Halleluja! Die Welt ist ein großer LKW-Parkplatz

Ein Trend der letzten Jahre hat sich 2016 noch einmal verstärkt: Immer mehr LKW parken in Wohngebieten.

Für Fußgänger, Kinder und Radfahrer ist das aus mehreren Gründen eine schlechte Nachricht. Gewerbliche Fahrzeuge blockieren die Optik und verschlechtern damit die gefühlte Lebensqualität in der Nachbarschaft:

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Verkehrsdarwinismus: Ein LKW parkt in der Wohnsiedlung in der Leipziger Straße in Nürnberg

Geparkte LKW und Transporter engen (neben den vielen PKW) den eh schon knappen urbanen Raum weiter ein. Die Folgen dieser Verengung des städtischen Raums sind dramatisch. Kinder sieht man schon lange nicht mehr auf oder in der Nähe von Straßen spielen (OK, das hat sicher auch noch andere Gründe wie die Zunahme der PKW-Zahl und ein verändertes Sicherheitsempfinden).

Wie man am obigen Bild sehen kann, verringert sich der begehbare Raum v.a. auch dann, wenn Kraftfahrzeuge kurzerhand an Stellen abgestellt werden, die eigentlich Fußgängern vorbehalten sind (Helmpflicht für Fußgänger?). Auch PKW, aber v.a. klotzige LKW wirken sich auch auf das Sozialleben der Nachbarschaft aus. Zwischen Dir und Frau Meyer von gegenüber tut sich plötzlich eine riesige Barriere auf. Wenn Du sie überhaupt siehst (siehe oben).

Manche Gehwege sind für einzelne schon gar nicht mehr begehbar und als Fußgänger ist man gezwungen auf die Straße auszuweichen. Wo sonst zwei Fußgänger nebenher laufen können, wird der jovial-gemütliche Redefluss jäh unterbrochen, weil man alle paar Meter nur noch hintereinander herdackeln kann, weil wieder mal ein gewerbliches Fahrzeug (oft natürlich auch ein Privat-PKW) den Gehsteig versperrt.

In manchen Stadtteilen hat man schon gar keine Lust mehr, sich zu Fuß aus dem Haus zu begeben, weil sich der potenziell entspannende Spaziergang zum Supermarkt zu einem Spießrutenlauf entwickelt hat.

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Ein gewerblich motivierter Egomane blockiert nach Dienstschluss rücksichtslos diesen Gehweg in Nürnberg.

Deutschland ist ein kinderarmes Land. Das mag viele Gründe haben. Einer ist wohl auch, dass niemand mehr Bock hat, Kinder in einer solch schwierigen Umwelt aufzuziehen, wo Du noch nicht mal mit dem Kinderwagen zum Bäcker laufen kannst, ohne alle 50 Meter auf die beidseitig zugeparkte Straße im Wohngebiet auszuweichen.

So blöd ist der Papa nicht. Und kauft sich deshalb selbst ein eigenes Auto.

Heute will doch kein Unternehmer mehr einen Fahrer sozialversicherungspflichtig einstellen. Der sozialversicherungspflichtig angestellte Fahrer ist wirtschaftlich der unberechenbarste Faktor. Der ist im Jahr zwei Wochen krank. Der zieht Dir ne lange Nase und muss trotzdem bezahlt werden.

Die Folge: Die halbe Stadt ist voller “Selbständiger”, die den ganzen Tag in der Stadt umherkurven. Und die am Ende des Monats trotzdem nur 800 Euro auf dem Konto übrig haben.

Und natürlich parken sie alle Ihre LKW und Transporter genau da, wo sie wohnen. Da spart man sich die Kosten für den Firmenparkplatz gleich mit. So werden prekäre “Selbständige” gegen ihre eigenen Nachbarn ausgespielt. Die Bezahlung und soziale Absicherung der Fahrer sinkt. Und die Lebensqualität in der Nachbarschaft sinkt auch. Lose-Lose!

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Ein DHL-Lieferwagen blockiert hier in Nürnberg einfach alles

Diese ganze Lieferitis hat natürlich auch was mit der Bequemlichkeit der Leute in der Nachbarschaft zu tun. Du selbst bekommst es bequem nach Hause geliefert. Wenn der DHL-Mann dann 5 Minuten den Gehsteig blockiert, dann müssen sich (während Du auf dem Sofa sitzt) mit diesem Problem schließlich andere Menschen rumschlagen.

Sie ragen in Fußgängerüberwege hinein. Sie stehen in Einfahrten und vor Zebrastreifen. Sie parken auf Radwegen, Gehsteigen und in Fußgängerzonen. Auf Teufel komm raus. Und die Obrigkeit sieht weg. Denken Sie doch mal an die Wirtschaft.

Halleluja und fröhliche Weihnachten! Die ganze Welt ist ein großer LKW-Parkplatz!