Welcher Audio-Editor für Linux?

Mit mhWaveEdit, Audacity und Ardour3 werden drei Audio-Editoren kurz vorgestellt. Außerdem erkläre ich kurz die Möglichkeiten des Soundservers Jack und warum man (zumindest bei fortgeschrittener Musikproduktion) nicht um Jack herumkommt.

mhWaveEdit

Ein idealer Editor für Einsteiger mit übersichtlicher Oberfläche, der sich auf wesentliche Funktionen beschränkt.
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Trotz seiner einfachen Handhabung beherrscht mhWaveEdit etliche Dateiformate, hat sogar ein nettes Bündel an grundlegenden Bearbeitungseffekten an Bord und kann sogar mit Jack kommunizieren (Jack ist ein Soundserver mit niedrigen Latenzen für die professionelle Audiobearbeitung, der mehrere Programme verbinden kann). Deshalb auch für den fortgeschrittenen Anwender manchmal eine gute Wahl, um schnell mal einen simplen Schnitt zu machen oder als Teil eines komplexeren Setups, bei der die Verbindung mit Jack nötig ist.

Audacity

Audacity ist wohl der bekannteste Editor für GNU/Linux. Ein Editor der mehr kann, als das eher simpel gestrickte mhWaveEdit. Hier muss man schon mit einer gewissen Einarbeitungszeit rechnen, wegen der stattlichen Möglichkeiten. Und vielleicht auch deshalb, weil Audacity nicht immer intuitiv in der Bedienung ist.

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Ein Editor, der für viele Szenarien völlig ausreichend ist. Kleine Hörspiele, grundlegendes Sampling, Anwendung und Erzeugung simpler Effekte. Für Musikproduktion v.a. im Einzelbetrieb geeignet. Die Zusammenarbeit mit Jack ist noch eher rudimentär.

Ardour3

Ihn als Editor zu bezeichnen, ist für Ardour3 eigentlich eine Beleidigung. Denn Ardour ist ein Multitalent, eine Audio Workstation mit Jack-Integration, die sehr gut mit anderen Programmen zusammenarbeiten kann, und das gesynct in Echtzeit.

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Ardour bringt ein komplettes Mischpult mit. Durch seine Jack-Anbindung kann Ardour so ziemlich jeden Audio-Input aufnehmen, verarbeiten und in Echtzeit an andere Software (wie z.B. das Sampling-Programm JAMin) weiterleiten. Komplex und geeignet für professionelle Musikproduktion.

Jack

Wenn jetzt schon so viel die Rede von Jack war, noch ein paar Worte dazu: Wer ein wirklich gutes Ergebnis bei der Musikproduktion will, kommt an Jack nicht vorbei. Mit einem einzelnen Editor bzw. Programm stößt man da schnell an seine Grenzen. Jack ist ein Soundserver, die Schaltzentrale um die verschiedensten Audioprogramme in Echtzeit zu verbinden.

So kann z.B. ein Synthesizer durch ein weiteres Stück Software geschickt werden, das z.B. Effekte oder einen Kompressor anwendet. Zur selben Zeit können weitere Instrumente einen ähnlichen Prozess durchlaufen. Am Ende können diese Instrumente dann gesammelt durch eine Mastering-Software laufen, die das fertig gemischte Signal dann noch zur Aufnahme an eine Hard- oder Software weiterleitet. Und das alles gesynct – in Echtzeit.

Das grafische Frontend QJackctl demonstriert hier mal, wie ein solches Arrangement gesteckt werden könnte:

qjackctl osbn mhwaveedit linux jack audio audacity ardour

Sieht komplexer aus, als es ist. Die beiden Ausgangsinstrumente, die hier gemischt werden sind Hydrogen (Drummachine) und Zynnadsubfx (Synthesizer). Beide werden durch drumkv1 bzw synthv1 geschickt, wo das Signal jeweils mit einem Limiter und Kompressor vorbearbeitet wird. Von dort geht es zur dritten Station Jamin, die das finale Sampling besorgt. Das fertige Signal wird zur Aufnahme an QjackRcd geleitet.