Wie stabil ist Arch Linux?

arch screenshot xfce update ubuntu Stabilität rolling release osbn open source linux arch

Screenshot Arch Linux mit Xfce

Seit über einem Jahr läuft Arch Linux jetzt sowohl auf meinem Hauptrechner (Notebook HP Pavilion), als auch auf meinem Netbook (Asus EEPc). Heute möchte ich Euch u.a. ein wenig von der Stabilität meiner Arch-Installationen berichten. Mehr Infos zu Arch findet Ihr auch in meinen Artikeln Arch Linux – ein ErfahrungsberichtArch: Eine Persönliche Zwischenbilanz und 9 Monate Arch Linux,

Arch ist ja eine Rolling Release Distribution, d.h. die neuesten Software-Pakete finden recht schnell den Weg auf die Rechner, ohne dass es jemals (wie z.B. bei Ubuntu alle sechs Monate) eine Aktualisierung auf eine neue Version des Betriebssystems geben müsste. Meist sind die neuen Pakete innerhalb von zwei Tagen ab Veröffentlichung durch die Entwickler verfügbar und so ist das System stets aktuell. Nur neue Kernel brauchen ca. 2 Wochen.

Und die Stabilität? Bei Windows hatte ich immer spätestens nach sechs Monaten das Gefühl, dass ich am liebsten alles neu installieren möchte, weil das System irgendwie immer langsamer und zickiger wurde. Selbst bei Ubuntu Linux (meinem langjährigen persönlichen Nachfolger von Windows) schien mir das System (zuletzt: LTS Lucid Lynx) irgendwann langsamer zu laufen (das mag u.a. auch meinen Versuchen geschuldet sein, alle möglichen PPAs einzusetzen, weil mir die Software nicht aktuell genug war).

arch linux logo1 xfce update ubuntu Stabilität rolling release osbn open source linux arch

Nach einem guten Jahr Erfahrung mit Arch Linux auf dem Desktop kann ich sagen: Arch ist auf dem Desktop die stabilste Lösung, die ich bislang genutzt habe. Im Moment ist nicht abzusehen, dass ich mich von Arch trennen würde. Neben dem Stabilitätsvorteil erspare ich mir ja auch noch die nervigen Upgrades. Auch wenn das halbjährliche Ubuntu-Upgrade theoretisch in einer guten Stunde vonstatten geht, geht am Ende doch (inklusive des obligatorischen Backups und eventueller Nachbesserungen) ein halber Tag drauf. Einen ausführlichen Artikel über meine Gründe, mich von Ubuntu abzuwenden, könnt Ihr auf einem Gastartikel bei picomol.de lesen.

Zurück zur Stabilität von Arch. Abgesehen von einigen Hickups laufen beide Systeme sehr stabil. Auf beiden nutze ich Xfce als Desktopumgebung. Krasse Systemabstürze oder andere extreme Systeminkonsistenzen sind mir erspart geblieben. Ein Grund dafür ist wohl, dass ich das System (Arch Motto: Keep it simple!) mit einer gewissen Pedanterie (und einem gewissen Zeitaufwand) am Anfang aufgebaut habe.

Ein zweiter Grund ist vielleicht, dass die Pakete wie von den Entwicklern vorgesehen eingespielt werden und nicht von den Paketverwaltern zu Tode gepatcht werden.

Ein zeitgeschuldeter Performanceverlust ist bis jetzt nicht zu erkennen. Perfekt ist natürlich auch Arch nicht, ab und an muss ich schon mal manuell eingreifen.

Letzte Woche musste ich nach einem Update wegen eines Paketkonfliktes intervenieren. Grund dafür war, dass Arch kürzlich alle Paket von /lib nach /usr/lib verschoben hat (/lib wird zum symlink auf /usr/lib). Die elementare Bibliothek glibc verweigerte das Update, da sich in /lib noch irgendwelche Module einer alten Kernelversion tummelten. Zum Glück habe ich die News von Arch Linux per RSS abonniert und hier fand ich auch die Lösung für das Problem.

Im Moment nutze ich meine Rechner stark im Stile eines Mausschubsers und treibe mich nur selten auf der Kommandozeile herum. Was ein bisschen nervt, ist, dass Pakete wie Firefox oder Thunderbird sich alle sechs Wochen nicht nur aktualisieren, sondern dann meist ein, zwei oder sogar drei Folgeupdates nachgeschoben werden. Das schluckt unnötige Bandbreite. Und die ist zwar nicht in DSL-Nürnberg, aber doch in weiten Teilen der Welt eine knappe Ressource.

Ähnlich verhält es sich mit den Kerneln. Es ist ja toll, immer den neuesten Kernel zu haben. Bis dann die nächste Kernelversion erscheint, können aber schon mal z.B. acht Updates erscheinen und jedes Mal wird ein kompletter Kernel runtergeladen. Klar könnte ich auch nur alle paar Wochen ein Update fahren, um etliche Zwischenversionen zu überspringen. Aber irgendwie schaffe ich es nicht. Dieses Gefühl, ein topaktuelles System zu haben, ist wie eine Magie, der ich mich nicht entziehen kann…

Comments

  1. Hoi,

    das klingt ja ganz interessant. Bin von Ubuntu damals auf Gentoo umgestiegen. Dort aktualisiert man ja erstmal nur das Verzeichnis der verfügbaren Software und kann – weil man eh alles selbst kompiliert – beliebige Versionen miteinander kombinieren. Ein Kernel-Update mache ich z.B. nur alle halbe Jahre.

    Bin aber wieder am Überlegen auf Ubuntu zu wechseln. Performancetechnisch ist Gentoo genial, weil man unglaublich viel optimieren kann (core2/i7-Optimierungen beim Compilieren, etc.), aber dennoch verlangt es viel Pflege.

    Gute Inspiration für einen eigenen Artikel – vielleicht komme ich ja demnächst mal dazu?

    1. Natürlich gibt es auch für Arch die Möglichkeit, einzelne Pakete vom Update auszuschließen. Das Update z.B. des aktuellen 3er Kernels kann man ausschließen, indem man folgendes in /etc/pacman.conf einträgt:
      IgnorePkg=linux
      Habe ich jetzt gleich mal getan. So dramatisch sind die Unterschiede beim Kernel dann auch wieder nicht. Für Firefox, Thunderbird und Co bleibt (wegen Sicherheitsupdates) erst mal alles so wie es ist.

  2. Zitat: „Aber irgendwie schaffe ich es nicht. Dieses Gefühl, ein topaktuelles System zu haben, ist wie eine Magie, der ich mich nicht entziehen kann…“

    geht mir genau so.

Comments are closed