Max-Morlock-Stadion – “Unser Stadion ist keine Nutte”

Bevor ich mich anfange in diesem Artikel aufzuregen (und zwar so richtig), möchte ich gerne die Nicht-Nürnberger erst mal informieren, um was es geht.

Die Geschichte beginnt im Jahr 1954, als der 1. FC Nürnberg mit Max Morlock einen großartigen Fußballer hervorbrachte, der im WM-Finale den 1:2 Anschlusstreffer gegen die Ungarn erzielt hat und damit entscheidenden Erfolg am WM-Titel der Deutschen hatte (Endstand 3:2).

fcn1 300x116 stadion sport max morlock fcn club Seit vielen, vielen Jahren ist bei einigen Fans deshalb der Wunsch entstanden, das Nürnberger Stadion in “Max-Morlock-Stadion” umzubenennen. Der Verein hat das bis jetzt immer abgelehnt. Denn wenn ein Stadion heutzutage nicht Pampers-Arena, Kloster-Frau-Melissengeist-Stadion oder Dany-plus-Sahne-von-Danone-Kampfbahn heißt, dann kostet das den Verein einen Haufen Geld, das man nicht mehr für ein Leihgeschäft dritten Grades über einen tiefstehenden, 17-jährigen 10er aus Burundi ausgeben kann.

Aus genau diesem Grund mussten die Nürnberger Brüllball-Fans (danke, Elias) jahrelang als Canossa-Gänger bei Clubspielen ihre aufrechte, sportkameradschaftliche Seele durch den Besuch des sog. Easy-Credit-Stadions demütigen lassen.

Doch kürzlich wartete die sich vor glückshafter Ekstase berauschte Lokalpresse mit einer ganz besonderen Meldung auf, deren Tenor ungefähr so geht:

Das Max-Morlock-Stadion kann wahr werden!!!! Ein Traum für Clubfans!!!. Alle Clubfans freuen sich, dass…, Alle Clubfans schweben im 7. Himmel ” usw. usw. usw.”

Ach so. Und irgendwie hieß es auch, dass es irgendwas mit einer großen Bank zu tun habe (Der Name der Bank bleibt hier unerwähnt, denn die wochenlange Erwähnung des Namens ist imho Teil der PR-Strategie, die von einigen Lokalmedien kritiklos begleitet wird). Und was genau, das würde auf einer Pressekonferenz eine Woche später bekanntgegeben. Und bis dahin können sich “alle Clubfans” schon mal freuen. Hurra!

Nun gehöre ich zu den Menschen, die sofort skeptisch werden, wenn mir suggeriert werden soll, dass “alle” Mitglieder einer Gruppe irgendwie dasselbe denken.

derby 2011 fcn greuther3 300x178 stadion sport max morlock fcn club Nach dem verordneten Freudentaumel ist die Katze nun aus dem Sack. Denn die Bank verzichtet natürlich nicht einfach so auf den Namen und präsentiert sich als bedingungsloser Gönner, der nach seiner großzügigen Spende möglichst dezent im Hintergrund bleibt und fiskalischen Humanismus auslebt. Nein, die Fans sollen ihren finanziellen Beitrag leisten, damit “der Traum aller Nürnberger Fans” wahr werden kann.

800.000 Euro sollen die Glubberer-Fans auf den Tisch legen, in einem sogenannten Crowdfunding (nordbayern.de). Dann legt die Bank noch mal 2,4 Mio drauf. Macht 3,2 zusammen. Das würde den Namen “Max-Morlock-Stadion” dann sicherstellen.

Nun, um genau zu sein: Sicherstellen für die nächsten drei Jahre. Danach müssen die Fans dann wahrscheinlich wieder blechen. Oder wir kriegen dann eben eine Wagner-Steinofen-Pizza-Arena. Oder so ähnlich.

Die Wahrheit ist natürlich, dass in diesem Gesellschaftssystem keine Bank einfach ein paar Mios raushaut, um irgendein paar in schwarz-rotem Tüll gekleidete Fans ein Geschenk zu machen. Weil die so nett sind. In Wahrheit geht es natürlich um eine abgewandelte Form des Greenwashing, bei der sich die Bank durch diese dem-Fan-nach-Maul-reden-Aktion einen Imagegewinn erhofft, der letztlich zu Mehreinnahmen durch Imagegewinn führt.

Das ist Tatsache. Wer was anderes glaubt, der ist in meinem Augen naiv.

Noch vor 4 Jahren zogen Hunderte Club-Fans mit Unser Stadion ist keine Nutte-Sprechchören (ab 1:18 min) durch die Stadt:

Machen wir mal die billige Milchmädchenrechnung: Bei 500.000 Einwohnern müsste jeder Nürnberger 1,60 Euro aufbringen. Damit das einstige Frankenstadion (das übrigens während der Nürnberger Reichsparteitage das Stadion der Hitler-Jugend war) Max-Morlock-Stadion heißt. Für drei Jahre.

Ich befürchte, leider, leider, das Geld kommt zusammen. Und ich befürchte auch, ich kann den Erfolg dieser durchsichtigen, monetär auf Gewinn abzielenden PR-Aktion einer Bank nur als Gradmesser für die Verblödung der Gesellschaft betrachten. Wer kann denn wirklich im Ernst glauben, dass eine Bank was herschenkt? Einfach so?

Bis jetzt haben Banken meiner Erfahrung nach nur Schecks für Kinderheime in die Kameras gehalten, um einen Imagegewinn abzusahnen.

Was jetzt wirklich neu ist, dass die, die den Imagegewinn hirntrunken in ihre Seele lassen, für genau diesen Imagewinn auch noch bezahlen sollen.

Ganz großartiger PR-Coup!

Comments

  1. Ich kann Dir nur beipflichten. In der heutigen, hiesigen Tageszeitung mit den zwei großen N (somit natürlich auch auf nordbayern.de) wird der Coup auch noch schön an die große Glocke gehängt.

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