Der Werbeblocker bleibt aktiviert!

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Wie man Werbung mit Adblock Plus blockiert

Liebe Redakteure, dann lasst uns mal über Werbung reden und auch darüber, worauf Eure Existenz eigentlich aufgebaut ist.

Früher Reklame, gestern Werbung, heute Marketing

Das Ziel der Werbung ist im Wandel der Geschichte stets gleich geblieben. Der Werber investiert eine Ressource (Geld, Anzeige), um im Gegenzug durch die „Kunden“ einen zusätzlichen Umsatz zu erzielen (der höher ist, als der ursprüngliche Aufwand). Was so trocken klingt könnte man auch so knapp zusammenfassen:

Der Zweck der Werbung ist die Steigerung des Gewinns.

Während die Reklame in den früheren Jahren noch einen guten Schuss „Verbraucherinformation“ enthielt und sich in erster Linie auf wirtschaftliche Gewinne beschränkte, ist die Situation heute grundlegend anders.

Aus Reklame wurde Werbung und schließlich Marketing, flankiert von eingebetteter PR und Product Placement. Professionelle Marktforscher, Psychologen, Linguisten, Juristen und hauptberufliche PR-Spezialisten sind ständig dabei, neue Techniken auszuklügeln, um die Rezipienten möglichst raffiniert in ihrem Sinne zu manipulieren (am Besten so, dass die es nicht merken).

Am Tropf der Manipulationsindustrie

Am Tropf dieser gigantischen Manipulationsindustrie (manche würden auch sagen: Lügenindustrie) haben es die Medien über Jahrzehnte geschafft, uns einzureden, dass unsere ureigenste Manipulation der Motor des Fortschritts und damit in unserem eigenen Interesse ist. In den Berichten der kommerziellen Medienlandschaft sucht man vergebens nach einer kritischen Auseinandersetzung mit Werbung als gesellschaftlicher Erscheinung an sich.

Kein Wunder, heißt es doch:

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing

und

Beiß nicht die Hand, die Dich füttert

Nun, was bedeutet es nun eigentlich, wenn ein Geschäftsmodell darauf aufbaut, sich über Werbung zu finanzieren? Zum einen kann man dann natürlich fragen, inwieweit eigentlich noch eine redaktionelle Unabhängigkeit gegeben ist. Ist der Artikel über das neue Automodell von XMW wirklich unabhängig, wenn ein einziger Anruf genügen würde, um nach einem kritischen Bericht den gesamten Werbeetat der Firma zurückzuziehen?

Werbung und die „Unabhängigkeit“ redaktioneller Inhalte

Dasselbe gilt natürlich für geschaltete Anzeigen, dem kleinen Bruder der Werbung. So sind z.B. Zeitarbeitsfirmen regelmäßige und finanzkräftige Kunden lokaler Tageszeitungen. Wer sich die „redaktionellen“ Berichte seiner „unabhängigen“ Tageszeitung über Zeitarbeit durchliest, wird i.d.R. nur positive Berichte finden. Da ist dann von einer „Chance zum Einstieg“ die Rede und es gibt mal ein Firmenchefportrait samt Interview, bei dem der Firmenchef mit Bild als sympathisch, sportlich und sozial glänzen darf.

Publikationen, die sich über Werbung finanzieren, haben im Grunde nur eine Ressource, die sich in bare Münze umwandeln lässt: Ihre Leserschaft, die zu großen Teilen so unwissend und unbedarft ist, viele dieser Mechanismen nicht zu durchschauen. Eine Leserschaft, deren Aufmerksamkeit, Gedanken und Gefühle an den Werber verkauft wird, damit der Werber die Leserschaft in seinem Sinne manipulieren (andere würden sagen: anlügen) darf.

Werbung und Lüge

Werbung ist selten eine Lüge im juristischen Sinn, doch i.d.R. nähert sie sich der Lüge so nah wie möglich an und schreckt erst dann zurück, wenn der Hausjurist „Stopp!“ ruft.

