Die Woche mit Justin Richter (2)

Gastautor Justin Richter filtert den Mediendschungel und präsentiert die Ereignisse der Woche zwischen den Zeilen.

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Wer sich in diesem Land ein SmartPhone kauft, zahlt (ab 8GB Speicher) eine pauschale Abgabe von 36 Euro an die Rechteverwerter von GEMA und Co. Früher musste man erst eine Leistung in Anspruch nehmen, bevor man dafür blechen musste. Heute ist man by default durch seine reine Existenz schon ein potenzieller Raubkopierer, dessen kriminelle Energie bereits in bare Münze verwandelt wurde, bevor man überhaupt eine Chance hatte, sein Phone auszupacken (Rechtsgrundlage). Wer nun glaubt, das Kopieren von Musiktiteln mit dem Smartphone sei mit den 36 Euro abgegolten und damit in allen Fällen legal, der irrt. Hier gibt es übrigens eine Liste mit verschiedenen technischen Geräten und welche Pauschalabgabe dafür gezahlt werden muss. So werden z.B. für einen CD-Brenner 8,70 Euro fällig, auch CD-Rohlinge kosten. Irgendein schmerzbefreiter Premium-Primat kommt wahrscheinlich bald auch auf die Idee, auf den Kauf einer Sprühdose eine prophylaktische Hygienesteuer draufzupacken. Weil man ja ne Wand besprühen könnte…

Facebook, die nimmersatte Datenkrake, will angeblich gegen Arbeitgeber vorgehen, die von ihren Angestellten die Zugangsdaten zur Gesichtskladde einfordern. Nach einem Zeitungsbericht sorge sich Facebook, „dass Arbeitgeber oder andere Interessierte Zugang zu Kundenprofilen erlangen wollen, der ihnen nicht zusteht.„. Richtig so! Sollen sich die neugierigen Arbeitgeber mal gefälligst ein Beispiel an der vorbildlichen Datenschutzpolitik des Visagenalbums nehmen! Diese rührselige Sorge um die Privatsphäre der Nutzer passiert gerade zu der Zeit, als bekannt wird, dass das Gesichtsbuch wieder mal die Nutzungsbedingungen ändern will. In den neuen heißt es u.a.(Quelle):

Deine weitere Nutzung von Facebook nach Änderungen an unseren Bedingungen bedeutet gleichzeitig dein Akzeptieren unserer geänderten Bedingungen.

Um diesem lästigen Datenschutzgeschacher ein endgültiges Ende zu setzen, schlage ich hiermit Facebook folgenden Zusatz vor:

Mit der Nutzung von Facebook stimmst Du zu, diesen und allen künftigen Änderungen vorbehaltlos zuzustimmen.

Kann eine MenschIn tiefer sinken? In den 60er skandierte Alice Schwarzer noch „Die Macht der Schwänze hat ihre Grenzeund war der Albtraum des patriarchalischen Establishments. Beim Marsch durch die Instutitionen nahm sie dann ein paar falsche Abzweigungen. Ein kaum zu toppender Selbstverrat, schrien da manche alte WeggefährtInnen. Im Kachelmann-Prozess schrieb sie für die Bild-Zeitung, die es schon als Fortschritt sieht, ihren Sexismus von Seite 1 auf Seite 3 zu verbannen. Letzte Woche hat Schwarzer nun den Bundespräsidenten gewählt. Im Auftrag der CDU, die Schwarzer für ihr Lebenswerk dankt. Und überhaupt findet sie, dass Herr Gauck heiraten sollte… Was kommt als nächstes? PressesprecherIn der Deutschen Bank? Nacktaufnahmen im Playboy? HerrIn, schick Hirn vom Himmel!

Kaum hat sich Wulff ins Kloster verzogen, strengt sich Norbert Röttgen an, in seine Schnäppchenjäger-Ego-Fußstapfen zu treten. Frei nach dem Motto: Ich stelle mich mit allen Kräften NRW zur Verfügung – aber nur, wenn ich die Wahl gewinne! Das depperte Stimmvieh nimmt ihm das übel, denn ganz so deppert ist es doch nicht und hat keinen Bock auf Typen, die ihr persönliches Fortkommen über das Wohl der Gesellschaft stellen. Das müsste Röttgen spätestens seit Künasts Berlinkandidatur wissen.

Bis nächste Woche!

Ihr Justin Richter