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Fundstücke im Netz: Heise, Golem, YouTube

(11.1.2011) Große Online-Redaktionen sind fieberhaft am arbeiten, so scheint’s. Da rutscht auch der eine oder andere Rechtschreibfehler oder eine sonstige sprachliche Fehlleistung durch. Nicht mal vor Schlagzeilen machen solche germanistischen Ausrutscher Halt! Auf heise.de waren die Innenminister heute zeitweise kräftig am dringen.

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Der Fehler wurde inzwischen behoben. Alles läuft korrekt, jetzt drängen sie wieder, die Minister, so wie das sein soll.

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Aprilscherze – der TÜV für Medienkompetenz

Nun haben wir sie also hinter uns: die alljährliche Verhohnepipelung am 1. April, deren Tradition bis in das 16. Jahrhundert zurückreicht.

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Laughing Fool (um 1500)

Ob nun das Internet mangels IPv4-Adressen temporär abgeschaltet werden muss, das Portal von Ubuntuusers einer feindlichen Übernahme durch Google anheim fällt, oder sich eine IT-Community konstituiert, um die ersten Besucher vom Mars willkommen zu heißen (Zusammenstellung von Scherzen durch das Ikhaya-Team): Die Verursacher solcher Nachrichten grinsen sich dann einen ab, wenn jemand auf den Nonsens hereinfällt.

Nur vordergründig geht es dabei allein darum, sich auf Kosten anderer einen Spaß zu erlauben. Die Betrachtung aprilistischer Ergüsse in der Blogosphäre zeigt auf, dass im Scherz oft auch eine sublime Botschaft mit Nutzwert steckt. So legt die  “Einführung eines Portos für Emails” den Finger in die Wunde des Spam-Phänomens. Die “Kooperation von Ubuntuusers.de und Google” kann als Warnsignal verstanden werden. Nämlich, dass die Community eines “freien” Betriebssystems nicht bereit ist, dessen Kommerzialisierung über einen gewissen Punkt hinaus mitzutragen. Und im Aprilscherz von YouTube (“Wir streamen heute Videos in ASCII, um Bandbreite zu sparen“) steckt die Botschaft: YouTube zu betreiben kostet viel Geld. Seid also dankbar, dass ihr es kostenlos nutzen dürft! Solche Interpretationen liegen freilich immer im Auge des Betrachters.

Während der neuzeitliche Mensch sich eines jährlichen medizinischen Checkups entziehen kann, hat der moderne Medienkonsument keine Wahl: Am 1. April wird er gnadenlos einer Zwangsüberpüfung unterzogen. Wer nicht als konsumtrotteliger Blödmann dastehen will, wird gezwungen, die Flut der Falschmeldungen am 1. April auf ihren Wahrheitsgehalt und ihre Plausibilität zu prüfen. So wird der 1. April zum Tauglichkeits-TÜV für Medienkompetenz.

Dies ist auch der eigentliche Verdienst des journalistischen Aprilscherzes. Dass er einmal im Jahr den Sinn dafür schärft, dass nicht alles, was geschrieben steht, auch wahr sein muss. Und dass der potenziell gefoppte Leser dadurch aufgefordert wird, auch an den anderen 364 Tagen den alltäglichen medialen Wahnsinn über eine Pipe mit grep zu filtern und sich bewusst bleibt, dass jede Nachricht eine Absicht verfolgt. Jeder Tag ist irgendwie ein kleines bisschen der 1. April. Nachrichten heißen schließlich “Nachrichten”, weil man sich “da-nach-richten” soll.  Die Vorbereitungen für die Aprilscherze 2011 haben jedenfalls längst begonnen.

Na denn: Fröhliche Weihnachten!

“Laughing Fool”: (Bildlizenz: Public Domain)

Zum Thema: Religionsportal für Ubuntu!

“Shell-Guru”: Ein Heftchen sieht wie das andere aus!

Aufmerksame  Linux-Heft-Leser wundern sich derzeit, warum ein [Update] im November 2011 erschienenes Heft einem im Frühjahr 2010 erschienenen Heft und einem 2008 erschienenen Heft irgendwie verdammt ähnlich sehen.

Die Publikationen von …

Open Source Spezial  (“130 Seiten Linux-Know-how machen Sie zum Shell-Guru“, 2008, 6,90 EURO)
Linuxuser      Spezial
(“100 Seiten Linux-Know-how machen Sie zum Shell-Guru“, 2010, 7,90 EURO)
Linuxuser      Spezial
(“Mit 124 Seiten Linux-Know-how zum Shell-Guru,                2011, 8,90 EURO)

… weisen dabei nicht nur eine erstaunliche Ähnlichkeit in der Titelschlagzeile auf, sondern auch im Schriftsatz und Heft-Logo. Sogar ein als Blickfang dienender Tux gleicht seinem Pendant bis aufs Haar.

100 09331 Shell Guru: Ein Heftchen sieht wie das andere aus! tux shell satire recycling realsatire presse plagiat open source magazin linuxuser linux konsole kiosk journalismus humor heft gutenberg guru green IT fun finanzkrise blog bash bahnhof alsosowas admin

Frühjahr 2008 - 6,90 EURO

In eigener Sache Neues LinuxUser Sonderheft zum Thema Shell imagelarge Shell Guru: Ein Heftchen sieht wie das andere aus! tux shell satire recycling realsatire presse plagiat open source magazin linuxuser linux konsole kiosk journalismus humor heft gutenberg guru green IT fun finanzkrise blog bash bahnhof alsosowas admin

Frühjahr 2010 - 7,90 EURO

shell guru november 2011 215x300 Shell Guru: Ein Heftchen sieht wie das andere aus! tux shell satire recycling realsatire presse plagiat open source magazin linuxuser linux konsole kiosk journalismus humor heft gutenberg guru green IT fun finanzkrise blog bash bahnhof alsosowas admin

November 2011 - 8,90 EURO

Im Zuge der Finanzkrise scheint der aktuelle (optische) Klon 2010 nicht nur 30 Seiten an Information verloren zu haben (gegenüber 2008), nein, das Heft kostet auch 1 Euro mehr. [Update: Und im November 2011 einen weiteren Euro mehr, nämlich 8,90 EURO. Dafür gibts wieder mehr Inhalt.]

Zwar haben regelmäßige Heftchenleser sowieso schon registriert, dass alle 3 Monate dieselben Themen neu aufgekocht werden, nämlich WLAN, die friedliche Koexistenz von Linux und Windows und Linux als Mediaserver. Bis dato hat man jedoch wenigstens einen neuen Tux und eine neue Schlagzeile geliefert bekommen. Hat man dafür etwa keine Lizenz bekommen? Bevor der Autor dieser Zeilen also morgen früh um Punkt 6 Uhr im Bahnhofskiosk dem verschlafenen Verkäufer das brandaktuelle LinuxUser Spezial aus der Hand reißt, wird er es genüsslich Seite um Seite durchblättern und studieren, bis es gelbe Ränder hat. So ein Heft kostet schließlich 15 Mark 18 Mark und man will ja wissen, ob auch was Neues drinsteht.

Macht ja nix. Wenn das Heft so gut ist wie die Ausgabe 2008. Die steht nach wie vor in meinem Regal, während andere den Gang ins Altpapier angetreten haben. Die Redaktion hat sich übrigens 2010 zu diesem Artikel geäußert. Siehe Kommentare.

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