Ich kann hier nur sagen, wie ich persönlich den Großteil der Werbung (für Fernsehwerbung gilt das fast immer) empfinde:

Als einen lästigen Schwall von Lügen und eine manipulative Vergiftung mit dem Idealziel einer verblödenden Verfügbarkeit meines Geistes, bis zu dem Punkt, wo ich das Prinzip dieser Manipulationsmaschinerie sogar noch aktiv verteidigen soll. Irgendein Mensch hat Werbung mal als Geschwür am Arsch der Marktwirtschaft bezeichnet. Sie ist der schmutzige Kakao, durch den ich mich nicht nur ziehen lassen soll, sondern von dem ich auch noch trinken soll.

Werbung als Existenzgrundlage

Nun zurück zum Werbeblocker und zu dem Gejammere, dass meine Weigerung zum Konsum hirnverblödender Werbung doch ach so verwerflich ist. Niemand hat irgendeine Redaktion jemals gezwungen, ihre Inhalte frei ins Netz zu stellen. Und niemand hat Euch verboten, Werbung zu schalten und zu hoffen, dass sie konsumiert wird. Und genau so werdet Ihr mich nicht zwingen können, meinen Werbeblocker abzuschalten. Wegen mir könnt Ihr Eure Inhalte hinter einer Paywall verstecken oder irgendeine Form von Abos einführen. Dann wäre Eure Existenz auf einer seriösen Geschäftsgrundlage aufgebaut.

Wenn Eure Existenz darauf aufbaut, meinen Geist, meine Gedanken und Gefühle temporär an den nächstbesten zu verkaufen, der mir nach Belieben irgendeinen Mist ins Hirn pflanzt, dann wird sich mein Mitleid in Grenzen halten, wenn Ihr Euch einen anderen Job suchen müsst.

Der Journalist als marktkonformer Hampelmann

Tut also bitte nicht so, dass ich am Scheitern Eurer Existenz Schuld wäre.

Macht Euch lieber mal Gedanken, welche Auswirkungen die Basis Eurer Existenz auf andere Existenzen hat. Denkt z.B. mal darüber nach, dass Euer Gehalt auch durch die Absatzsteigerung von Produkten bezahlt wird, deren Herstellung zum sozialen Ungleichgewicht auf der Welt beiträgt.

Macht Euch lieber mal Gedanken, wie unabhängig Euer PR-finanzierter Journalismus eigentlich noch ist. Macht Euch lieber mal Gedanken darüber, ob das Hauptziel Eures Journalismus wirklich noch die objektive Information der Leserschaft ist, oder ob Eure Bosse auch Katzenscheiße in Tüten verkaufen würden, wenn sich dadurch der Gewinn steigern ließe.

Macht Euch lieber mal Gedanken, ob Ihr in einer Schlüsselfunktion der Gesellschaft noch Eurer demokratischen Aufgabe gerecht werdet oder ob Ihr nicht schon längst marktkonforme Hampelmänner seid. Macht Euch lieber mal Gedanken, ob Ihr als Journalist einfach nur einem Job nachgeht (und sich notfalls wegduckt) oder ob Ihr einer „Berufung“ folgt und für Eure Überzeugungen auch unangenehme Wege gehen wollt.

Macht Euch mal darüber Gedanken, ob solche werbekritischen Artikel wie dieser in Eurem qualitätsjournalistischen Angebot auftauchen könnten oder ob hier die „Schere im Kopf“ greift. Setzt Euch lieber mal am Abend an den Schreibtisch und macht eine Liste von Themen, die aus wirtschaftlichen Gründen ein Tabu für Eure Publikation ist. Fragt Euch mal, warum Ihr bei vielen Menschen ein Glaubwürdigkeitsproblem habt.

Wenn Ihr Euch ernsthaft mit diesen Fragen auseinandersetzt, werdet Ihr sicher auch verstehen, warum so viele Menschen keinen Pfifferling auf Eure Werbung geben.

Werbung vermittelt falsche Werte

Werbung nervt. Werbung vermittelt falsche Werte. Werbung zeigt nur schöne, erfolgreiche Menschen. Werbung fördert unverhältnismäßiges Besitzstreben. Werbung ist Zeitverschwendung.

