Im Test: Firefox OS 1.3 auf dem ZTE Open C

Nach dem Unboxing habe ich nun das ZTE Open C mit Firefox OS 1.3 getestet. 21 Bilder – inklusive Einschätzungen zu Telefonie, Browser, Tastatur, GPS, Stabilität, Kamera, Akkulaufzeit, Updates, Apps, Addons, Datenverbrauch, Offenheit und Bugs.

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Telefonie/SMS

Obwohl ein Smartphone allerlei funktionalen Schnickschnack kann, bleibt es doch in erster Linie ein Gerät zur Telefonie.

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Diese Hürde nimmt das Phone, ist einfach und intuitiv zu bedienen. Kontakte sind schnell zu finden. Dass der Text beim SMS schreiben nur ganz unten auftaucht, ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig.

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Browser

Nach der Telefonie dürfte wohl der Browser das Wichtigste sein. Bei Firefox OS kommt eine abgespeckte Variante des (nein, oh Wunder!) Firefox zum Einsatz:

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Das Konzept wirkt auf den ersten Blick schon ziemlich schlüssig, der Browser reagiert sehr schnell.

Leider ist er aber (noch?) seeehr abgespeckt. Unter „Einstellungen“ kann man eigentlich nur die Browserchronik löschen bzw. Cookies und gespeicherte Daten löschen.

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Und unter den allgemeinen Einstellungen des Systems kann man festlegen ob man verfolgt werden möchte (do not track). Das wars.

Wer es von der Desktiopvariante gewohnt ist, den hochkonfigurierbaren Firefox seinen Vorstellungen anzzupassen, guckt hier (noch?) in die Röhre. Konfiguration über

about:config

geht auch nicht.

Auch Addons gibt es (noch?) nicht. Etliche technisch versierte Nutzer sehen es im Hinblick auf den Datenschutz wohl als Standard, die Möglichkeiten zu haben, Skripten zu blockieren, Referer zu unterdrücken, User Agents anzupassen oder einen Werbeblocker zu verwenden usw. usw. Bei Firefox OS leider (noch?) nicht möglich.

Da macht dann das Rumbetteln mit der Option Do not track (Bitte, bitte, nicht verfolgen!) auch keinen Sinn.

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Leider kann man noch nicht mal Bilder blockieren. Was für mich an sich ein echtes Killerkriterium darstellt, da ich (Mein Leben ohne Internet) kein DSL habe und (wenn ich nicht außerhalb Zugriff auf eine anständige Leitung habe) mit 300 MB im Monat auskommen muss.

Nun zieht mir der Aufruf einer werbe- und bildüberladenen kommerziellen Nachrichtenseite alleine (je nach Seite) bis zu 4 MB vom Volumen ab. Weshalb ich es seit ca. einem Jahr gewohnt bin, Internet ohne Bilder zu genießen. Mein Volumen erlaubt mir dann einfach viel mehr Seiten in akzeptablem Tempo aufzurufen.

Am Ende habe ich das Problem so gelöst, dass ich nur noch über einen eigens eingerichteten Proxy ins Netz gehe. Und dieser Proxy filtert dann raus, was ich nicht will. Zumindest Bilder und Werbung. Addons/Erweiterungen für den Browser gibt es nicht.

Browser-Fazit: Der Browser funktioniert super, hat aber so gut wie keine Möglichkeiten zur Anpassung. Er ist eher was für den arglosen Nutzer mit Dauer-DSL, der sich um Tracking keine Gedanken macht („Ich hab nix zu verbergen!“) und voll auf Werbung steht. Ich tue das nicht. Der Werbeblocker bleibt aktiviert.

Tastatur

Tastaturen auf Smartphones sind für mich eigentlich fast immer ein Problem, weil meine Trefferquote unter 90% liegt. Vielleicht gewöhne ich mich ja daran. Was ich hier allerdings vermisse, ist die Taste STRG. zum Highlighten, Kopieren und Einfügen usw. Überhaupt scheint es noch keine Lösung für einen Zwischenspeicher zu geben, um Inhalte zu kopieren und einzufügen..!?

