Beleuchtete Köter, die nachts in die Ecke kacken

Nach batteriebetriebenen Pfefferstreuern und beleuchteten Korkenziehern im Haushalt – nun immer häufiger im nächtlichen Straßenbild zu sehen: Der beleuchtete Hund! (Satiere)

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Einst als wilder, freier Wolf durch die Wälder streifend, ist der Hund damit auf seinem Leidensweg am vorläufigen Tiefpunkt seiner Domestizierung angelangt. Vom Wildtier zum Jagdgefährten ist er zum angeleinten Natur-Accessoire verkommen, das als beleuchtetes Gadget einmal täglich die Zweizimmerwohnung verlassen darf.

Ein viertel Stündchen lang darf unser kleiner Stinke-Charly dann als vierbeiniger Christbaum schwanzwedelnd durch die nächtlichen Gassen kläffen und in jede dritte Ecke kacken.

Die Leuchtkraft des Halsbandes steht dabei seriösen Üntersuchungen zufolge in reziprokem Verhältnis zur Leuchtkraft am anderen Ende der Leine – auf der Suche nach Intelligenz bleibt der Blick des neutralen Beobachters deshalb oft an der Mitte der Leine kleben und weiß nicht so recht, in welche Richtung er wandern soll.

Nach der Christianisierung Europas (aber noch vor der Domestizierung seiner Bewohner) folgt nun erst mal die Christbaumisierung seiner spucketriefenden Haustiere. Der innige Wunsch zur Pinscherbeleuchtung gedeiht dabei in einem politisch geschürten Klima der Unsicherheit.

Der typische Köterbeleuchter schreitet nur deshalb zur Aufrüstung seines Charlys am Gängelband, weil er, von der Pudelpresse mit Angst vollgepumpt, hinter jeder Ecke einen Bösewicht vermutet, der seinen Elektroköter überfährt, entführt oder an die russische Hundeorganmafia verkaufen könnte. Die Zweifuffzich für Batterien sind gut investiert.

Der beleuchtete Köter ist ein Symbol für den ausufernden Sicherheitswahn, der für alle Probleme eine externe Lösung anbietet und die scheinbar freiwillige Selbstentmündigung vorantreibt.

Früher hat man seinen Hund erzogen und ihm vertraut. Heute wird er beleuchtet, haftpflichtversichert, gechipt und per GPS getrackt.

Und schon morgen jubeln die willfährigen Beleuchter über den Vorschlag, eine Vorratskotspeicherung einzuführen. Damit man Kater Karlos DNA sichern kann, wenn der mal in einem Haufen ausrutschen sollte.

Die Technik-, Sicherheits und Stromfetischisten liefern uns heute Lösungen, deren Probleme wir im 20. Jahrhundert nicht für möglich gehalten hätten.

Fragt sich nur, wer am Ende der ausgeleuchtete Angeleinte ist. Ob Hund oder Mensch, die Batterien zahlen wir immer selbst.

Nachbemerkung: Liebe Hundebesitzer, dies ist eine Satire. Also nehmt’s sportlich. Sind wir jetzt alle Charly oder nicht?