Im wahrsten Sinne des Wortes weigere ich mich, mich von Werbung „für dumm verkaufen“ zu lassen. Wer als Publikation wirbt, setzt seine Unabhängigkeit redaktioneller Inhalte auf das Spiel. Werbung ist Gift für das Hirn und kann schweren Brechreiz verursachen.

Das unabhängige Denken eines gesunden Geistes wird durch konsequente Meidung jeglicher Werbung nicht behindert.

Im Gegenteil: Wer Werbung in großen Mengen und unreflektiert konsumiert, läuft imho Gefahr sich durch unerwünschte kognitive Veränderungen von seinem eigenen Wesenskern zu entfernen und vorgesetzte idealtypisch-marktkonforme Verhaltensmuster zu übernehmen.

Der Werbeblocker als Schutzmechanismus und demokratisches Werkzeug

Extreme Werbekonsumenten sind meiner Erfahrung nach autoritätsgläubiger, sie neigen zu starker  Orientierung an (berühmten) Vorbildern („Vettel-Syndrom“) und sind tendenziell eher bereit, Medieninhalte unreflektiert nachzuplappern und diese als eigene Meinung zu deklarieren.

Der Werbeblocker ist ein wichtiges demokratisches Werkzeug und ein notwendiger Schutzmechanismus für den unabhängigen und freien Geist. Da könnt Ihr Euch auf den Kopf stellen und mit den Ohren wackeln – der Werbeblocker bleibt aktiviert!

P.S.: Die jährlichen Einnahmen dieses Blogs belaufen sich auf 0,00 Euro. Ob die Leserschaft hier mit Werbeblocker unterwegs ist oder nicht, macht für die redaktionellen Inhalte keinen Unterschied. Netz10 („das unabhängige Weblog aus Nürnberg“) empfiehlt allen jammernden Redaktionen, das Wort „unabhängig“ ebenfalls auf ihrer Titelseite mit dem Namen der Publikation zu assoziieren.

Comments

  1. Ein paar klare und deutliche Worte, die meine Zustimmung finden. Weite Teile unserer konsenssüchtigen Gesellschaft haben in der Regel Schwierigkeiten mit deutlichen und unmissverständlichen Positionierungen. Das entsprechende Gejammer wird wohl nicht lange auf sich warten lassen.

  2. Dem kann ich nur zustimmen! Angenehm deutlich formuliert.

    Ich habe die Werbung(den Banner) auf Golem auch gesehen und traute meinen Augen nicht. Wie räudige Hunde betteln sie, dass wir sie noch für diesen linientreuen Einheitsbrei von „Journalismus“ unterstützen. Tschuldigung, aber die heiße Luft, die sie dort ablassen, das kann doch jeder. Will ich Informationen und Nachrichten, die einen Nähr- und Mehrwert für mich haben, muss ich doch stark abwägen, wer mir was vermitteln will. Die Botschaften stecken sehr subtil in jeder Nachricht. Siehe Journalismus bei den Fernsehsendern, mit zynischen Aussagen wird die Richtung vorgegeben, mit weglassen wird dem Zuschauer ein anderes Weltbild suggeriert. Es gibt nicht DIE Klarheit und Wahrheit, wie sie uns alltäglich in den 20 Uhr Nachrichten vermittelt wird. Bloß nicht darauf kommen mal selbst zu forschen, nachzudenken. Nein dafür gibt es die Nach-richten, die werden das schon richten.

    Schaue ich in die örtliche Zeitung, so sehe ich mehr und mehr Werbung. Die einzige Hoffnung, dass nicht alle gänzlich dem Wahn und der Propaganda verfallen sind, steckt in den Leserbriefen. Dort lese ich das, was ich eigentlich von Journalisten erwarten würde. Ich will keine Seifenoper, keine schöne heile Welt, ich will nicht dran glauben müssen, dass nur DIE andere Schuld sind und sie deswegen mit Kriegen vernichtet werden müssen.

