Auf meiner Arbeit spielte sich kürzlich folgende Szene ab, die mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht:
Ein Kollege bat mir etwas Obst an:
“Möchtest Du eine Zwetschge?” fragte er.
Ich griff nickend zu und mein Kollege fügte aufmerksamsheischend hinzu: “Die sind aus Franken!”

Haste nicht gesehen: Obst aus der Region!
Irgendwie beschlich mich plötzlich das Gefühl, dass es sich hier um eine ganz besondere Frucht handeln müsse. Eine Frucht, die man nicht einfach so bekommt, sondern deren exotische Erscheinung hier und heute in meiner Gegenwart eine spezielle Erwähnung und meine ungeteilte Aufmerksamkeit verdiente.
Deshalb fragte ich erstaunt mit genüsslichem Schmatzen:
“Hmmmm, echt?“, was er voller Stolz bestätigte.
“Jaaa, die sind aus Franken!”
Soweit wäre diese Geschichte doch eigentlich nichts besonderes – wenn wir nicht inmitten von Mittelfranken leben würden. Einem wunderschönen Land, dessen Früchte uns anscheinend inzwischen so exotisch erscheinen, dass deren Auftreten eine spezielle Erwähnung verdient. Eine Frucht, die Blicke hervorruft, die man sonst nur siebenköpfigen Kühen zuwirft.
Noch gut kann ich mich daran erinnern, als ich als Kind meine erste Kiwi sah und wie besonders und ungewöhnlich so eine Frucht war. Wie ein Botschafter aus einer uns fremden Welt, deren Namen wir nicht mal buchstabieren konnten und die man so vorsichtig hielt, damit sie ja nicht runterfiel. “Die sind aus Neuseeland!” – Solch eine Frucht wurde dann im Stile einer japanischen Teezeremonie verspeist.
Heute gibt`s Kiwis im 6er-Pack bei Aldi, wir futtern Litschis, Avocados, Kaktusfeigen, Karambolen, Limetten, Kiwanos, Papayas, Naschis und Pepinos. Keine alte Sau fände dies heute noch erwähnenswert.
Aber wehe, das Obst kommt aus der Region. Das führt unweigerlich zu Rudelbildung unter den globalen Litschi- und Mangovertilgern.
“Hey Leute! Schaut mal her! Diese Dinger hier: äh, wie heißen die noch mal? Zwetschgis oder so – die kommen aus Franken!”
“Booah – echt? Die sehen ja aus wie blaue Kumuralabumitschis! Hey, kommt mal alle her, das müsst ihr euch ansehen!”