“Winter Game” in Nürnberg: Eishockey im Fußball-Stadion

wintergame1 300x225 sport nürnberg nuernberg ice tigers fußballstadion feuerwerk fans eishockey eisbären del berlin In Nürnberg fand am Samstag (5.1.2013) ein “historisches” Eishockeyspiel im ausverkauften Fußball-Stadion statt.

Erstmals in der Geschichte der DEL wurde ein Spiel unter freiem Himmel ausgetragen. Rund 50.000 Zuschauer sahen einen 4:3 Sieg der Nürnberger Ice Tigers gegen die Berliner Eisbären. Nun, das Ergebnis war eigentlich nebensächlich.

Ich bin nicht gerade ein eingefleischter Eishockey-Fan und war nur kurzfristig an die Karte gekommen. Trotzdem war es ein großes Sportereignis und es war ein großer Spaß, dabei zu sein.

Das stundenlange Vorprogramm mit einem Auftritt von BossHoss und noch irgendeiner Band (ich glaube die hießen “Boots” und man muss sie wahrscheinlich kennen) habe ich mir erspart.

Erst wollte es mir nicht in den Kopf, warum man ein Eishockeyspiel in einem Fußballstadion ausgerechnet in Nürnberg austragen will. Hier gibt es schließlich (wie in so gut wie keinem anderen Stadion der Liga mehr) eine Aschenbahn. Und das heißt, die Zuschauer sind weit weg vom Geschehen. Die Sicht war dann doch besser als erwartet.

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Das Spiel selbst geizte erst mit Toren, die meisten Tore fielen im dritten Drittel. Bis weit ins zweite Drittel stand es 0:0. Nürnberg ging im zweiten Drittel  1:0 in Führung; 3 Sekunden vor Ende des zweiten Drittels der Ausgleich zum 1:1.

Ein Novum im dritten Drittel. Nach 10 Minuten wurden wegen der Chancengleichheit (freier Himmel! Natur!) erneut die Seiten gewechselt. In den letzten Minuten tobte das Stadion wegen der Aussicht auf den Sieg. Auch als Club-Fan, der über die Jahrzehnte locker 100 Fußball-Spiele in diesem Stadion gesehen hat, muss ich neidlos anerkennen, dass die EHC-Fans eine phantastische Stimmung ins Stadion gebracht haben.

Die Fans waren phantastisch. Interessant der Vergleich dazu, was sonst abläuft, wenn hier der FCN (der beste Fußballverein aller Zeiten 😉 ) spielt. Beim Club gibt es einen durchgehenden Soundteppich der Ultras. Beim Eishockey scheinen mir die Fangesänge weniger straff organisiert. Immer mal wieder entsand eine “Lücke”, in der man die lautstarken Berliner Anhänger hören konnte. Wenn der Punk beim EHC dann aber abging, waren oft alle Fans beteiligt. Auch auf der Gegengerade wurde durchgehend geklatscht und gesungen. Beim Fußball begrenzt sich das schon sehr auf die Nordkurve. Der Rest sitzt dann einfach nur rum und markiert den stillen Genießer.

Wer auf Feuerwerke steht, kam nach dem Spiel auf seine Kosten. Trotz einer Anbiederung an den längst ge-peakten Mainstream-Song Gangnam-Style (oder so): Das Feuerwerk war brilliant, rasant und auf die Zehntelsekunde genau auf den Technosound abgestimmt. Erste Sahne.

Ein bisschen nervig waren manchmal die quietschigen Zwischenmoderationen des TV-Duos. Kaum drei Sätze vergingen, ohne dass dem (TV-)Zuschauer kramphaft eingehämmert wurde, wie “historisch” oder “phantastisch” das Ereignis doch sei (sie hätten es nicht so oft betonen müssen – wir wussten es auch so…)

Und dann war da noch eine in den Pausen hüpfende Tanz-Truppe, die eigens gecastet worden war und angeblich drei Monate intensiv geprobt hatte.

Trotz manch kritischer Anklänge meinerseits war es unter dem Strich doch ein großartiges Sportereignis, das richtig Spaß gemacht hat. Die Nürnberger Eishockey-Fans sind nicht gar solche Grantler, wie die Fußball-Fans. Auch die Tribünenzuschauer sind viel aktiver und die Stimmung insgesamt ist viel positiver.

Dass mal in Nürnberg ein komplettes Stadion tobt, sieht man beim Fußball selten (vielleicht mal am letzten Spieltag, wenn der Nicht-Abstieg oder Aufstieg unter Dach und Fach ist). Die Stimmung im Stadion war am Samstag phantastisch. Sowas hat man beim Eishockey in Nürnberg noch nie gesehen. Und in anderen deutschen Eishockeystadien auch nicht. Das “Winter Game” in Nürnberg, ja, es war ein historisches Ereignis.