    Das alles suggerieren uns doch die Sprachrohre. PR oder Propaganda. Psychologische Kriegsführung, mehr nicht. Wo sind die Informationen, nach denen sich viele sehnen, die uns Ansichten, Sichtweisen zeigen und nicht Meinungen vorgeben.

    Zurück zur Werbung.
    Was ist heutzutage Werbung und was nicht? – Im Zeitalter wo Wissenschaft einer Religion gleicht und wo sowieso alles mit allem irgendwie verbunden ist, ist das doch kaum zu unterscheidenden.
    In Bezug auf das Thema CO2=Klimawandel, welches ja nur eine Hypothese ist, sehen wir, wie uns der Kopf verdreht wird. Mit viel Werbung glauben wir zu wissen, dass es so ist und so manifestiert sich etwas in unseren Köpfen. Es muss nur glaubhaft genug vermittelt werden.

    Würde Werbung nicht wirken, dann wäre sie schnell verschwunden. Also bleibt nur eines, sie wirkt. Siehe Fastfood-Ketten. Dort wird den kleinsten schon ein positives Bild suggeriert, indem man eine schöne Rutsche hinbaut, einen Clown zum Geburtstag kommen lässt und kleine Geschenke gibt, nur damit sie sich später an das wohlige Bild von früher erinnern, ohne dabei zu registrieren, dass das Bild bewusst so erzeugt wurde. Ich bin mir sicher ohne die Matrix, die um uns herum aufgebaut wird, würden wir die Welt mit anderen Augen sehen. Wir würden nicht die schönen Clowns sehen, nein, wir hätten Zeit um zu sehen, was der schön geschminkte Clown so zu verbergen hat, und würden das Elend sehen, was mit unsere exzessiven Lebensweise angerichtet wird.

    Genug der Ausschweifungen. Und beste Grüße!

    1. Es ist mir noch ein Bedürfnis hinzuzufügen, dass sich von meiner Kritik an dem Medien-Sixpack die fünf anderen mehr betroffen fühlen sollten als Golem, vielleicht auch deshalb, weil Golem eher ein Fachmagazin ist und (nicht direkt in erster Linie) politisch ausgerichtet ist.

      Wo sind die Informationen, nach denen sich viele sehnen, die uns Ansichten, Sichtweisen zeigen und nicht Meinungen vorgeben.

      Man findet sie u.a. in unabhängigen Publikationen wie Blogs oder manchen NGOs. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn es gibt durchaus auch einige „kommerzielle“ Medien, die uns eine andere Sicht der Dinge zeigen (wie z.B. Telepolis).

      Würde Werbung nicht wirken, dann wäre sie schnell verschwunden.

      Das ist wohl war. Wenn man mal hochrechnet, wieviel Zeit der Durchschnittsbürger mit Werbung verbringt, dann ist der Einfluss auf das Denken, Fühlen und Handeln der Menschen enorm… Man werfe mal einen Blick über den großen Teich…

      1. Zitat:
        „Man findet sie u.a. in unabhängigen Publikationen wie Blogs…“

        Genau das war meine Anspielung. Klar gibt es ausnahmen, immer, aber die bestätigen die Regel. 😉
        Ich schrieb ja auch deswegen, dass man wirklich andauernd abwägen muss. Telepolis kannte ich, habe mich aber nicht damit auseinandergesetzt, welches Ziel sie damit verfolgen.

        Ich will ja nicht alles verteufeln. Auf ARTE etc. bekommt man ab und zu bei den Themenabende gute Informationen in Relation, zu dem, was einem sonst aufgetischt wird. Auch der ein oder andere Artikel in einer Zeitung mag okay sein. Unsere Politik und das ganze System nutzt halt alles aus, um uns etwas zu suggerieren von dem wir am Ende glauben es sei so. Nur glauben ist nicht Wissen. Und zu sehen, dass es andere Sichtweisen gibt, halte ich für sehr wichtig.

        Um zurück auf die Werbung zu kommen, sie macht denjenigen, der sie anbietet abhängig, von denjenigen der etwas damit bezwecken will und somit kommt kann meiner Ansicht nach schon keine freie Perspektive dem Leser oder Seher vermittelt werden.

