Creative Commons – Lizenzen zweiter Klasse?

„Alternative Bildlizenzen wie z.B. die CC-Lizenzen sind Lizenzen zweiter Klasse. Man darf gegen sie verstoßen, weil die Urheber Idealisten sind, die ihre Inhalte frei ins Netz stellen.“

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„1094 Tiere auf dem Teller“ aus dem Fleischatlas, PDF S.21 von: Heinrich-Böll-Stiftung, BUND und Le Monde diplomatique steht unter CC BY-SA 3.0)

Diese und andere falsche Vorstellungen über alternative Lizenzen scheinen nicht nur unter privaten Internetnutzern weit verbreitet zu sein.

Auch in einigen Redaktionen renommierter Medien (die gerne ein Leistungsschutzrecht hätten) nimmt man es mit den Lizenzbedingungen nicht immer so genau.

Das Berliner Blog Metronaut hat am Beispiel des Fleischatlas  mal recherchiert, wie Focus, Bild, WELT und Konsorten die unter CC BY-SA 3.0 stehende Grafik des PDFs (siehe Bild) nach eigenem Gusto (lizenzwidrig) verwursteln („Die Qualitätsmedien und Creative Commons – ein Trauerspiel„).

Auch bei Bildern aus der Wikipedia bedienen sich manche gerne, ohne großen Wert darauf zu legen, die Lizenzbedingungen zu erfüllen.

Viele Fotografen stellen ihre Bilder unter einer CC-Lizenz für Wikipedia zur Verfügung und auch manche Blogger nutzen CC-Lizenzen für ihre Texte/Bilder.

Unter bestimmten Voraussetzungen (z.B. Namensnennung des Urhebers in „der von ihm festgelegten Weise“ und/oder nichtkommerzielle Verwendung) dürfen solche Bilder dann auch von anderen weiterverwendet werden. Aber eben nur unter diesen Voraussetzungen. Wer hier schlampt, macht sich angreifbar und läuft Gefahr, sich eine saftige Abmahnung samt Übernahme sämtlicher Anwaltskosten einzuhandeln.

Einfach zu handhaben sind die CC-Lizenzen natürlich nicht und halten so einige Fallstricke bereit. Es gibt etliche verschiedene. Nicht immer ist es einfach zu ersehen, wie genau ein Bild referenziert werden muss, ob der Name allein reicht oder verlinkt werden muss usw.

Eine große Anzahl solcher wiederverwendeten Bilder genügen einfach nicht den erforderlichen Lizenzbedingungen. Oft heißt es dann bei einer Weiterverwendung z.B. schlicht (wenn überhaupt):

Bild: Wikipedia

oder.

Lizenz: Creative-Commons

Nun kann man darüber streiten, ob es dem Geist einer freien Enzyklopädie entspricht, eine umständliche Namensnennung samt Verlinkung bei Wiederverwertung zu verlangen. Oder ob das Urheberrecht grundlegend reformiert werden müsste.

Egal wie man darüber denkt – Fakt ist: das Bild steht dann eben unter der Lizenz, die der Urheber vorgesehen hat und diese Lizenz ist deshalb nicht weniger wert, als unter den Bedingungen des „normalen“ Urheberrechts. Verstöße dagegen können genauso geahndet werden.

Wenn dann doch mal eine berechtigte Abmahnung wegen eines Verstoßes gegen eine CC-Lizenz erfolgt, nimmt der Abgemahnte schon mal an, der Urheber sei ein Idealist und verzichte deshalb evtl. auf seine Ansprüche.

(…) aber ich hoffte, Herrn T. zu überzeugen, auf seine Forderungen zu verzichten, da ich annahm, er würde seine Fotos aus Idealismus ins Netz stellen und nur so verbittert sein, weil es immer wieder Menschen gibt, die aus Wikipedia Bilder nehmen, ohne den Fotographen zu zitieren.

( http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Kurier/Ausgabe_9_2012 ).

Bei CC-Lizenzen gehen offenbar viele davon aus, dass der Urheber bei erfolgtem Verstoß im schlimmsten Fall eine Rückgängigmachung fordert und nicht gleich zur juristischen Keule greift.

Das Problem ist nur, dass viele Blogger bzw. Fotografen schon etliche Male durch den selben Zyklus gehen mussten: Nach einem Lizenzverstoß (egal ob CC-Lizenz oder regulär) folgt ein E-Mail-Verkehr in 3 Stufen (idealtypische Darstellung):

  1. Der Ertappte gibt sich erstaunt (manchmal pampig) und versucht den Vorfall zu bagatellisieren.
  2. Nach mehreren E-Mails (die man auch eine „kostenlose Einführung ins Lizenzrecht“ nennen könnte), wird der „Fehler“ eingestanden.
  3. Der Ertappte entschuldigt sich und sagt: „Na gut , dann nehme ich es eben wieder herunter„.

Die Bilanz für den Fotografen: Ein Haufen Ärger und viel Aufwand, den er betreiben muss, wovon er am Ende nichts hat, außer dass er ein, zwei Stunden seines Lebens damit verbracht hat sich als gutmütigen Idealisten zu beweisen.

Wer das ein paar Mal durchlaufen hat, wird irgendwann grantig und ignoriert Lizenzverstöße (z.B. wenn sie nichtkommerzieller Natur sind), weil es den Ärger nicht Wert ist.

Oder irgendwann platzt der Kragen (wenn z.B. ein kommerzieller Missbrauch vorliegt) und dann setzt es eben irgendwann mal eine Abmahnung.

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Bild: netz10.de

Fazit: Auch die „fehlerhafte“  Verwendung von CC-Bildern kann eine richtig teure Sache werden. CC-Lizenzen sind keine Lizenzen 2. Klasse, mit denen man irgendwie lockerer umgehen kann. 1000 Euro oder mehr sind auch hier schnell zusammen. Einen solchen Fall kann man z.B. bei Gulli nachlesen (Abmahnung wegen Bild aus Wikipedia).

Comments

  1. Creative Commons-Lizenzen sind in einigen Punkten „liberaler“ als das normale Urheberrecht. Des Weiteren werden die meisten CC-Inhalte kostenlos angeboten. Vielleicht ist das der Hauptgrund dafür, dass viele denken, mit diesen Inhalten machen zu können, was sie wollen, ohne dabei Regeln einzuhalten.

    Schade, dass es immer noch Leute gibt, welche meinen, das Internet sei ein kostenloser Selbstbedienungsladen. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie viele Lizenzverletzungen es im Netz gibt.

  2. Der Selbstbedienungsladen im Internet kennt keine grenzen. Schwierig für die CC ist es, rechtlich – also von deutschen Gerichten, anerkannt zu werden. Mir ist leider kein Fall von Urheberverletzung bekannt, worin die CC vom Gericht anerkannt wurde, in Deutschland.

    Deswegen kann ich gut nachvollziehen, dass immer mehr Kreative im Netz der CC den Rücken kehren – auch, wie du schon schreibst, sind CC-Inhaber zu liberal!

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