HTTP 301 und die Vorratsdatenspeicherung

In der Diskussion um die Vorratsspeicherung hört man immer wieder das Argument „Wer nichts zu verbergen hat, braucht auch nichts zu befürchten.“. Am Beispiel eines simplen Redirect (HTTP response status code 301) wird jedoch deutlich, wie wenig Kontrolle auch ein „anständiger“ Bürger darüber hat, welche Seiten bzw. Medien er eigentlich anfordert.

Apache portraits vorratsdatenspeicherung vds politik osbn linux apache Für Webseitenbetreiber mit Zugriff auf die Datei htaccess (Apache Webserver) ist es nämlich ein leichtes, jeden Besucher auf eine beliebige (auch externe) Seite umzuleiten. Auch auf Seiten, die ein Nichts-zu-verbergen-haber lieber nicht auf Vorrat mit seinem Namen in Verbindung gebracht sehen will.

Nehmen wir z.B. an, Sie wollen die Seite netz10.de/harmlose-seite.html besuchen. Doch durch einen simplen Eintrag in die htaccess (Aufwand: 2 Minuten) werden Sie am Ende auf einer ganz anderen Seite landen:

<IfModule mod_rewrite.c>
RewriteEngine On
RewriteCond %{REQUEST_URI} harmlose-seite [NC]
RewriteRule ^ http://example.org [R=301,L]
</IfModule>

In diesem Fall leite ich eingehende Anfragen „nur“ auf die harmlose Seite example.org um – probieren Sie es aus und klicken auf obigen Link. Auch beim vorherigen darüberhoovern ist die Umleitung nicht zu erkennen.

Mit anderen Worten: Sie haben null Kontrolle darüber, wohin Sie der Wewbmaster hinleitet. Weniger nette Webmaster haben also die Möglichkeit, Sie auf Seiten mit kriminellen, unerwünschten, peinlichen, drastischen, unmoralischen usw. Inhalten umzuleiten und dagegen sind Sie machtlos. Und der Besuch geht in der Großen Datenbank trotzdem auf Ihr Konto.

Dasselbe gilt natürlich analog für Linkverkürzungsdienstleister wie Bitly. Auch das Einbetten und Nachladen von 1 Pixel großen Bildern von fragwürdigen Seiten ist denkbar. Dann kriegen Sie es noch nicht mal mit, dass Sie eine kriminelle Seite aufrufen.

Das sind nur ein paar Beispiele, wie man als Nutzer (auch wenn man nichts zu verbergen hat) ungewollt in unerwünschte Fahrwasser geraten kann – und das vollkommen zu Unrecht.