        Dass wir nun dafür verantwortlich sein sollen, dass das System, welches sie selber so geformt haben und immer effizienter gemacht haben, ist nicht haltbar.

        Traurig, dass man sich an den Tropf der PR hängt und seine Existenz davon abhängig macht, dass man Einnahmen daraus erzielt, anstatt zu schauen, was die Berufung ist.

        Symptom einer kaputten Gesellschaft, die immer mehr will, als zur Verfügung steht?

        „…Der Werbeblocker ist ein wichtiges demokratisches Werkzeug und ein notwendiger Schutzmechanismus für den unabhängigen und freien Geist….“

        Wir kategorisieren ja eh immer, somit ist es auch nicht verwunderlich, dass man sich vor dem schützt, was man als Müll erachtet.

        1. Und zu sehen, dass es andere Sichtweisen gibt, halte ich für sehr wichtig.

          Da stimme ich zu. Darüberhinaus ist es wichtig (hast Du wahrscheinlich auch so gemeint…), zu versuchen andere Sichtweisen zu verstehen bzw. wenigstens zu verstehen, warum andere Menschen diese Sichtweise haben. Das ist letztlich die Basis von Toleranz. Ohne die Fähigkeit, sich in das Denken, Fühlen und Handeln anderer hineinzuversetzen, kann es keine Toleranz geben.

          http://de.wikipedia.org/wiki/Toleranz

          Symptom einer kaputten Gesellschaft, die immer mehr will, als zur Verfügung steht?

          Puuuh, die Diskussion um Werbeblocker ist wohl schon ein Thema, das seine Ursachen im Dogma des WACHSTUMS hat. Letztlich geht es hier um Verteilungskämpfe von Ressourcen.

          Politik ist ja letztlich nichts anderes als die Frage, wie die Ressourcen einer Gesellschaft möglichst gerecht verteilt werden können…

          Werbung bedeutet Einnahmen. Einnahmen bezahlen Gehälter. Gehälter werden für Arbeit bezahlt. Arbeit richtet sich nach den Zielen des Auftraggebers.

  3. Ergänzend zu „Der Journalist als marktkonformer Hampelmann“: Kaum hatte ich auf Spon Adblock deaktiviert, blinkte mich auch schon eine Flashwerbung der INSM an! q.e.d.

  4. Jochen, jetzt mal ehrlich: Welche Form der Finanzierung von Journalismus würdest Du denn akzeptabel finden? Werbefinanzierter Journalismus ist es schon mal nicht, wie Du oben schreibst. Gebührenfinanzierter Journalismus ist es auch nicht, das liest man häufig genug aus Deinen Blogposts über GEZ & Co. heraus.

    Jetzt lehne ich mich mal aus dem Fenster und stelle einfach die Vermutung in den Raum, Du konsumierst wahrscheinlich kein einziges journalistisches Online-Angebot, das sich nach einem Bezahl- oder Abo-Modell finanziert.

    Deshalb drängt sich jetzt schon die Frage auf: Wie sollte sich Journalismus Deiner Meinung nach denn dann finanzieren?
    Ok, man kann den ganz harten Weg gehen, und nur Angebote von freien Bloggern & Co. nutzen, die das allesamt ehrenamtlich und nebenbei machen (nebenbei deshalb, weil auch die ja von irgendwas leben müssen). Aber mal ehrlich: Wenn man sich nur auf diese Angebote konzentriert, dann fehlt einem schon was. Es gibt meiner Meinung nach schon einen Bedarf, dass sich Leute Vollzeit dem Thema Journalismus widmen…

    1. Jochen, jetzt mal ehrlich: Welche Form der Finanzierung von Journalismus würdest Du denn akzeptabel finden?

      Darunter gibt es viele, dazu könnte man einen ganzen Artikel schreiben. Ein paar „akzeptable“ Beispiele:

