Freerunner – das “freie” Telephon

Mein Openmoko Freerunner GTA02 lag eine ganze Weile ungenutzt in der Ecke, doch jetzt habe ich das freie Handy wieder reaktiviert. Eigentlich ist der Begriff Handy unangebracht. Der Freerunner ist eigentlich ein Betriebssystem, mit dem man auch telephonieren kann.

Neo front 3 telephon software qtmoko PR openmoko open source linux iPhone handy gta02 freerunner duden Erst mal eine kurze Einordnung für alle, die mit dem Begriff Openmoko Freerunner wenig bis nix anfangen können. Hier handelt es sich um den Prototyp eines Smartphones im Entwicklungsstadium, das auf freier Hardware und freier Software basiert. Eigentlich erst mal nur für Entwickler gedacht (was ich nicht bin).

Ziel ist es, ein (wahrhaft) freies Handy zu entwickeln. Freie Software, freie Hardware, volle Kontrolle über das Handy.

Was freie Software ist, dürfte wohl keine weitere Erläuterung brauchen. Aber was heißt nun freie Hardware? Das ist Hardware, für die auch die entsprechenden Schaltpläne und das ganzen technischen Innereien offengelegt sind.

Darauf lassen sich nun etliche Linux-Betriebssysteme installieren, u.a. Android, debianbasierte Systeme und andere. Wenn es denn gelingt. Toi, toi, toi!

Einschränkungen

Zu hoch darf man seine Erwartungen im Jahr 2011 allerdings noch nicht schrauben. Als Handy für geschäftliche Vieltelephonierer mit hoher Zuverlässigkeit ist das GTA02 sicher nicht geeignet. Diesen Anspruch erhebt es auch gar nicht, da es ja noch in Entwicklung ist und bereits eine verbesserte Folgeversion (GTA04) in der Pipeline ist. Da kann man seine 250 Euro oder so sicher besser anlegen.

Ein gewisses Maß an Frustrationstoleranz und/oder Hartnäckigkeit sind hilfreich. Gebrauchte Freerunner für Dumpingpreise von frustrierten Nutzern sind im Netz immer wieder zu finden. Auch für 10 Euro ist schon mal so ein  Ding über den Tisch gegangen…

Wenn ich so auf meine Versuche zurückblicke, die verschiedenen Betriebssysteme zu installieren, kann ich wohl sagen, dass die Mehrzahl gescheitert ist bzw. das Ergebnis nicht akzeptabel war. Allgemein gilt jedoch: Die Laufzeit der Batterie ist unzureichend und (auf verschiedenen Systemen getestet) es gibt auch immer mal wieder Probleme mit der Lautstärke. Insofern, dass der Angerufene oft ein bisschen leise bedient wird.

Die Dokumentation der verschiedenen Projekte ist nicht optimal. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass Entwicklung und Dokumentation diametrale Interessen haben :mrgreen:.

Was heute groß ist, hat einmal klein begonnen

Warum sollte man sich das also antun? Wenn das bisher Gesagte eher den Charakter eines “Bashing” haben sollte, dann ist es jetzt an der Zeit einen positiven Ausblick zu wagen.

Nicht alles, was klein und unvollkommen beginnt, wird einmal etwas Großes. Aber alles, was groß ist, hat einmal klein begonnen. Als Beispiel könnte man Wikipedia nehmen. Vielleicht kann man sich in der Zukunft mal gar nicht mehr vorstellen, wie es wäre, kein wahrhaft freies Smartphone zu haben.

Ein voll entwickeltes und für den Endnutzer akzeptabel zu bedienendes “freies Smartphone” ist eigentlich ein Traum.

Einen Jailbreak für den Freerunner gibt es nicht (per Definition). Einbrechen kann man schließlich nur bei dem, der seine “Assets” vor anderen mit dicken Türen und Schlössern verbergen will – zu seinem eigenen egoistischen Vorteil. So ein geschlossenes Konzept schafft Arbeit für Hacker, Rechtsanwälte und PR-Menschen, die sich eine Schlacht um den Status Quo liefern.

Die Offenlegung von Software und Schaltplänen und die darauf aufbauenden freien Systeme ermöglichen eine weitgehende Kontrolle über die eigenen Daten. Mit Ausnahme der Provider-abhängigen Verbindungs- und Standortdaten natürlich.

Der Unterschied zwischen Ei.Phon und Freerunner ist wie der zwischen Duden und Wikipedia. Tut mir Leid lieber Duden, dass ich Dich für diesen hinkenden Vergleich heranziehe, den Du nicht verdient hast.

In einem Folgeartikel werde ich eine Bilderserie über Qtmoko auf GTA02 veröffentlichen, damit Ihr einen Eindruck bekommt, was das Freerunner heute schon kann.

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Comments

  1. Hi
    Ich habe auch lange mit dem Gedanken gespielt, mir so ein OpenMoko zuzulegen, als ich ein neues Mobiltelefon gebraucht habe. Prinzipiell ging es mir auch darum, OpenSource Hard- und Softwareentwicklung zu unterstützen, aber ich hätte nicht genug Zeit gehabt, mich mit dem Gerät auseinanderzusetzen. Letztlich habe ich mir das Nokia N900 gekauft, zu der Zeit das einzige Mobiltelefon mit freiem Betriebssystem (Maemo 5, Linux Kernel 2.6.28) und größtenteils freien Programmen. Die Graphische Oberfläche ist auch in Qt geschrieben. Mit ein paar Hacks (die von vornherein von Nokia unterstützt wurden) kann man das Gerät auch in den USB Host Mode versetzen. Android und MeeGo (der Nachfolger von Maemo und Moblin) sind vollständig auf das Gerät portiert. Schade, dass Nokia Maemo/MeeGo offensichtlich aufgegeben hat, um sich Windows zuzuwenden.
    Die Akkulaufzeit ist aber auch auf diesem Gerät schlecht (je nach aktiviertem Netz ca. 1,5-5 Tage). Dafür kann ich beliebige Software ohne großen Aufwand installieren, sobald sie auf ARM portierbar ist. Somit habe ich letztlich auch volle Kontrolle über das Gerät – außer die SIM-Karte!

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