Das Auto als Universum der Privatsphäre
Das Automobil wird von vielen Humanoiden als mobile Wohnstube wahrgenommen: Es gilt als ein in sich geschlossenes Universum der Privatsphäre.
Hier sitzt man bequem, kann seine Lieblingsmusik hören, kann rauchen, futtern und sich unbekümmert der Flatulenz widmen – ganz wie bei Muttern auf’m Sofa.
Eine oft als Bürde empfundene Nebenbetätigung ist das Lenken des Fahrzeugs an sich. Diese hirn- und händebeschäftigende Peripherie-Erscheinung ist bei manchen Primaten zur lästigen Routine verkümmert.
Geübte Radfahrer können ein Lied solcher Routinebemühungen ihrer Hintern-herumkutschierenden Artgenossen singen. Solche sog. sportiven Rad-Primaten, die in aller Naivität davon ausgehen, dass alle Autofahrer sich immer an die Verkehrsregeln halten, küssen bei einem unbekümmert begonnenen Ausflug vom Nürnberger Plärrer nach Unterfarrnbach im Schnitt drei mal den schmutzigen Asphalt.
Statistisch besonders häufig ist das Beschädigen von Radfahrern beim sorglosen Einbiegen des Automobils in eine Vorfahrtstraße.
Fukushimöses Restrisiko
Der Sturz von einer der drei Lorzentobelbrücken, der Kopfschuss mit dem Bolzenschussgerät oder die Einnahme eines Eimers Schmerztabletten galten bisher als sichere Methode, freiwillig aus dem Leben zu scheiden, ohne mit einem fukushimösen Restrisiko belastet zu sein. Neuesten Untersuchungen zufolge ist es jedoch weitaus erfolgversprechender, einmal die Fürther Straße entlang zu radeln und auf sein gutes Vorfahrtsrecht zu pochen!
Der lebensbejahende und mitdenkende Radler versucht freilich in jovialem Optimismus, eventuell auftretende Traumtänzer mit Fahrerlaubnis zu antizipieren. Nicht weil er einem kognitiv degenerierten Schimpansen auf vier Rädern eine lebenslange Schadenersatzforderung ersparen will. Sondern deshalb, weil er sich am Abend auf dem Sofa auch mal wieder futternd und hirnlos dahintreiben lassen will – nach all der Konzentration auf dem Rad.
Blubbernder Redeschwall ins Handy
Extreme Vorsicht ist bei schlecht einsehbaren Ausfahrten angebracht. Kürzlich fuhr der Autor dieser tendenziösen Zeilen auf dem Radweg bergab mit ca. 25 Sachen an einer Firmenausfahrt vorbei, als er zu einer unerwarteten und dramatischen Vollbremsung zum Fortbestand der eigenen Vitalität gezwungen wurde.
Aus der Ausfahrt war ein offenbar völlig abwesender Fahrer geschossen gekommen und lugte nun nach einem schaukelnden Bremsmanöver quer über den Radweg und gar ein Stück weit in die Straße hinein. Dabei blubberte er geistesabwesend in einem unaufhörlichen Redeschwall irgendwelches (vermutlich unsinniges) Zeugs in sein Mobilfunktelefon (“Ich bin gleich da…”).
Erst dann wagte er einen Blick aus seiner Gedankenglocke nach links und erkannte, dass er dem Autor dank seiner voluminösen Traumblase beinahe einen Freiflug mit ungewissem Ausgang beschert hatte…. (“Christen links, Buddhisten rechts, Atheisten geradeaus….”).
Sich nie mehr an irgendwas erinnern …
Solche Gesellen sollten trotz ihres frühkindlichen Urvertrauens vielleicht verstehen, dass man ihnen gegenüber empört reagiert, und auch mit Worten, an die man sich später möglicherweise nicht mehr erinnert. Hätte der Autor nicht die Hand an der Bremse gehabt, würde er sich schließlich womöglich nie mehr an irgendwas erinnern.
Der Autor hat es sich längst abgewöhnt, in solchen Situationen mit einer Entschuldigung zu rechnen. Erfahrungsgemäß reagiert zwar rund die Hälfte der Autofahrer mit einer Entschuldigung (entweder in Verbindung mit Schreck im Gesicht oder einnehmendem Lächeln).
Die andere Hälfte reagiert jedoch mit Agressivität oder gar Drohgebährden.