„Dreister Steuervermeider“ IKEA plant Filiale in Nürnberg

Nürnberger, die ganz heiß auf eine Hängeleuchte SÖDER („mit weichem Stimmungslicht„)  waren, sind bisher immer in die Nachbarstadt Fürth gefahren. In Fürth hat der schwedische Möbelgigant IKEA nämlich eine riesige Filiale, wo er viele Produkte mit unaussprechlichem Namen anbietet.

Doch jetzt will IKEA auch nach Nürnberg kommen, damit der Nürnberger nicht so weit fahren muss und beim späteren Zusammenbau von GODMORGON oder ÄPPLARÖ mehr Zeit für Wutausbrüche und Fluchorgien hat.

Auch in der Nürnberger Stadtpolitik scheint über Parteigrenzen große Einigkeit vorzuherrschen, dass uns in Nürnberg nix besseres passieren kann, als nach einer doppelten Portion KÖTTBULAR mit einem SNEFJORD oder UNDREDAL nach Hause zu knattern.

Diese festiv-euphorische Jubelpersermentalität macht stutzig. Schön, neue Arbeitsplätze. Dafür bricht uns im Gegenzug natürlich so ziemlich jedes zweite mittelständische Möbelhaus in ganz Nürnberg weg. Heute noch Chef eines kleinen Mölbelhauses in dritter Generation. Und schon morgen für Achtfuffzich Chefschlichter für TYSSEDALs und BRUSALIs.

Habe ich Chefschlichter gesagt? Junior Furniture Manager, das meinte ich.

IKEA in Nürnberg wird nicht nur Kleinbetriebe gefährden und mehr Verkehr erzeugen. Die Frage, wieviele Steuern IKEA bezahlen wird, muss gestellt werden dürfen. Eine von den Grünen in Auftrag gegebene Studie kommt jedenfalls zu dem Schluss, dass…

das schwedische Möbelunternehmen IKEA seit Jahren in großem Stil Steuern in der Europäischen Union vermeidet.

Dazu der finanz- und wirtschaftspolitische Sprecher Sven Giegold:

IKEA hat ein ausgeklügeltes System aufgebaut, um die Steuergelder am Fiskus vorbei zu schleusen. Die Schlupflöcher in den Steuersystemen von mehreren EU-Ländern, allen voran in Luxemburg, Belgien und den Niederlanden, haben dem Unternehmen geholfen. Es ist ein Skandal, wie einfach Gelder von einem EU-Staat in den nächsten verschoben werden können, um Steuern zu vermeiden. IKEA ist ein besonders dreister Fall der Steuer-Migration, da die Steuergestaltungen in kurzer Zeit mehrfach zwischen Belgien, den Niederlanden, Luxemburg und Liechtenstein umgebaut wurden.

Im Interesse eines funktionierenden Gemeinwesens kann die Ansiedlung des steuervermeidenden Möbelgiganten IKEA nicht sein. Von meiner Stadt würde ich eigentlich erwarten, dass sie solche Steuervermeidung als störend für den sozialen Frieden betrachtet und IKEA höflich, aber bestimmt zur Tür geleitet:

IKEA – not welcome in Nuremberg!

Deutschland ist manchmal schon ein komisches Land. Da hast Du problemlos tausend Leute zusammen, die am liebsten auf Kriegsflüchtlinge schießen würden. Doch wenn es zur Tour gegen die Steuerflüchtlinge von IKEA geht, dann bleibt der Pöbelbus leer.

Ein mir liebgewonnener Mensch mit Hang zur Ironie, der hier lieber anonym bleiben will, hätte da auch noch eine Lösung parat:

Lassen wir sie ihre IKEA doch fertigbauen. Am Tag der Eröffnung beschlagnahmen wir das Gebäude und wandeln es in ein Jugend-, Kultur und Bildungszentrum um. Und der erste Manager, der auftaucht, wird zu fünf Jahren verdonnert. Fünf Jahre Zwangsarbeit im Kulturzentrum als Betreuungs-Onkel am Bällebad. Jerôme, der Onkel wird gleich böse. Für achtfuffzich die Stunde. Ab da zahlen die ihre Steuern.

Zitatende. Ähem, nun ja.

Nürnberg ist jedenfalls kein IKEA-Mangelgebiet. Das schöne Fürth ist um die Ecke. Und der Bedarf an SÖDER ist hier in Nämberch auch begrenzt. Hammer scho. Braungmer ned.

IKEA in Nürnberg? Schlecht für Nürnberg. Braucht kein Mensch.