Cloud Computing – Technik der Vergangenheit

24. Januar 2012
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yves guillou orage Cloud Computing   Technik der Vergangenheit wolke schwachsinn schmitz megaupload IT cloud computing cloud Bis vor kurzem war “Cloud Computing” eines der unabdingbaren Buzzwords, das in jedem Vortrag vorkommen MUSSTE, der irgendwas mit IT zu tun hatte. Im Sog der PR-Posaunen bahnte sich ein scheinbar nie endender Schwall privater Daten seinen Weg auf die megagroßen Server in einem fremden Land.

Die Abschaltung des “Filesharers” Megaupload ist eine harte Zäsur, nach der viele Menschen überdenken dürften, ob es wirklich Sinn macht, seine Daten irgendeinem anonymen Hanswurst zu überantworten, der sich am Ende mit einer Schrotflinte in einem Panikraum verschanzt.

Natürlich scheint das Geschäftsmodell von Megaupload in erster Linie gewesen zu sein, Strukturen zu schaffen, die den illegalen Austausch “geschützter” Daten begünstigten. Der offiziellen Lesart zufolge war es ein Dienst, der dem Speichern und Teilen legaler Daten dienen sollte. Und nicht wenige nutzten den Dienst tatsächlich dafür, persönliche Filmchen, Fotos und Dokumente zu speichern und mit Freunden zu teilen. Megaupload ist jetzt Vergangenheit. Und damit sind auch alle legal gespeicherten Daten futsch und zudem in den Händen einer dritten Partei.

Weitere “Filehoster” haben inzwischen ihre Dienste eingeschränkt. Man könnte auch sagen: Den Cloudanbietern in der Grauzone “kocht das Arschwasser”. Auch wenn sich die “seriösen” Anbieter davon nicht beirren lassen dürften, könnte die Schockwelle sich auch schmerzhaft auf deren Geschäfte auswirken. Vielen Nutzern dürfte klar geworden sein, dass Cloud Computing mit der Aufgabe der eigenen Souveränität über die eigenen Daten einhergeht.

Schluss mit Wolke 7

Zu Zeiten der Währungsreform stand Oppa mit seinem prallen Sparbuch vor der geschlossenen Bank und war der Gelackmeierte. Heute sitzen die Jünger der Wolke vor ihren Rechnern und reiben sich -wie anno dunnemals Großvattern- die Augen. Sie werden wohl Tage gebraucht haben, um zu realisieren, dass ihre Daten wohl ein für allemal den Jordan runter sind. Von allen Geräten auf Daten zugreifen! Alles synchron! Backups in Hochsicherheitszonen mit Servern auf dem modernsten Stand der Technik! All das klingt jetzt wie Hohn. Schluss mit Wolke 7.

Dabei ist die ach so moderne Technik des Cloud Computing eigentlich ein Rückschritt in die Vergangenheit. Natürlich hinkt der Vergleich: Aber in den frühen Tagen des Internets/Computings wurden die meisten Daten verschiedener Benutzer schon einmal auf ein und demselben Rechner zentral gespeichert, wenn auch aus einer anderen Motivation heraus. Die Idee, seine Daten geschützt vor den Augen anderer auf einem eigenen Computer (“Personal Computer”) zu lagern, kam erst viel später mit dem Eintritt des Computers in den Massenmarkt zu erschwinglichen Preisen.

Heute hat jeder olle Laptop mehr Speicherkapazität als ein historisches Rechenzentrum, das in den Anfangstagen mit Lochkarten arbeitete. Man sollte glauben, mit sinkenden Preisen von Festplatten für den persönlichen Gebrauch müsste das Verlangen, persönliche Daten extern auszulagern, weiter sinken. Ironischerweise ist das genaue Gegenteil der Fall.

Millionenschwere PR-Budgets

Ob Privatpersonen, NGOs, Unternehmen oder staatliche Organisationen. Wer hip sein wollte, hat seine Daten in die Wolke ausgelagert. Die Hauptargumente der Marketingstrategen der großen Anbieter lauten, dass man auf “seine” Daten von mehreren Geräten gleichzeitig zugreifen könne und diese Daten stets auf dem gleichen Stand seien. Außerdem könne man die “Wolke” auch als Backupfunktion nutzen. Denn schließlich sei die Technik eines professionellen Großanbieters verlässlicher und besser geschützt als ein rumpelnder Datenserver in der Besenkammer eines mittelständischen Unternehmens.

Dank millionenschwerer PR-Budgets wurden Millionen Personen und Organistaionen dazu gebracht, “ihre” Daten einer wildfremden Organisation auf einem weit entfernten Kontinent anzuvertrauen, wo sie schon gar nicht physisch, aber erst recht nicht juristisch großen Einfluss darauf haben, was mit den Daten genau passiert. Der 5 GB große Webspace mag vielleicht kostenlos sein, umsonst ist er mit Sicherheit nicht.

Kleine Theorie des Schenkens

Denn geschenkt wird auch heute nur dann, wenn man eine persönliche Beziehung zu jemandem hat. Oder sich eben einen Vorteil durch das “Geschenk” erhofft. Wenn man genauer überlegt, muss es eigentlich irgendeinen Haken geben, wenn ein Großunternehmen “kostenlosen” Wolken-Space an Millionen von Menschen “verschenkt”. Natürlich sind diese Unternehmen letztlich langfristig am eigenen Vorteil interessiert. Wer etwas anderes glaubt, hat wahrscheinlich auch als Kind Schokolade von fremden Männern angenommen.

Abgesehen von datenschutzrechtlichen Bedenken des Individuums besteht natürlich auch die Gefahr, dass die Daten (wenn auch anonymisiert) in riesigen Datenbanken mit Algorithmen analysiert und in Vermarktungsstrategien umgewandelt werden. Wieviele Menschen nutzen wann welchen Service? Und wie oft? Von welchen Seiten kommen sie? Solche Strategien müssen sich zwar nicht gegen das jeweilige Individuum richten, könnten aber auf die Allgemeinheit angewandt werden. Und natürlich besteht die Möglichkeit, dass das eigene Nutzerverhalten an eine dritte Partei weiterverschachert wird. Ganz zu schweigen davon, dass Daten auch durch böswillige Absicht oder behördliche Intervention abhanden kommen können.

Freiwillige Aufgabe der Souveränität

Sprich: Wer seine Daten in der externen Wolke ablegt, gibt die Kontrolle darüber ab. Wenn solche Daten verloren gehen oder missbraucht werden, sollte man sich nicht darüber beschweren, dass sich das Mitleid darüber in Grenzen halten könnte. Vielleicht hat ja der von so vielen bejammerte Niedergang von Megaupload auch etwas Gutes: Dass vielleicht jetzt mehr Menschen darüber nachdenken, ob der Hype um Cloud Computing nicht ein riesengroßer aufgeblasener PR-Schwachsinn ist, der durch Marketing-Millionen ein Heer von Datenlemmingen gezüchtet hat, die freiwillig die Kontrolle über ihre Souveränitat aufgegeben haben.

Als Alternativen gibt es all die Möglichkeiten, die es auch schon in den letzten 20 Jahren gab. Z.B. den internen Dateiserver und/oder eine (verschlüsselte) USB-Platte. Und neuerdings kann man sich ja auch seine eigene Wolke bauen.

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2 Responses to Cloud Computing – Technik der Vergangenheit

  1. Chris on 24. Januar 2012 at 21:54

    Danke! Sehe ich genau so.

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