Wettbetrug und Doping: Fußball in der Krise

Bribe wettskandal wetten weltmeistermannschaft sport Moral krise Guardiola gesellschaft fußball doping Bloutkontrolle Bestechung 1954 Der Profi-Fußball schickt sich an, dem Radsport in Sachen (Un-)Glaubwürdigkeit den Rang abzulaufen. Die europäische Polizeibehörde Europol ist gerade dabei, den größten Fußball-Wettsumpf aller Zeiten trockenzulegen.

Das ist nicht die einzige Meldung der letzten Tage, die den Fußball im schlechten Licht stehen lässt. Gerade erst hat der Ex-Präsident des spanischen Erstligisten Real Sociedad San Sebastian in einem Zeitungs-Interview ausgeplaudert, dass Vereinsärzte jahrelang Dopingmittel gekauft hätten.

Gerade was Doping in Deutschland angeht, gibt es in Deutschland keinen ernszunehmenden Diskurs. Für Blutkontrollen fehlt scheinbar das Geld. Und das in einem Sport, der immer weiter boomt und satte Gewinne verspricht. Wenn der Fußball nicht das Geld hergibt, welcher Sport denn bitte dann?

Dieser Tage meldete dann auch das Rechercheblog Fußballdoping, dass der Doping-Arzt Eufemiano Fuente neben Radprofis auch Fußballer zu seinen „Kunden“ gezählt haben soll.

Liegt es da so fern zu mutmaßen, dass es vielleicht keiner so richtig hören will, weder Fans, noch Medien oder Funktionäre?

Auch die deutsche Weltmeisterschaftsmannschaft von 1954 hat sich bereits mit dem Verdacht des Doping (Wikipedia-Artikel) auseinandersetzen müssen. Diesen Verdacht sieht zumindest der freie Journalist und Historiker Erik Eggers nach jahrelanger Recherche. Demnach hätten die „Helden von Bern“ Pervitin verabreicht bekommen, ein Aufputschmittel, dass während des zweiten Weltkrieges von deutschen Soldaten eingenommen wurde.

Auch beim künftigen Trainer-Zampano des FC Bayern Joseph Guardiola wurden laut Wikipedia zu seiner Zeit als Spieler nach zwei Spielen im Jahr 2001 Spuren von Nandrolon nachgewiesen. Am Ende stand ein Freispruch:

Daraufhin wurde er mit einer Sperre von vier Monaten belegt. 2005 wurde Guardiola als erster Spieler wegen Dopings zu einer Haftstrafe von sieben Monaten und einer Geldstrafe von 9.000 Euro verurteilt. Nachdem Guardiola Berufung eingelegt und auch keine Vorstrafen vorzuweisen hatte, blieb er bis zur Berufungsverhandlung auf freiem Fuß. Er wurde von sämtlichen Dopingvorwürfen freigesprochen.

Das Fußball-Fan-Gedächtnis scheint in solchen Dingen ein enger Verwandter des Wählergedächtnisses zu sein. Im ZDF-Sportstudio fand es der Schweizer Guido Tognoni äußerst seltsam, wie die WM 2006 („Sommermärchen“) nach Deutschland geholt worden war. So richtig hören wollte diese Vorwürfe niemand und die unterschwellige Behauptung Tognonis fiel in der deutschen Öffentlichkeit quasi ungeprüft unter den Tisch.

Und was den Wettskandal angeht: Es wird einen kurzen Aufschrei geben. Dann rollt der Ball wie gewohnt in gut gefüllten Stadien. Zum Anpfiff der Fußball-WM in Brasilien interessiert der Wettskandal keine alte Sau mehr. The games must go on.

Unsere Gesellschaft muss sich nicht wundern, wenn sie sich junge Menschen mehr und mehr dem Egoismus annähern. A Hund is a scho‘. So gerne wird die Vorbildfunktion des charakterformenden Fußballs für junge Menschen beschworen. Die lernen aber, dass einer ein „gerissener Fuchs“ ist, wenn er kurz vor Spielende durch eine Schwalbe einen Elfer rausschindet.

Wettskandale, Doping und Bestechung werden (wenn sie nicht bekämpft werden) wie eine Naturgegebenheit angenommen. So verschiebt sich die Moral. Jo mei, so ist das eben.

P.S.: Europols Aufgabe ist übrigens die Verhütung und die Bekämpfung des Terrorismus, des illegalen Drogenhandels und sonstiger schwerwiegender Formen der internationalen Kriminalität.