Das Auto hat den Charakter Nürnbergs verändert

Ich fahre Rad, weil es Spaß macht. Es ist gesund, ökologisch und schont den Geldbeutel. Mit dem Rad in der Stadt unterwegs zu sein ist eigentlich eine Win-Win-Situation. Eigentlich.

Was mich mit dem Rad in Nürnberg immer wieder erschüttert, ist die große Zahl an Autos. Autos, die in Nürnberg so viel Fläche einnehmen und damit sehr tief in das Bild der Stadt eingreifen. Es ist das riesige Ausmaß an Blech und Abgasen, das nicht nur einen tiefen Einschnitt in das Leben der Fußgänger und Radfahrer bedeutet. Es sind die vielen Autos, unterwegs auf einer Infrastruktur, die nicht für diese Schwemme von motorisiertem Individualverkehr angelegt wurde.
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Das Auto hat den Charakter Nürnbergs verändert. Und für Radfahrer bedeutet das unweigerlich, diesem Zustand Tribut zu zollen, durch verengte Räume und das Damoklesschwert eines möglichen Unfalls mit einem Auto und seine gravierenden Folgen.

Die meisten Autos stehen freilich in der Gegend herum. Würde in Nürnberg jedes Auto am Tag 60 Minuten fahren, würde das bedeuten, dass für jedes fahrende Auto weitere 23 Autos in der Stadt herumstehen. Oh, ja und dafür wird in Städten wie Nürnberg eine Menge Platz verwendet.

Die Stadt ist voller Autos. Und in erster Linie sind das stehende Autos. Der Platz, den sie einnehmen, übersteigt in einer Großstadt den Platz der Radwege um ein Vielfaches.

Frage: Woraus leitet sich eigentlich das Recht ab, mit dem Erwerb eines Autos 23 Stunden am Tag (geschätzte) 6-8 Quadratmeter in einer Stadt mit einem Hindernis belegen zu dürfen? Und das, wenn man es hinter dem Steuer wegfährt, stinkt, lärmt und Geld kostet?

Eine Win-Win-Situation ist das Auto unter diesem Aspekt jedenfalls nicht.

In Großstädten wie Nürnberg gibt es einfach viel zu viele Autos. Eine moderne Stadtplanung kann eigentlich nur in eine einzige Richtung gehen: Der motorisierte Individualverkehr muss in den Großstädten zurückgefahren werden. Freiräume für Radfahrer und Fußgänger müssen erweitert werden.

Je weniger krankmachenden Lärm und Gestank wir in unsere Städte hineinpacken müssen, desto lebens- und liebenswerter werden Großstädte wie Nürnberg.

Comments

  1. Beim desaströsen Zustand unseres ÖPNV und der bisherigen und der zu erwartenden Einschnitte in diesem Bereich habe ich als Familienvater (leider) zur Zeit realistisch betrachtet manchmal keine Alternative zum Familienauto. Ich selbst bin meistens mit dem Rad (zur Arbeit etc.) unterwegs. Auch unsere 6jährigren und meine Frau fahren viel Rad. Aber nicht immer mit einem guten Gefühl. Im großen und ganzen kann ich Deinem Artikel nur zustimmen – aber: Mich stört nicht nur das Zuviel an motorisiertem Individualverkehr, sondern mich nervt vor allem der einseitige Focus der Verkehrsveranwortlichen der Stadt darauf (siehe Zustand der meisten Radwege). Außerdem stoße ich mich am egoistischen und rücksichtslosen Verhalten vieler Verkehrteilnehmer: Autos, die Rad- und Fußwege zuparken; Parken in 2.Reihe; der Fußgänger, der 50 m vom Überweg die Straße überquert ohne Gedanken an seine Beispielwirkung auf Jüngere; der Radfahrer, der sorglos auf eh zu schmalen Radwegen entgegen der Fahrtrichtung radelt um dann, die Ampel ist zwar schon Rot, die Kreuzung zu quert.

    Ich denke – wir alle sollten mal von uns selbst zurücktreten und unser tägliches Verhalten selbstkritisch betrachten. Und nicht unreflektiert nur über die ANDEREN schimpfen.

    1. Natürlich verhalten sich auch Radfahrer und Fußgänger nicht immer vorbildlich. Doch ein Fehlverhalten des Autos hat für Radfahrer und Fußgänger viel ernstere Konsequenzen als andersherum.
    2. Der ÖPNV ist doch (auch) deshalb in so einem desaströsen Zustand, weil so viele Menschen Auto fahren und keinen ÖPNV nutzen. Da ist ein Teufelskreislauf in Gang gekommen, der zu immer teureren Preisen führt, während viele Strecken kaum ausgelastet sind.

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