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Apps

Das App-Repository im „Marketplace“ füllt sich so langsam und die grundlegenden Bedürfnisse eines Smartphonenutzers sind befriedigend abgedeckt. Fast alle Apps sind kostenfrei.

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Viele Apps funktionieren offline. Manche, wenige Apps versuchen eine Internetverbindung herzustellen. Gut, bei einer Wetterapp sieht man das ein.

Aber was bitte macht dieses Autorennspiel? Hier kommt ein schöner Nebeneffekt meines Proxys zum tragen, der zum Internetaufbau natürlich eine Anmeldung mit ellenlangem Passwort erfordert und auf diesem Weg als Wireshark für Arme den Daten- und Trackinghunger einer App entlarven kann:

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Kamera

Eine Spiegelreflexkamera im unteren Preissegment kann man inzwischen schon für 300 Euro bekommen.  Von der Kamera eines 60-Euro-Geräts sollte man also keine Wunderdinge erwarten. Meine Erfahrung ist zwiegespalten. Für Aufnahmen bei Tageslicht liefert die eingebaute Kamera überraschend gute Ergebnisse (im Bild: Owncloud im Nürnberger Delfinhaus am Leipziger Platz):

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Sobald es aber funzelig wird, geht die Kamera gnadenlos unter und liefert ein ziemlich grieseliges Ergebnis:

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Insgesamt aber für meine Bedürfnisse doch ein gutes Ergebnis.

GPS

Im Bereich GPS-Software gibt es schon recht brauchbare Anwendungen. Ich habe so ziemlich jede APP getestet und komme zu dem Schluss, dass es für verschiedene Zwecke auch eine andere Lösung braucht.

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Zum Aufzeichnen von Wanderungen, Fahrten usw. empfehle ich Run, Bike, Hike (Bild oben), mit dem auch GPX-Tracks exportiert werden können.

Um solche GPX-Tracks zu importieren und nachzuvollziehen, ist HikingMaps meine Wahl:

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Stabilität

Firefox OS 1.3. auf dem ZTE Open C läuft bei mir sehr stabil und ich kann von keinen nennenswerten Abstürzen berichten. Ein paar Tage lang hatte ich das Problem, dass sich im Hintergrund der Kalender immer wieder öffnete, auch wenn man ihn immer wieder schloss. Das war aber nur temporär.

Updates

Das ZTE Open C ist noch mit Firefox OS 1.3 unterwegs. Zuständig für die Updates ist der Gerätehersteller und irgendwo im Netz wurde bereits herumgemunkelt, das nächste Update würde 1.4 gleich überspringen und auf 2.0 setzen. Ich kann mit der Version 1.3 ganz gut leben. Und soviel hat sich inzwischen dann auch wieder nicht getan, zumindest nicht, wenn es um bessere Einstellungen geht.

Übrigens kann jeder die verschiedenen Firefox OS Versionen direkt mit dem Desktop-Browser virtuell testen. Ganz einfach über das Menü:
EXTRAS >>> Webentwickler >>> WEB-IDE

Das sieht dann so aus (zuvor muss man noch das OS installieren):

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Akkulaufzeit

Wie bei vielen Telefonen ist die Akkulaufzeit beim ZTE Open C jetzt nicht so überragend und hängt natürlich stark von der Nutzung ab. So rein im Standby und ohne groß rumtelefonieren, ohne mit Apps rumzuspielen und ohne im Netz unterwegs zu sein, hält der Akku ca. 2 Tage (nachts ausgeschaltet). Bei intensiver Nutzung geht es natürlich schneller und man sollte früh mit voll geladenem Akku in den Tag gehen, um nicht in die Bredouille zu kommen. Richtige Hardcorenutzer, die einen langen Tag haben und ständig am Phone rumdiddeln können froh sein, wenn sie am Abend noch Saft haben.

