Atombunker im Bahnhof Nürnberg (Info mit 23 Fotos)

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Atombunker im Bahnhof Nürnberg

Kaum ein Besucher des Nürnberger Hauptbahnhofes ahnt, dass im Zwischengeschoss des Bahnhofs ein Atombunker angelegt ist.

In den 70ern gebaut, sollte diese Zivilschutzanlage im Kalten Krieg knapp 2500 Zivilisten Schutz vor atomarer, biologischer oder chemischer Bedrohung bieten.

Dieser Bildbericht entstand nach einer Begehung des Bunkers am 8.1.2013 (ermöglicht durch den Förderverein Felsengänge Nürnberg).

Gezeigt werden über 20 Fotos, u.a. aus dem Schutzraum, der Küche, den sanitären Anlagen und den technischen Einrichtungen (Luftfilterung, Wasser, Strom…).

Entstehungsgeschichte im Kalten Krieg

Der Bunker  entstand während des Kalten Krieges Mitte der 70er Jahre im Rahmen des U-Bahn-Baus. Vor einem direkten Atomeinschlag hätte er keinen Schutz geboten, wohl aber vor einem radioaktiven Fallout oder einer Bedrohung durch biologische oder chemische Waffen.

Rund 2 Wochen hätten die Menschen abgeschirmt von der Außenwelt in der Bunkeranlage ausharren können.

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Bahnhof Nürnberg: Die Entstehung des Bunkers Mitte der 70er Jahre

Die Besichtigung des Bunkers durch die Öffentlichkeit ist nur selten möglich, die letzten Führungen wurden 2009 angeboten. Der Förderverein Nürnberger Felsengänge bietet solche Führungen noch bis zum 13. Januar 2013 an (Links am Ende des Artikels).

Lebenswichtige Luft: Die Filteranlage

Die Bunkeranlage liegt räumlich zwischen dem U-Bahn-Geschoss und der Ebene der Eingangshalle. Sie ist hermetisch abgeriegelt, so dass in ihr permanent andere Druckverhältnisse herrschen. Integriert ist eine Filteranlage für die (potenziell vergiftete bzw. erhitzte) Luft, die von außen zugeführt, evtl. durch Sand abgekühlt und gefiltert werden muss:

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Die Filteranlage zur Reinigung der Luft

Auf diesem Bild sieht man nummerierte Steine vor dem Eingang zur Filteranlage für die Luft. Ihr Zweck ist es, die Filteranlage nach der Kontamination unbegehbar abzuriegeln (Versiegelung):

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Material zur Absperrung der Anlage zur Luftfilterung

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Blick zur Filteranlage

Die komplexe Steuerung zur Filterung der Luft im Überblick:

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Der Schutzraum: Schlafen und Sitzen

Der Schutzraum, in dem sich für die Insassen der größte Teil des Alltags abgespielt hätte, ist knapp bemessen. Im Prinzip gibt es darin nur Pritschen und Stühle:

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Schutzraum in der Bunkeranlage des Bahnhofs Nürnberg

Für das Schlafen/Liegen bzw. Sitzen war ein Schichtwechsel vorgesehen. 8 Stunden Schlaf, danach 16 Stunden Sitzen.

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Raum ist Mangelware: Funktionalität hat Vorrang

Das Herumgehen war nicht vorgesehen, um eventuelle Konfrontationen bzw. Aggressionen zu vermeiden.

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Pritsche mit Gurt im Schutzraum des Bunkers im Nürnberger Hauptbahnhof

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8 Stunden Liegen, 16 Stunden Sitzen

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Durchgang zum Schlaf- und Sitzraum für die Zivilbevölkerung

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Strom- und Wasserversorgung

Ein Dieselgenerator wäre im Ernstfall die einzige Quelle zur Stromversorgung gewesen:

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Diesel-Generator (im Hintergrund der Schutzraum)

Der eingelagerte Diesel hätte für rund zwei Wochen gereicht.

