Das Nürnberger Zeppelinfeld im Jahr 2030 – ein Ausblick

Das Zeppelinfeld in Nürnberg soll für 73 Millionen Euro saniert werden. 12 Jahre soll die Bauzeit sein, doch wann und ob mit den Arbeiten überhaupt begonnen werden kann, ist noch offen. Die Stadt hat in den letzten Jahren alleine 3 Millionen Euro ausgegeben, um den Zustand der Zeppelintribüne und der Wallanlagen zu erkunden. Bund und Bayern müssen nun zeigen, wieviel sie zum Erhalt des geschichtsträchtigen Zeppelinfeldes beitragen wollen.

Das Zeppelinfeld war in den 30ern der Schauplatz der größten Aufmärsche und Paraden im Rahmen der Reichsparteitage (1933-1938), die Hitler in Nürnberg, der “deutschesten aller deutschen Städte” veranstaltete.

Das Zeppelinfeld ist 2016 in schlechtem Zustand. Die Wallanlagen (vor ca. 10 Jahren wegen schlechter Begehbarkeit gesperrt), die als Zuschauertribünen um das Feld arrangiert wurden, sind heute überwuchert:

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Wallanlagen am 3.11.2016 – im Hintergrund: Das heutige FCN-Stadion, das während der Reichsparteitage von der Hitlerjugend genutzt wurde.

Und so sind inzwischen Teile des Mauerwerks zu sehen, die nie sichtbar hätten werden sollen, weil die Anlagen durch das Gewicht sich stark abgesenkt haben.

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Das Ziel ist es, die Wallanlagen künftig für Besucher begehbar zu machen.

Rund 60% des Gesamtaufwandes entfällt alleine auf die Steintribüne und den in ihr verborgenen “Goldenen Saal”.

Das Grundproblem der Zeppelintribüne ist die Feuchtigkeit (Sättigungsgrad 90%). Das sich ausweitende Wasser begünstigt das Bröckeln der Tribüne. Nach dem Abschluss der Arbeiten soll das ganze Gebäude besser durchlüftet und gegen Verwitterung geschützt sein.

Das Dach soll künftig mit Bitumen abgedeckt werden und wäre damit nicht begehbar.

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Blick vom Dach der Zepelintribüne 2013

Die Tribüne: In der Testphase der letzten Jahre waren verschiedene Methoden getestet worden, um die Steinplatten der Tribünen zu ersetzen oder auszubessern. Der grundsätzliche Austausch ganzer Platten ist verworfen worden.

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Zeppelintribüne in Nürnberg 2013

Die Methode der Wahl ist es jetzt, die Steinplatten im Original möglichst zu belassen und nur an den erforderlichen Stellen auszubessern. Jede einzelne Platte wird individuell bearbeitet.

Der “Goldene Saal” soll zu einem Ort der Erfahrung und des Lernens gemacht werden.

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Beide Fotos vom 3.11.2016. Mehr Bilder vom “Goldenen Saal” vom Juni 2016

Das kalte und feuchte Gemäuer wird dann künftig beheizt und als eine Art Außenstelle des Dokuzentrums (über 3 Millionen Besucher seit 2001) ein Anlaufpunkt auch für Individualtouristen sein. An der Rückseite der Tribüne soll ein Element aus Glas auch von außen einen Einblick in den “Goldenen Saal” erlauben.

Das riesige Zeppelinfeld selbst soll weitgehend von seinen Hindernissen befreit werden. Zäune und Leitplanken verschwinden. Für die 200 Meilen von Nürnberg sollen temporäre Begrenzungen aufgebaut werden. Die Bäume werden um- (und damit vom Zeppelinfeld weg-) gepflanzt. Der Fußbballplatz und der Vereins-Flachbau sollen verschwinden. Was bleibt, ist die American-Football-Anlage. Sie soll umzäunt werden.

Für Besucher sollen neue Perspektiven durch erhöhte Begehbarkeit und mehr freien Raum auf dem Feld entstehen.

Bis die Finanzierung steht, kann noch eine Weile vergehen. Am Ende könnte sich gar herausstellen, dass die jahrelangen Vorbereitungen sich am Ende als unterfinanzierte Luftnummer herausstellen. Während der geplanten 12 Jahre könnte nur 6 Monate im Jahr gearbeitet werden. Während Großveranstaltungen wie “Rock im Park” würden die Arbeiten wohl eingestellt werden müssen. Rund 15 Jahre könnten am Ende vergehen, bis die Arbeiten beendet sind und das Zeppelinfeld zu einem einzigartigen Lernort geworden ist.

Kritisch betrachtet ist das Problem dieser verwitterten weltgeschichtlich relevanten Anlage dann aber auch nur aufgeschoben. Nach rund 30 Jahren wird man sich erneut überlegen müssen, wie es mit der Bausubstanz auf dem Zeppelinfeld weitergehen soll.

Kritiker können einwenden, 73 Millionen sind ein Haufen Geld, um Steine individuell zu behandeln. Nehmt doch lieber das Geld, um Menschen individuell zu behandeln. Doch so einfach kann es dann doch nicht sein. Mit dem Erbe des Reichsparteitagsgeländes geht für Nürnberg auch eine Verpflichtung einher, die Ursachen und Auswirkungen dieser Massenveranstaltungen der Nationalsozialisten sichtbar und erfahrbar zu machen.

Stadt Nürnberg: Lernort Zeppelinfeld: PDF, 27 Seiten