      Wer eine Zeitung bzw. ein Buch bzw. ein Magazin kauft, zahlt für diesen Journalismus. Es ist ja nicht so, dass Werbung die einzige Form der Finanzierung wäre.
      Dasselbe gilt für Pay-TV. Wer glaubt, 30 Euro für ein Paket Filme (inkl. Reportagen und Nachrichten) zu zahlen: bitteschön, da habe ich kein Problem damit, das ist akzeptabel.
      Im übrigen finde ich es genauso akzeptabel, wenn, wie bei einer Zeitung, die Nachrichten hinter einer Bezahlschranke stehen.
      Freilich kann ich als Journalist für meinen Inhalte Geld verlangen. Ich sollte aber nicht jammern, wenn niemand bereit ist, dafür Geld zu bezahlen.
      Was glaubst Du was passiert, wenn z.B. das Nürnberger Klassik Open Air nicht mehr kostenlos ist, sondern 10 Euro kostet?
      Die Besucherzahlen brächen ein. Was glaubst Du was passiert wenn der kostenlose Nürnberger Sonntagsblitz plötzlich einen Euro kosten würde? Keine Sau würde ihn kaufen.
      Und warum stellen die „Qualitätsmedien“ ihre Inhalte nicht hinter Bezahlschranken? Weil ihre Umsätze dann noch mehr einbrechen würden.
      Und das liegt nicht daran, dass die Menschheit eine Horde von Egosäuen wäre, die alles für umsonst haben will.
      Es liegt daran, dass die Inhalte den Menschen einfach kein Geld wert sind (bzw. sie es einfach nicht dafür haben).

      Guter, unabhängiger Journalismus ist einfach rar geworden und die Gründe dafür habe ich im Artikel ja schon dargelegt.

      Für vieles, was da (ab-)geschrieben wird, müsste man eigentlich noch Geld bekommen.
      Schau dir doch nur mal Golem und ZEIT diese Woche an (beide „bitten“ ja darum, die Werbeblocker abzuschalten). Hier sind Screenshots.

      Die Meldungen sind quasi deckungsgleich (inklusive ihrer Wertung).

      Wenn man Geld dafür haben will (oder andere mit geistigem Müll belästigen will) sollte man schon ein bisschen mehr drauf haben, als z.B. zwei Praktikanten eine dpa-Meldung abschreiben zu lassen.

      Werbefinanzierter Journalismus ist es schon mal nicht, wie Du oben schreibst.

      Na, nicht zwangsläufig. Wenn ich z.B. in der Printausgabe der ZEIT eine erkleckliche Anzahl von seitenlangen Hintergrunddossiers finde, dann verdient das auch den Namen „Qualitätsjournalismus“.
      Und in der Kombination mit Werbung (die weder blinkt, noch rumlärmt), ist das für mich voll akzeptabel. Da bekomme ich Werbung und zahle trotzdem noch (gerne) dafür.
      Es geht also nicht um werbefinanzierten Journalismus an sich, sondern um die Frage wie gut recherchiert (und unabhängig von der Werbewirtschaft) ist dieser Journalismus, wie sehr traut er sich, auch mal eine Gegenposition einzunehmen. Wieviele eigene Themen bringt er. Wie nervig/aufdringlich/blinkend/laut/zuviel Werbung hat dieser Journalismus?
      Im Gesamtpaket betrachtet überspringt keiner der 6 Medien, die da rumjammern die Hürde.

      Die Frage ist doch auch, wie kommt die Werbung daher? Und dabeschleicht mich eben immer mehr dass es hier nicht einen Deut mehr um Information geht, sondern um reine Manipulation.

      Gebührenfinanzierter Journalismus ist es auch nicht, das liest man häufig genug aus Deinen Blogposts über GEZ & Co. heraus.

      Meine Einstellung zur GEZ ist kritisch, das stimmt. Aber ich bin kein Gegner von Gebührenfinanzierung an sich.
      Auch hier ist doch die Hauptfrage. Wie gut ist das Programm? Oder MUSS ich hier etwas bezahlen (obwohl ich keinen Fernseher habe), was am Ende noch kontraproduktiv für das Allgemeinwohl ist?
      Es gibt zwar auch Perlen und wertolle Inhalte im ÖRundfunk. Aber das meiste ist doch ziemlich niveaulos und rausgeschmissenes Geld.