Internet

Ein Feature, dass großartig funktioniert, ist USB-Tethering. Ist es aktiviert und das Phone per USB an den Klapprechner angeschlossen, verbindet sich z.B. NetworkManager automatisch und ich kann direkt im Netz loslegen.

Das ist Spitze, auch deshalb weil ich mit dieser Methode nun doch in den Genuss komme, mit einem nach meinen Wünschen konfigurierten Browser zu surfen. Und eine anständige Tastatur habe.

Bis jetzt habe ich das immer mit einem Surfstick gemacht. Alleine der Stick kostet (glaube ich) so um die 30 Euro. Das ZTE Open C kann dasselbe (und noch viel mehr) und kostet doppelt so viel, 60 Euro.

So gesehen ist USB-Tethering für mich ein großer Knüller, der (in manchen Situationen) einiges von dem aufheben kann, was ich oben kritisiert habe.

Datenverbrauch

Auch eine richtig coole Sache ist das Tool, mit dem sich der Datenverbrauch messen lassen kann:

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Funktioniert super, sieht gut aus und kommt vom Messverhalten ziemlich genau an das ran, was der Provider misst (das Tool misst bei mir tendenziell ein klein bisschen weniger als mein Provider).

Transparenz

Irgendwie habe ich noch nicht herausgefunden, ob und wie ich auf die Daten z.B. von Apps zugreifen kann bzw. auf die Systemdateien. Vermutlich mit adb. Aber in diesem Test will ich mich mal als typischen Endnutzer begreifen. Und so habe ich mit dem FileManager nur Zugriff auf Bilder, Musik, Videos, Screenshots, Dokumente usw.

Bugs

Neben der Geschichte mit dem Kalender bin ich nur von einem einzigen Bug geplagt. Der ist aber richtig unangenehm, weil er großen Einfluss auf die Akkuleistung hat. Was nämlich nicht funktioniert, ist die Einstellung für die Bildschirmhelligkeit. Die kann man zwar runterdrehen. Sobald sich aber z.B. der Bildschirm sperrt und dann wieder entsperrt wird, ist der Bildschirm wieder sehr hell (auch wenn der Balken für die Helligkeit ziemlich links und eigentlich auf „dunkel“ steht).

Mein Fazit

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Das ZTE Open C mit Firefox OS kann leider nur über Ebay und mit einem Paypalkonto bezogen werden. Es bietet mit einem Kaufpreis von 60 Euro recht passable Grundfunktionen und kann daher mit einem guten Preis-Leistungsverhältnis aufwarten. Die Einstellungsmöglichkeiten des Browsers Firefox sind quasi nicht vorhanden. Als Nutzer kann man weder am Verbrauch noch am Datenschutz die Schrauben drehen. Für Otto Endnutzer, der will, dass einfach alles nur funktionier,t ist das ZTE Open C mit Firefox OS 1.3 für 60 Euro eine gute Option. Datenbewusste Techies und Vielnutzer, die auf lange Akkulaufzeiten und Finetuning des Systems bauen, müssen mit starken Einschränkungen leben.

Comments

  1. Gutes Review.
    Zur Info: Mittlerweile läuft schon die Version 2.1 von Firefox OS auf dem ZTE Open C absolut stabil und bietet ein paar Features mehr und die Helligkeit bleibt auf dem einstellten Wert.

    Wie man sie installieren kann, wird auf der französischen Mozilla Community erklärt:
    http://builds.firefoxos.mozfr.org/doc/en/devices/zte-open-c-eu#support

    Es gibt auch schon die Version 2.2 und sogar die Version 3.0 (dient derzeit wohl nur als Bezeichnung für Entwicklungen jenseits von 2.2), aber mit beiden Versionen gibt es hier und da noch ein paar Bugs, aber auch mehr Features wie Private Browsing, Fake locations für Apps, Duckduckgo.com als einstellbare Suche usw.

    Leider gibt es weiterhin noch keine Möglichkeit Add-Ons zum Laufen zu bekommen (adblocker, noImages, self-destructing cookies usw.)

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