Schauspieler Markus Söder (UPDATE)

Seine Kritiker ahnten es schon lange, nun ist es offiziell: Markus Söder ist ein Schauspieler.

Der bayerische Heimatminister aus Nürnberg spielt heute abend um 19:45 eine Gastrolle beim bajuwarischen Lindenstraßenabklatsch Dahoam is Dahoam. Und was spielt unser Dahoam-Minister Söder in Dahoam is dahoam? Na, sich selbst. Den Dahoam-Minister.

[UPDATE 1: Die Folge in der Mediathek gibt es hier noch ein UPDATE: GAB es hier: http://cdn-storage.br.de/MUJIuUOVBwQIbtC2uKJDM6OhuLnC_2rc5K1S/_-iS/5Avp_yrg/d885d80c-a93e-4281-8c72-284c12c51a71_C.mp4]

[UPDATE 2: Jetzt hat auch Medienblogger Stefan Niggemeeir das Thema auf dem Radar. Er hat dieses Stück Mediengeschichte inzwischen angesehen und gnadenlos analysiert]

Söder spielt Söder. Mia san mia. Dahoam is dahoam. GEZ-finanziert.

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Das Drehbuch …

erzählt von einer Autopanne des Ministers, die ihn zwingt, im roten Metzgereibus von Veronika Brunner zu einem Termin zu fahren. Landrat Schattenhofer erblasst vor Neid, als seine Kontrahentin mit dem Minister vorfährt.

Wenn nicht noch Uli Hoeneß kurzfristig eine rehabilitierende Nebenrolle in der Szene bekommt, könnte das noch langweiliger werden, als es jetzt schon klingt. Schließlich kann man jeden Abend in der BR-Rundschau sehen, wie Söder sich selbst spielt.

Viel spannender wäre es da doch, wenn Söder sich selbst in der Vergangenheit spielte. Z.B. in seiner Zeit, in der Söder als Volontär beim Bayerischen Rundfunk gearbeitet hat. Und später auch als Redakteur, wohin er jetzt für einen menschelnd-sympathischen und kostenfreien PR-Stunt zurückkehrt.

Das Drehbuch ist natürlich fiktiv, doch ich wage die Prognose, dass uns ein Minister präsentiert wird, der Fehler und Schwächen hat.

Ach ja, der Söder. A Hund is er scho‘, aber er ist ein Mensch wie Du und ich.

Kaum auszudenken, wenn das Schule macht. Eine ganze Flut von Politikern wartet wahrscheinlich nur darauf, sich in Serien oder Spielfilmen endlich mal selbst zu spielen, in Rollen, die nur ansatzweise autobiografisch und ansonsten rein fiktiv sind:

  • Angela Merkel zwingt sich ein letztes Mal in ihre FDJ-Uniform und singt im Film “Ich bin die Partei” fahneschwingend den Evergreen “Die Partei, die Partei, die hat immer recht”. Merkel spielt Merkel.
  • Altkanzler Gerhard Schröder spielt sich selbst in der fiktiv-festiven Schmonzette “Ich geb Gas”. Höhepunkt ist die Szene wie ihn Markus Putin (gespielt von Markus Lanz) bei den Eiern packt, nach Russland zerrt und dabei singt “Deutschland, Deutschland, spürst Du mich…” Schröder spielt Schröder.
  • Alt-Außenminister Joschka Fischer spielt im historischen Drama “Verkaufte Überzeugungen” einen linken Steinewerfer, der es im fiktiven Staat Benzanien schließlich zum Kriegsminister schafft, und der am Ende in der Wirtschaft als türöffnender Großindustrielobbyist durchgereicht wird. Fischer spielt Fischer.

Manchmal muss man sich als Schauspieler eben dem Drehbuch unterwerfen und auch mal den Bösewicht markieren. Auch wenn das sonst mit der Realität wenig zu tun hat…

Söder spielt Söder: Am 20. Januar 2015 um 19.45 Uhr im BR (Stream)