2015 – im Jahr der Pudelpresse (Karikatur)

Die Presse 2015 hängt am Tropf derer, die sie füttert. Wie ein Pudel beißt der Qualitätsjournalismus nie in die Hand, die ihn versorgt. Kein Wunder, dass bei der Pudelpresse hinten das rauskommt, was vorne reingeht.

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(Karikatur: “Pudelpresse” – Idee: netz10.de – Umsetzung Jos F.)

Weite Teile der Medienlandschaft haben sich von ihrem urdemokratischen Auftrag längst verabschiedet, den Menschen ein objektives und unparteiliches Bild der Gesellschaft aufzubereiten, gewürzt mit gelegentlichen Kommentaren, die als solche gekennzeichnet sind. In vielen Medienhäusern wird von oben subtil Druck ausgeübt, damit das Fußvolk der Redakteure nicht ausschert.

Sie haben das gelegentliche Kommentieren gesellschaftlicher Zustände längst zum Programm gemacht und sich in den Dienst einer Minderheit gestellt, deren Streben sich nicht am Allgemeinwohl orientiert. Es wird nicht berichtet. Es wird interpretiert. Die Pudelpresse macht Politik. Denn nur das bringt das große Geld.

Freie und befristete Schreiber stehen mit ihren Existenzsorgen ganz unten in der Wirkungskette der Pudelpresse. Die Branche kriselt. Kündigungen schweben in der Luft. Recherchen, die bedenkliches über den Werbekunden zu Tage bringen, bleiben lieber in der Schublade. Gute Zeiten für Angepasste.

Das Kernproblem ist nicht nur, was die Pudelpresse schreibt, sondern auch, worüber die Pudelpresse nicht berichtet.

Es kann einfach für eine Demokratie nicht funktionieren, wenn der Journalismus als gesellschaftliche Kerndomäne den Gesetzen des Marktes unterworfen wird. Geld schreit nach andern Nachrichten als Gemeinsinn. Wenn die Presse als demokratisches Regulativ immer mehr in die Interessenssphäre einiger weniger gerät, muss sich zwangsläufig die Diskrepanz zwischen der verbreiteten Meinung und der Realität vergrößern.

Das Interesse am Gewinnstreben auf der einen Seite und das Allgemeinwohl auf der anderen Seite sind nicht unter einen Hut zu bringen.

Eine gute Weile zieht die Masse mit. Doch die Zeit muss unweigerlich kommen, wo der kritische Punkt erreicht ist und sich das Gefühl in der Mitte der Gesellschaft breit macht, dass hier etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Und das man irgendwie beschissen wird.

Natürlich ist die Situation in der Medienlandschaft ein gutes Stück heterogener, als sie hier übertrieben skizziert wurde. Und es gibt viele Grautöne und Schreiber, die die Situation mit Bauchgrimmen betrachten.

Trotzdem: Insgesamt betrachtet ist die Presse 2015 eine Pudelpresse.

Sie hängt am Tropf derer, die sie füttern – mit Geld für Werbung, mit Geld für Arbeitsplätze und mit einer Agenda, die vielleicht die Freiheit lässt, mal eben eine sozialkritische Reportage einzustreuen, die aber nie der Hand wehtut, die sie füttert und die weiß, in welches Horn im Zweifelsfall immer getrötet werden muss.

Der Spiegel hat übrigens einen neuen (An-)spruch, mit dem er um Kunden werben will: “Keine Angst vor der Wahrheit”. Das ist bestenfalls bedenklich. Aber eigentlich macht es Angst.

Denn wenn ein sog. Nachrichtenmagazin schon damit werben muss, dass es die Wahrheit sagt, dann sagt das sehr viel über seinen Zustand aus. Und auch über seinen Umgang mit der Wahrheit. Genausogut könnte eine Bäckereifiliale ein Schild an den Eingang hängen, auf dem steht: “Wir haben keine Angst, unser Brot mit Mehl zu backen”.

Die Presse 2015 ist eine Pudelpresse. Hinten kommt das raus, was vorne reingefüttert wird.

The stuff we all talk about in the United States is mostly driven by PR folks who are carefully planting stories that push their agenda forward.