Stellenabbau bei der Nürnberger Zeitung

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Nürnberger Zeitung

Bei der Nürnberger Zeitung wird es wohl noch in diesem Jahr zu einem drastischen Personalabbau kommen.

Das bestätigte der Verlagsleiter der NZ, Dietrich Puschmann, in einem Interview mit newsroom.de. Demnach könnten bis zu 20% aller Redakteursstellen von der Sparmaßnahme betroffen sein. Als Grund führte Puschmann „massive Anzeigenrückgänge“ an.

Für die Nürnberger Zeitungsleser kann das eigentlich nur bedeuten, dass sie künftig weniger Qualität oder Vielfalt bekommen.

Eine mögliche Entwicklung ist, dass die eher konservative NZ künftig noch größere Übereinstimmungen mit den (traditionell der SPD nahestehenden) Nürnberger Nachrichten (NN) aufweisen wird.

Schließlich gehören beide Zeitungen zum Verlag Nürnberger Presse Druckhaus Nürnberg und weisen bereits jetzt nicht unerhebliche Schnittmengen auf (siehe Bild weiter unten).

Bei Nachfragen pocht der Verlag zwar gerne darauf, dass beide Redaktionen voneinander unabhängig seien. Doch schon heute haben beide Zeitungen z.B. einen Serviceteil (aber nicht nur den), der sich nur in Nuancen unterscheidet. Man muss schon genau hinsehen, um die Unterschiede zu sehen.

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17.4.2012 – Seite 12 – Oben:NN – Unten: NZ

Käme es zu keiner weiteren Verschmelzung von Ressourcen, kann dies eigentlich nur einen Rückgang in der Qualität der NZ bedeuten. Weniger Redakteure, die eigenständige Recherchen betreiben, bedeuten eben zwangsläufig auch einen Rückgang bei der Qualität. Und das würde vor allem die lokale Berichterstattung betreffen, das größte Pfund, mit dem Lokalzeitungen wuchern können.

Ansonsten bliebe aus meiner Sicht nur die weitere „Verschmelzung“ mit der NN innerhalb des Stammhauses oder eine Zunahme von zentral generierten Nachrichten von Presseagenturen (ein Artikel zum Thema ist in Vorbereitung – Update: hier ist er: Die Macht der Presseagenturen), wobei die für den Lokalbereich natürlich rar sind.

Dann droht natürlich auch noch die Gefahr, dass aus Zeitmangel die eine oder andere Pressemitteilung schneller (und ungeprüfter) ihren direkten Weg in das Blatt fände. Time is money.

Mit dem Aufstieg des Internet steht die gesamte Branche ja seit einiger Zeit gehörig unter Druck. Unabhängige Zeitungen sind wichtig für die Demokratie. Trotz der digitalen Konkurrenz haben die Verlage bis heute jedoch kein Mittel gegen ihre Talfahrt finden können.

Ein Grund mag sicher sein, dass die Verlagshäuser über viele Jahrzehnte in ihren Regionen nahezu konkurrenzlos waren und wegen des mangelnden Anpassungsdrucks nun nicht mehr die benötigte Flexibilität aufbringen.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Der Kuchen wird einfach immer kleiner und das klassische Anzeigengeschäft verliert an Attraktivität, gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.

Die Medienbranche insgesamt bewegt sich weiter weg von Vielfalt und Qualität und wandelt sich immer mehr vom (heute fast schon naiv anmutenden) Anspruch eines Dienstes an der Gesellschaft hin zu einem finanziellen Asset. Die „Märkte“ wollen es so. Und Zeitungsredakteure laufen heute Gefahr, nur noch als Produktionsfaktoren angesehen zu werden. Traurig.

Nachtrag: U.a. mit dem Stellenabbau bei der NZ beschäftigt sich auch das Blog Indiskretion Ehrensache im Artikel Den Bach runtergehen. Und: Im November habe ich vom 1. Bayerischen Blogger-Gipfel in Nürnberg berichtet, einer Veranstaltung des BJV (Bayerischer Journalisten Verband).