Der Drosselmann und seine “Fairness”

drosselkomm fairness1 telekommunikation telekom rene obermann profit politik obermann kommunikation internet Fairness dsl drosselkom deutsche Telekom Mit einem fragwürdigem Appell an die Fairness versucht Drosselkom-Konzernchef René Obermann die Drosselpläne der Telekom zu rechtfertigen (Warum ich meinen Telekom-Vertrag gekündigt habe).

Laut Heise sagte Obermann:

Wir finden es fairer, wenn die, die das Netz ganz besonders viel nutzen, auch etwas mehr zahlen.

Ich kennen einen älteren Mann, der ca. 3mal in der Woche das Internet hochfährt, um seine E-Mails zu checken, den Wetterbericht abzurufen und die Seite seines Sportvereins aufzurufen. Monatliches Datenvolumen: weniger als 10MB.

Und wir (der ältere Mann und ich) fänden es folglich auch fairer, wenn die, die das Netz weniger nutzen, auch weniger zahlen. Dass der ältere Mann (was Fairness angeht) im Prinzip ausgenommen wird wie eine Gans, darüber möchte Herr Obermann wohl lieber nicht sprechen, zumindest geht er damit nicht offensiv in die Presse. Für ältere Männer, die Bittorrent für eine Tomatensuppe halten, greift dann wohl die Argumentationskette des “Solidarmodells”.

Herr Obermann sollte dann auch mal beantworten, warum Fairness nur dann angeführt wird, wenn es gut für die Bilanzen der Drosselkom ist. Es bleibt bei mir der Eindruck, dass solche Fairness-Appelle einfach nur verlogene Produkte einer Marketingmaschinerie sind.

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Das Gros der anderen Anbieter ist übrigens auch nicht viel besser, zumindest insofern sie uns (fast) alle versuchen, in 2-jährige Zwangsverträge hineinzuknebeln.

So sieht heute die (scheinbare) Vielfalt aus, mit der uns vor etlichen Jahren die Privatisierung der Telekom und die “Öffnung” der Telekommunikationsmärkte schmackhaft gemacht wurde (“Der Kunde profitiert am meisten. Aus einem vielfäligen Angebot wählt er das Beste und reguliert so den Markt.“).

In der Realität sind sich die Anbieter ziemlich ähnlich und unterscheiden sich nur in Nuancen. Pepsi oder Coca Cola lautet die Frage, Wasser mit oder ohne Kohlensäure? Leider sind alle Getränke nur in 5-Liter-Flaschen erhältlich. Willkommen in Ihrem Telekommunikationssupermarkt. Dem mit der großen Auswahl.

Eine Lösung, die wirklich das Prädikat “fair” verdient, wäre es, wenn pro benutztem Gigabyte eine bestimmte Summe zu zahlen wäre, ohne Grundgebühr und lange Kündigungsfristen. Inzwischen kommt ja schon gar keiner mehr auf die Idee, daran zu denken, dass sich der Gesetzgeber für solche am Allgemeinwohl orientierten Konzepte einsetzen könnte. Die Mehrheit (ist jedenfalls mein Eindruck) hat sich wohl schon resignierend damit abgefunden, dass die politischen Entscheidungsträger tendenziell eher der Wirtschaft den S** (…).

Nach meiner Kündigung (zum Januar 2014) hat die Drosselkom mir übrigens mitgeteilt:

“Auch wenn Sie an Ihrer Kündigung festhalten möchten, ist ein Telefonat mit uns wichtig, um noch Details zu klären oder eventuellen Missverständnissen vorzubeugen”

Von meiner Seite gibt es jedenfalls keine Details mehr zu klären und um die Missverständnisse aufzuklären, denen die Telekom aufsitzt, ist mir meine Zeit zu schade. Vielleicht ist dies ein guter Anlass, um mal wieder auf meine beliebte Artikelserie (kein Witz) über unerwünschte Anrufe aus Callcentern zu widmen.

Callcenter-Report (1): Das Problem der unerwünschten Anrufe
Callcenter-Report (2): So wird man unerwünschte Anrufe niemals los
Callcenter-Report (3): Unerwünschte Anrufe effektiv abwehren

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