Das Web 2.0 überschwemmt das Netz mit einer Fülle von Blogs. So vielfältig wie die Sachthemen sind auch die Motivationen und die Menschen, die Blogs führen. Welcher von neun Blogger-Typen bist Du? Der Pflichtbewusste, der Nachplapperer, der Statistiker oder der Anti-Blogger? Netz 10 wagt eine grobe (manchmal augenzwinkernde) Kategorisierung der verschiedenen Typen des homo blogensis.
Schublade auf, Blogger rein, Schublade zu!
Der Unbedarfte:
Der Unbedarfte schreibt, was ihm gerade in den Sinn kommt und hat oft einen akademischen Hintergrund. Korrekturlesen hält er für Zeitverschwendung. Das Leben ist zu kurz, um sich mit der Vergangenheit aufzuhalten. Postet ein Leser einen Kommentar, wird dieser automatisch freigeschaltet. Der Unbedarfte verachtet jede Form von Zwang. Meist ein Sprößling der gehobenen Mittelschicht. Alles ist für alle da. Leerer Kühlschrank. Immer gut gelaunt. Sein Motto: “Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten!”
Der Pflichtbewusste:
Der Pflichtbewusste ist eine absolute Koriphäe in einem speziellen Fachgebiet. Er ist ein grundehrlicher Typ und sehr bescheiden. Auf Bloggen hat er eigentlich keine Lust. Doch er fühlt sich verpflichtet seine unerreichte Kompetenz regelmäßig mit anderen zu teilen. Brummelig, aber sozial. Er bloggt selten, dafür aber ausführlich und immer korrekt. Dieser Blogger ist wie ein Omnibus: langsam, aber zuverlässig. Sein Blogdesign ist simpel und ohne Schnörkel. Nur der Inhalt zählt. Sein Motto: “Wenn Du was machst, dann mach es anständig!”
Der Anti-Blogger:
Der Anti-Blogger ist ein enger Verwandter des Unbedarften, versteht sich jedoch als sozial und politisch Radikalisierter. Er hat die ungerechte Knute der Institutionen gespürt und sieht den “mainstream” der Gesellschaft als menschenverachtende Parallelwelt an. Aus dieser Diskrepanz bezieht er die nie versiegende Quelle seines zynischen, aber treffenden Humors. Keiner analysiert so gut wie er, auch wenn seine Schlussfolgerungen manchmal haarsträubend sind. Hat “Fefe” im Feedreader. “Impressum” ist ein Fremdwort für ihn. Sein Motto: “Mottos sind ein Unterdrückungswerkzeug des Establishments!”
Der Statistiker:
Der Statistiker prüft jeden Tag mehrmals, wieviele Besucher sein Blog erhalten hat. Er bloggt nur zu bestimmten Uhrzeiten, da dann seine Artikel die größte Aufmerksamkeit erhalten. Er bloggt nie Sonntags, da dann die Besucherzahlen am niedrigsten sind. Oft verwirft er ein Thema, das ihn selbst interessiert und ersetzt es durch ein langweiliges. Denn dann wird es in einem großen Planeten erscheinen. Und er hat wieder frisches Futter, um die neuen Zahlen zu analysieren. Sein Motto: “Quote ist Quote ist Quote”
Der Schwiegersohn-Blogger:
Der Schwiegersohn-Blogger ist beliebt, fachlich und sozial kompetent, hilfsbereit und nett. Er eckt nirgendwo ernsthaft an, ohne dabei sein Fähnchen in den Wind zu halten. Alle mögen ihn. Würde man den idealen Blogger kreieren müssen, würde er auf dem Schwiegersohn-Blogger basieren. Sein Blog ist eine optische Augenweide und er selbst ist mindestens genauso schön. Er ist immer sauber gescheitelt und riecht gut. Noch nie ist es jemandem gelungen, dem Schwiegersohn-Blogger einen sachlichen Fehler in einem Artikel nachzuweisen. Sein Motto: “Andere mögen über mich urteilen – Eigenlob stinkt!”
Der Selbstinszenierer:
Der Selbstinszenierer begreift den Blog als Chance, endlich mal im Mittelpunkt zu stehen. Er ist ein Meister in der Kunst, Sachthemen derart geschickt einzubinden, dass sie immer wieder auf ihn zurückverweisen. In seinem Blog lässt er keine Gelegenheit aus, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Jeder zweite seiner Sätze beginnt mit “Ich”, “Mir” oder “Meine”. Sein Motto: “Kamera läuft. Ich bin soweit. Alle mal hersehen!”
Der Nachplapperer:
Der Nachplapperer ist durchschnittlich kreativ und begreift das Bloggen als reinen Selbstzweck. Ob er über Badminton, Meerschweinchen oder Schweißfüße bloggt, ist ihm eigentlich egal. Er ist gut informiert und sieht sich als Drehscheibe seiner Blogging-Gemeinschaft. Hat das führende Meerschweinchen-Journal den letzten Zuchterfolg gebloggt, kann man es fast zeitgleich auf seiner Seite lesen. Er zieht seine Anerkennung daraus, dass er die wichtigen Quellen ständig beobachtet und als erster weiterplappert. Besitzt ein Ei-phone 4 und hat eine Trendfrisur. Sein Blog ist voll von Ankündigungen und Links zu Inhalten, die andere erstellt haben. Sein Motto:”Wer nicht aneckt, kommt im Leben am weitesten.”
Der verhinderte Chefredakteur:
Beantwortet alle 5 W-Fragen im ersten Satz. Das Layout seines Blogs wirkt meist statisch-seriös. Schreiende Farben sucht man vergebens. Bemüht sich immer, alle Aussagen mit Quellen zu belegen. Bastelt und konstruiert jeden Satz so, dass er für alle gut verständlich ist. Bringt nie seine eigene Meinung ein, und wenn doch, kennzeichnet er sie als Kommentar. Versucht, seinen Artikel in einen größeren Zusammenhang einzuordnen. Sein Motto: “Frau Meyer, einen Kaffee mit Zucker bitte…”
Der Zauderer:
Der Zauderer ist nur ein theoretischer Blogger; er hat eine bewundernde Haltung gegenüber anderen Bloggern entwickelt. Schon lange hat er geplant, selbst einen Blog ins Netz zu stellen. Doch es quälen ihn Fragen wie: “Werde ich es allen Recht machen können?” oder “Bin ich dafür überhaupt geeignet?” oder “Warum bin ich kein Beamter geworden?”. Beim Zauderer klaffen Wunsch und Wirklichkeit weit auseinander. Noch nie ist vom Typ des Zauderers jemals ein Artikel im Netz gesichtet worden – weltweit. Sein Motto: “Ich hätte ja schon längst, wenn nicht …“