Präsident Donald Trump soll weg und Präsident Barack Obama soll wieder her!!!!

Die großartige Nürnberger Bloggerin Bettina mit ihrem großartigen Blog Kleine Schwänke aus meinem Leben hat mir dieses großartige Foto zur Verfügung gestellt. Es zeigt eine Litfasssäule, auf der sich zwei 8-jährige Mädchen mit einer politischen Botschaft verewigt haben:
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Präsident Donald Trump soll weg und Präsident Barack Obama soll wieder her!!!!!

Das ist ja toll, denkt sich da so manch einer. So jung und schon so viel Ahnung von der Politik.

Wenn man mal ein bisschen darüber nachdenkt, muss man wohl zu einem ganz anderen Ergebnis kommen. Wie hoch kann die Fähigkeit 8-jähriger Kinder sein, um zu einem fundierten Urteil über komplexe politische Zusammenhänge zu kommen? Schon mit der ersten simplen Nachfrage an die unbekannten Künstler (“Und warum glaubt ihr das?”) würde deren politische These mangels Fundament wahrscheinlich ruckzuck wie ein Kartenhaus zusammenstürzen.

Am Ende bleibt einfach der Verdacht, dass zwei Kinder hier irgendetwas nachplappern, was sie aus dem Elternhaus oder aus den Medien übernommen haben. Es hätte wahrscheinlich nicht viel Aufwand bedürft, um die Kinder dazu zu bringen, die exakt gegenteilige Botschaft zu vertreten. Abhängig vom Elternhaus und medialem Input wären sie wahrscheinlich auch schnell bereit ein Plakat zu malen, auf dem steht:

Endlich ist Obama weg! Mit Donald Trump wird alles besser!

oder:

Wir wollen mehr Spielplätze, mehr Wälder und weniger Autos. Frau Merkel soll weg!

Kinder lernen eben viel durch Beobachtung und Nachahmung und sind leicht beeinflussbar. Kinder bei diesem schwierigen und manchmal schmerzhaften Prozess verantwortungsvoll zu leiten, ihnen die nötigen Freiräume zu geben, ihnen Mut zuzusprechen und auch Fehler zu erlauben, aber dennoch im nötigen Moment korrigierend einzugreifen, das nennt man gute Erziehung.

Die politische Botschaft unserer beiden 8-jährigen Künstler spiegelt wahrscheinlich recht gut den Trend unserer heutigen Gesellschaft wider, in der Menschen und Medien sich zunehmend auf Polarisierung zurückziehen. Immer weniger hört man heute Sätze wie “Versetz Dich doch mal in den anderen rein” oder “Ich bin nicht Deiner Meinung, aber ich werde Dein Recht verteidigen, sie sagen zu dürfen“. Mit Abwägungen und Analysen hält man sich heute weniger auf.

Nazi! Kommunist! Linkspopulist! Rechtspopulist! Rassist! Politisch korrekte Kampflesbe!

Das erstickt alles im Keim. Diskussion beendet. You’re either with us or against us.

Diese Spaltung wurzelt zum einen in der realen Verschiebung gesellschaftlicher Verhältnisse, z.B. in der Art und Weise, wie der Reichtum im Land verteilt ist.  Aber auch in der Art und Weise, wie Gesellschaft in den klassischen Medien (Zeitungen, TV und Radio) dargestellt wird. Mehr schwarz, mehr weiß, weniger grau. Und dann gibt es natürlich die vielen Filterbubbles im Netz.

Unsere beiden 8-jährigen Mädels werden im Rahmen eines solchen Diskurses wahrscheinlich verschämt zu Boden blicken. Und überfordert fragen, ob sie ein Eis haben dürfen.

Je länger und intensiver wir eine polarisierte Gesellschaft erleben, desto weniger dürfen wir uns wundern, wenn unsere Plakatmaler von heute in ein paar Jahren zu intoleranten Absolutisten werden, die die Welt nur in Schwarz oder Weiß sehen. Für welche politische Richtung oder Bewegung sie dann ihr erlerntes, alternativloses Selbstverständnis ausleben, das spielt dann auch nicht wirklich eine große Rolle.

Die Eltern und das Fernsehen haben es ihnen schließlich lang genug vorgemacht.

P.S.: Im Übrigen gilt: Die Tatsache der Volljährigkeit ist kein Garant für politische Weisheit.

Merkel Trump Inauguration 3 trump obama nuernberg kinder erziehung (Dieser Cartoon erschien zuerst auf cartunist.netz10.de).