Werbeblocker – Seuche der Neuzeit?

Viele Nutzer lieben Werbeblocker wie Adblock Plus (Artikel). Wer sich einmal daran gewöhnt hat, kann sich ein Leben ohne Werbeblocker oft nicht mehr vorstellen. Doch den Seitenbetreibern, die ihre Inhalte mit Werbung finanzieren wollen, sind Werbeblocker natürlich ein Dorn im Auge.

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Webseite ohne (links) und mit Werbeblocker (rechts)

In einem Artikel von Spiegel Online vom März 2010 klagt das Nachrichtenmagazin:

„Werbeblocker aber haben sich inzwischen zu einem Faktor entwickelt, der ausreicht, aus kleinen schwarzen Bilanzzahlen rote zu machen: Je nach Angebot verweigern zwischen 5 und 25 Prozent aller Online-Mediennutzer inzwischen das Ansehen von Werbung.“

Dabei gilt: Je interessierter der Leser an Technik, desto häufiger wird ein Werbeblocker eingesetzt. Nach eigenen Angaben nutzen Leser des Spiegel Technik-Ressorts Netzwelt 2,5 mal häufiger einen Werbeblocker als die Leser anderer Sparten des Magazins.

Nutzer rüsten ohne schlechtes Gewissen auf

adblock www werbung werbeblocker webseite web t3n spiegel palant mündiger Bürger internet guardian firefox commercial addon adblocker adblock plus adblock Der anonyme Surfer macht es sich in den Augen der Werbetreibenden zu einfach. Er konsumiert kostenfreie Inhalte und blockiert darüberhinaus auch noch die Werbung, die diese Inhalte größtenteils finanzieren sollen. Das kostenfreie Plugin Adblock Plus von Wladimir Palant ist schnell in Firefox installiert. Noch schnell ein, zwei Filterlisten abonniert und schon wird ein Großteil der Werbung einfach ausgeblendet.

Die Reaktion der Seitenbetreiber

Die Anbieter von Webinhalten haben nicht gerade viele Optionen zur Verfügung. Einige haben in ihre Angebote Techniken eingebaut, die den Einsatz von Werbeblockern erkennen (Anregung zur Umsetzung für Webmaster) und den Nutzer in meist dezenter Form höflich darum zu bitten, den Werbeblocker zu deaktivieren. Das Magazin t3n wirbt im kumpeligen Duzton um Verständnis:

„Adblocker eingeschaltet? Wie es scheint, hast Du einen Adblocker aktiviert. Du würdest uns sehr helfen, wenn Du ihn für t3n ausschaltest (…)“

(mehr Info und Meinung zu t3n und Werbeblockern in einem Artikel des Ubuntublog Schweiz) Auf der Seite router-faq.de heißt es:

„Arbeiten Sie gerne umsonst? Sicherlich nicht. Und warum verlangen Sie es dann von anderen?(…)“

Heise versucht den Verweigerer, ohne den Grund des Anliegens zunächst mitzuteilen,  auf eine seperate Seite zu lotsen, auf der dann um Verständnis geworben wird:

„Eine persönliche Nachricht von den Leuten, die heise online machen.“

Es soll auch schon Seiten gegeben haben, die einen entlarvten Nutzer komplett vom Webangebot aussperren.

Fruchtlose Bemühungen

Nur wenige Nutzer dürften sich davon jedoch umstimmen lassen. In einem Artikel des Guardian schreibt Andrew Brown:

„Once you are used to Adblock, using an unprotected browser feels like walking from a library into an amusement arcade.“

Brown lässt sich dann sogar noch zu dem Geständnis hinreißen, dass er (obwohl selbst Autor des Guardian) den Werbeblocker auf der Seite seines Brötchengebers einsetzt.  Das ist das Dilemma , das viele in sich herumtragen dürften. Rein rational akzeptieren sie Werbung als Voraussetzung für den Fortbestand kostenloser Inhalte.  Werbeblocker, nein danke – es sei denn, man setzt sie selbst ein. Der Artikel von Brown heißt dann auch folgerichtig:

„Drugs and Adblock Plus shouldn’t be in the hands of everyone else“.

Manche glauben sogar, dass die Seitenbetreiber selbst Schuld an der Misere sind. Die könnten ja schließlich auf skriptgesteuerte und aggressive Flash-Werbung verzichten. Und dadurch, dass sie bekannte Drittparteien beauftragen, stünden deren Skripten natürlich ganz oben auf der schwarzen Liste.

Gefährliche „Werbeverweigerer“

Am Ende des oben erwähnten Spiegel-Artikels will das Nachrichtenmagazin seine Leser dann in die Pflicht nehmen und fordert einen Bewusstseinswandel.