      Jetzt lehne ich mich mal aus dem Fenster und stelle einfach die Vermutung in den Raum, Du konsumierst wahrscheinlich kein einziges journalistisches Online-Angebot, das sich nach einem Bezahl- oder Abo-Modell finanziert.

      Falsch: Zum einen zahle ich GEZ. Zum anderen habe ich bereits Modelle unterstützt, die auf Spendenbasis funktionieren. z.B Fernsehkritik TV.

      Deshalb drängt sich jetzt schon die Frage auf: Wie sollte sich Journalismus Deiner Meinung nach denn dann finanzieren?

      Habe ich glaube jetz schon ausgiebig beantwortet. Er tut es in den meisten Bereichen und oft auch im Internet.

      Ok, man kann den ganz harten Weg gehen, und nur Angebote von freien Bloggern & Co. nutzen, die das allesamt ehrenamtlich und nebenbei machen (nebenbei deshalb, weil auch die ja von irgendwas leben müssen). Aber mal ehrlich: Wenn man sich nur auf diese Angebote konzentriert, dann fehlt einem schon was.

      Stimme zu, aber ich nutze, wie gesagt auch andere akzeptable Angebote, v.a. im Printbereich.

      Es gibt meiner Meinung nach schon einen Bedarf, dass sich Leute Vollzeit dem Thema Journalismus widmen…

      Da stimme ich absolut zu und sehe auch gar keinen Widerspruch zum Artikel.

      Wenn ich heute Inhalte frei ins Netz stelle und dann sage:

      Hey schaltet mal euren werbeblocker ab,

      dann ist das ungefähr so, wie wenn ich kostenlos Privatfernesehen ausstrahle und sage:

      „Wenn Werbung kommt, schaltet bitte nicht um und geht ja nicht pinkeln!“

      Sobald ich für dieses Blog pro Artikel 5 Cent verlange, liegst du doch vor Lachen unter dem Tisch.
      Weil du zwar immer mal wieder vorbeischaust und vielleivcht sogar den einen oder anderen Artikel interessant findest. Würde ich Werbung schalten und du blockierst sie.
      Nun so ist das eben, du kannst auf deinem Computer machen, was du willst.

  5. Hallo!

    Hacht tut das gut. Ich habe jetzt nicht auf Erscheinungsdatum geschaut, aber bin sehr zufrieden diese fundierte Kritik an der !!!REKLAME!!! – Lügen – Märchen – Industrie zu lesen, der ich selbst schon immer anhänge. Das dumme ist das die tiefschürfende Kritik in ihrer ganzen Breite nicht von allen Verstanden wird.

    Schade eigentlich. Medienkompetenz ist ein Fach das in die Schulen gehört. Ein erheblicher Teil der MEdienkompetenz wäre diese kritische Auseinandersetzung mit Manipulationstechniken der REklameindustrie.

    Die Reklameindustriemitarbeiter WISSEN das auch was für eine ART „Prostitution“ sie begehen. Lautet doch ein gängiger Witz in der Branche wie folgt:

    „Erzähl meinen Eltern bloß nicht das ich in der Werbebranche arbeite! Die glauben ich arbeite in einem Bordell!“

    Einziger Kritikpunkt an Ihrer Darstellung:

    Sie benutzen immer noch den Begriff „Werbung“. Der ist allerdings eigentlich positiv besetzt aus der Brautwerbung. Für etwas werben ist trotz des Sprachwandels meines Empfindens nach immer noch viel zu positiv besetzt.

    Ich bemühe mich deshalb konsequent von Produktpropaganda oder Reklame zu schreiben. Produktpropaganda ist meiner Meinung nach ein deutlich realistischerer Begriff und deutet an, das es sich bei der „Werbeindustrie“ oder noch schlimmer den „PR-Beratern“ letztlich meiner Meinung nach böse formuliert um „Göbbels-Erben“ handelt.

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