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Das Herz der Energieversorgung in der Bunkeranlage: Dieselgenerator

In der abgeriegelten Bunkeranlage hätten natürlich auch die Dieselabgase nach außen abgeführt werden müssen. Der Abluftkanal verbirgt sich in einer Littfasssäule, die direkt vor dem Bahnhofsplatz steht. Tausende Menschen laufen täglich daran vorbei ohne zu ahnen, dass die Öffnungen in der grünen Spitze der Säule als potenzieller “Auspuff” des Generators dienen:

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Littfasssäule als “Auspuff” der Dieselabgase

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Notstromraum: Blick zur Decke

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Überlebenswichtig: Die Wasserversorgung der Bunkeranlage

Küche: Ernährung im Bunker

Die Küche der Anlage war bei der Begehung nur spärlich und provisorisch eingerichtet. Sehr groß ist sie aber nicht:

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Rund um die Uhr in Betrieb: Die Küche

Gekocht worden wäre hier rund um die Uhr. Man kann nur vermuten, dass (ohne Tageslicht) das Gefühl für Tageszeiten individuell und relativ zum verordneten Schlaf-Wach-Rhythmus empfunden worden wäre.

Sanitäre Anlagen

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Wegweiser zu den Toiletten

Duschen gibt es in der Bunkeranlage keine. Die sanitären Anlagen sind nach Geschlechtern getrennt angelegt.

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Toilettenraum für Männer

An den Toilettenkabinen gibt es keine Türen, damit sich niemand zurückziehen oder gar umbringen kann:

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Privatsphäre nicht vorgesehen: Toiletten mit Vorhang

Auf jeweils ca. 50-60 Menschen kommt je eine Toilette bzw. Waschgelegenheit.

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Waschraum ohne Duschen

Psychologie und “Bunkerkoller”

Man kann nur spekulieren, wie Menschen reagieren würden, wenn ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt würde. Eingesperrt mit 2500 anderen auf engstem Raum, deren Existenz ebenso bedroht ist. In der Bunkeranlage gibt es jedenfalls einen “Fürsorgeraum” für Menschen mit Bunkerkoller:

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“Fürsorgeraum” für Menschen mit Bunkerkoller

Bunkerorganisation

Die zentrale Schaltstelle des Bunkerlebens ist der Raum des Bunkerwartes:

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Links, Danksagung und weiterführende Informationen

Die Begehung der Bunkeranlage im Nürnberger Hauptbahnhof war möglich durch die Arbeit des Fördervereins Felsengänge Nürnberg. Herzlichen Dank für diesen interessanten Einblick.

Nürnberg hat noch viele weitere interessante unterirdische Anlagen zu besichtigen, gerade auch historische Anlagen unter der Erde im Stadzentrum. Auch hier bietet der Förderverein Begehungen an. Die Homepage ist ausdrücklich als exzellente Informationsquelle empfohlen.

Weitere Bilder von einer Begehung 2013 gibt es bei “Der Wenz”. Im Jahr 2009 hat das Nürnberger Blog Fohrn bereits einen ausführlichen Bildbericht über die Bunkeranlage im Bahnhof veröffentlicht. Und hier gibt es einen weiteren Bildbericht über den Bunker aus dem Jahr 2009.

Die Bunkeranlage wird derzeit nicht gewartet, was man u.a. an den Fotos der sanitären Einrichtungen ersehen kann. Eine realistische Bunkersituation ist aus diesem Bericht also nur bedingt abzuleiten.

Bildmaterial/Kontakt

Die Bilder (und weitere ca. 60 Fotos) liegen in hochwertiger Auflösung bis zu 4288×2848 Pixel vor und sind urheberrechtlich geschützt. Wenn Sie die Bilder dieses Artikels verwenden wollen, bitte nehmen Sie zuvor Kontakt auf und teilen den geplanten Verwendungszweck mit. Näheres auf Anfrage.

Comments

  1. Wir sind eine Bunkertruppe mit 10Mitgliedern, die schon seit Anfang der 90er Jahre viele Bunker in Brandenburg, Polen und Tschechien erkundet haben. Ende September besuche wir Nuernberg.
    Ist dieser oder ähnliche Bunker zu besichtigen?
    Mit freundlichen Grüssen
    Axel Koppsieker

    1. Dieser spezielle Bunker ist i.d.R. nur alle paar Jahre zugänglich, im September 2013 sind m.E. deshalb keine Führungen möglich. Die ideale Anlaufstelle für Infos zu Führungen in Nürnberger Bunker ist die Webseite des Fördervereins Nürnberger Felsengänge:
      http://www.felsengaenge-nuernberg.de/home.html
      Hier sollten Sie die Infos finden, welche Nürnberger Bunker zu welcher Zeit besichtigt werden können..

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