (und evtl anderen Shells aus) aus. In der Standardeinstellung scheint die Ausgabe von history bei der zsh nicht mehr als 16 Zeilen auszugeben. Hinweise dazu gerne in den Kommentaren. So oder so bleibt die Frage aus der Wertung.
Frage 10: Was steht im smtpd-Banner des Mailservers von netz10.de?
Antwort:

Auszug aus man smtpd:
smtpd_banner ($myhostname ESMTP $mail_name) The text that follows the 220 status code in the SMTP greeting banner.
Aber auch nur “Marek Mintal” als Lösung (oder eine Antwort inklusive des Statuscodes 220) wurden als richtige Antwort gewertet. Übrigens: Obwohl das Banner theoretisch frei konfigurierbar ist, muss zumindest der erste Teil unverändert bleiben, um kompatibel zu RFC 821 zu bleiben. Standardmäßig steht im zweiten Teil $mail_name. Wurde hier durch “Marek Mintal” ersetzt. Und so gilt auch hier, was Club-Fans schon immer wussten: Mintal ist unantastbar
Herauszufinden wäre das gewesen z.B. mit einer Telnet-Verbindung zu Port 25 des Mailservers:
telnet netz10.de 25
The winner is …..
Als kleinen Anreiz gibt es auch was zu gewinnen: das Buch “Suchmaschinenoptimierung” (originalverpackt, 5. Auflage), ein umfassendes SEO-Handbuch von Sebastian Erlhofer. Gewertet wurden 9 Fragen. 7 Teilnehmer hatten alle 9 Fragen richtig beantwortet. Der Sieger wurde nach dem Zufallsprinzip ausgewählt (www.random.org). And the winner is phos7god (Nickname)! Viel Spaß mit dem SEO-Handbuch… Du erhätst eine E-mail. Bitte innerhalb 1 Woche antworten, sonst wird neu verlost…
Fazit
Das Quiz war für mich ein Spaß, bei dem ich auch dazugelernt habe. Nicht nur durch die Rückmeldungen zu Sachthemen, aber auch zur Durchführung. Das nächste Quiz ist bereits geplant, mit einem überarbeitetem Konzept. Allen Teilnehmern vielen Dank fürs Mitspielen!