Blendle im Test – mit überraschendem Ergebnis

Mit einem neuen Konzept, das den Kauf einzelner Artikel von ca. 150 großen Publikationen erlaubt, ist jetzt die Plattform Blendle an den Start gegangen. Wenn man es nicht übertreibt, kann man einen eigentlich gekauften Artikel sogar wieder zurückgeben und erhält sein Geld zurück. Soweit die Theorie. Doch wie schlägt sich Blendle im Praxistest?

Getestet wird die mobile Version mit Android. Der ganze Test beruht komplett auf meinen subjektiven Einstellungen und Erwartungen und beansprucht nicht, repräsentativ für andere zu sein oder irgendeine Objektivität widerzuspiegeln. Die für mich relevanten Testfaktoren sind:

  • Nutzbarkeit
  • Look & Feel
  • Datenschutz
  • publizistisches Angebot
  • Zahlungsabwicklung
  • Rückgabeoptionen
  • Preis/Leistungsverhältnis

Für jeden dieser Faktoren gibt es zwischen 0 und 10 Punkten, so dass am Ende maximal 70 Punkte rauskommen können.

Nutzbarkeit

Los geht’s und ich rufe einfach mal die Seite blendle.com auf:

Blendle 3 02 17 169x300 noscript medien leitmedien firefox blendle addon

.

Was ich zu Gesicht bekomme, ist… nichts!

Mag dies etwa an meinem deaktivierten JavaScript liegen? Sollte es sich etwa um eine dieser Seiten handeln, für die man ohne freigeschaltetes JavaScript rein gar nichts zu sehen bekommt?

OK, ich fange zaghaft an, das eine oder andere JavaScript freizuschalten. Vielleicht liegt es ja auch an meiner lahmen Verbindung:

Blendle 3 01 28 169x300 noscript medien leitmedien firefox blendle addon

Ah, immerhin tut sich jetzt etwas. Also gut, dies ist ein Test. Und da will ich mal kurzfristig von meinem Prinzip Abstand nehmen und schalte alles wahllos frei, damit ich mal was vernünftiges zu Gesicht bekomme. Und das sind bei mir folgende Skripten:

Blendle 2 49 30 169x300 noscript medien leitmedien firefox blendle addon

Was dann im Resultat dazu führt, dass ich jetzt eigentlich die volle Startseite zu Gesicht bekomme:

Blendle 2 47 18 169x300 noscript medien leitmedien firefox blendle addon

Allerdings nur, um alle Skripten gleich wieder zu blockieren und den Test zu beenden. In JavaScript kann die Welt vor dem Untergang retten schrieb ich:

Betreiber von Webseiten, bei denen ohne JavaScript rein gar nichts geht, die sollten mal den Admin wechseln. Das, was da „programmiert“ wird, ist nämlich eigentlich gar kein Programmcode. Es ist eine Krankheit, die einen eigenen Eintrag in der Pschyrembel verdient hat.

Hier ist auch zusammengefasst, warum JavaScript nicht nur ein Problem für den Datenschutz sein kann, sondern auch, welche Sicherheitsrisiken damit einhergehen. Zwang zu JavaScript – das geht gar nicht. In meinem Test scheitert Blendle deshalb bereits an der ersten Hürde kläglich.

Fazit und Testergebnis

Da JavaScript unabdingbare Voraussetzung für die Nutzung von Blendle ist, erhält die Seite von mir für die Nutzbarkeit 0 von 10 Punkten. Schlimmer geht’s nimmer.

Die Grundidee des Angebots ist wahrscheinlich toll. Denn bis jetzt muss man meist das komplette Angebot hinter der Paywall eines einzelnen Anbieters kaufen. Oder man kauft einen Artikel und schaut dann in die Röhre, wenn er nicht den Erwartungen entspricht.

Für einzelne Artikel zu zahlen, ist eine gute Idee. Man sollte dann aber auch dazu sagen, dass man als Nutzer (der JavaScript grundsätzlich freischaltet) noch ein zweites Mal bezahlt:

Mit seinen geschürften Daten und mit einem potenziellen Sicherheitsrisiko.

Es ist also keineswegs so, dass man einen Artikel für eine Summe kauft und das war’s. Wer das nicht glaubt, der kann sich ja z.B. mal auf die Seite von mixpanel.com (die bei Blendle mit JavaScript auftauchen) begeben und sich unter “Features” und “Pricing” einen Eindruck davon verschaffen, was sonst noch in dem Paket enthalten ist. Eine ganze Menge Tracking nämlich. Falls man JavaScript freigeschaltet hat.

Da die Seite für meine Bedürfnisse schon rein technisch vollkommen unbrauchbar ist und das Testen der anderen sechs Kategorien von Blendle nur dann ermöglicht wird, wenn man die von Blendle (für mich) inakzeptablen und oktroyierten Spielregeln akzeptiert, gibt es von mir auch in den anderen sechs Kategorien jeweils 0 von 10 Punkten.

In der Summe hat Blendle also von 70 möglichen Punkten keinen einzigen auf seiner Seite verbuchen können.

Testergebnis: 0/70

Disclaimer: Dieser “Test” beruht auf meinen persönlichen Präferenzen. Weder Methodik noch Urteil sind allgemeingültig. Andere Nutzer mit anderen Präferenzen, Kategorien, Methoden und Urteilsprinzipien können zu einem völlig anderen Ergebnis kommen.