„Werbeverweigerer haben die Freiheit kostenlosen Web-Medienkonsums nur, solange sich ihnen nicht zu viele Nutzer anschließen. Steigt der Prozentsatz der Verweigerer zu stark, wird ein Angebot entweder kostenpflichtig oder geht unter. Wann schalten Sie Ihren Werbeblocker ab?“

Aber auch das dürfte viele Leser nicht beeindrucken. Wegen der verfügbaren Fülle der Medien kann die Aussicht auf eine Welt ohne eine einzelne Publikation keinen wirklichen Schrecken verbreiten. Einen Klick weiter (dort wo kein Hinweis auf das eigene unsoziale Handeln erscheint) hat der Leser den Hinweis schon vergessen.

Triumph des Stammhirns

In der modernen Gesellschaft ist Werbung allgegenwärtig: Ob in der U-Bahn, auf der Straße oder im Briefkasten: Meist bekommt der Konsument für die Werbung nicht mal einen kostenfreien Inhalt mit Mehrwert dafür zurück. Werbung wird deshalb von vielen pauschal als unerwünscht und lästig empfunden und kann oft nicht umgangen werden.

Doch das Internet ist nicht die Realität. Hier sieht das werbegebeutelte Individuum seine Chance, in diesem ungleichen Spiel einen Etappensieg zu landen. Geschützt von der Anonymität wird Werbung, egal von wem, einfach ausgeblendet. Das Stammhirn des mündigen Netz-Bürgers hat triumphiert.

Comments

  1. Ich muß sagen, daß ich auf manchen Seiten wie Heise den Blocker ausgeschaltet habe. Wenn die Bitte um Deaktivierung erscheint und die Reklame einen erträglichen Umfang hat ist das in Ordnung.

    Ein schönes Negativbeispiel ist für mich gerade Spiegel-Online. Wenn ich dort ein Video betrachten möchte muß ich erst ~20s Werbung schauen inkl. zweimaliger Nachreglung der Lautstärke weil die Höhen optimiert wurden. Der Konsument soll aufschrecken und ganz genau aufpassen was ihm da angepriesen wird. Bei solchen Unverschämtheiten bleibt Adblock+ eingeschaltet.

    1. Auf Heise ist die Werbung auch tatsächlich dezent. Außerdem ist Heise IMHO auch unentbehrlicher als der Spiegel. Wenn Werbeblocker wirklich zum Problem für die Werbetreibenden werden, dann sollten sie vielleicht langsam mal umdenken und nicht so aufdringlich-aggressiv daherkommen, wie das leider oft ist. Manche Flashwerbung ist so nervtötend, da wird der Griff zum Werbeblocker zu einem Akt der Selbstverteidigung.

      1. Ich fände es toll, wenn man jeder Printausgabe eine Art Rubbel-Los beiliegen würde welches einen Code verbirgt. Wenn ich diesen auf der Webseite eintippe bin ich für eine Woche komplett von Werbung befreit. Das wäre vielleicht für viele Menschen eine Motivation sich mal wieder regelmäßig ein Magazin zu kaufen.

    1. Besonders ärgerlich sind Grafiken, die so tun, als könnte man mit einem Klick auf ein rotes X das Fenster schließen und die in Wahrheit auf ein externes Werbeangebot führen. (oder, wie du es in deinem Artikel beschreibst, Fenster in denen das X mit dem _ vertauscht ist). Gut, mit der Zeit hat man als technisch affiner Nutzer diesen Schwindel durchblickt. Es gibt aber viele z.B. ältere Leute, die sich auf solche Konventionen (X=Fenster schließen) verlassen. Immerhin werden hier falsche Tatsachen vorgespiegelt, um daraus einen Nutzen zu ziehen. Solche Praktiken tragen nicht gerade dazu bei, dass man seinen Werbeblocker aus moralischem Anstand abschaltet.

  2. Liebe Spiegel-Redaktion,

    wer hat Euch denn gebeten, Eure – nach eigenen Angaben offensichtlich teuren – Angebote kostenlos ins Netz zu stellen? Wenn Ihr meint, in gedruckten Heften liegt die Zukunft, dann verkauft doch einfach weiterhin gedruckte Hefte! Wenn Ihr droht, Eure Inhalte im Netz nur noch kostenpflichtig anzubieten: Bitte! Dann bietet sie doch kostenpflichtig an. Dann lesen es eben nur noch diejenigen, denen Eure Inhalte den geforderten Preis wert sind.

    Aber halt, nein, das wollt Ihr ja vielleicht auch nicht. Da würde ja Eure Reichweite mit einem Schlag kräftig sinken. Das schadet sicher dem Ansehen und vielleicht auch Eurem Selbstbild. Also bitte: Entscheidet Euch. Und sprecht keine Drohungen aus, solange Ihr die Konsequenzen vielleicht selber gar nicht wollt.

    Nur eins geht absolut gar nicht: Ihr könnt nicht Inhalte kostenlos für jedermann ins Netz stellen und Euch dann hinterher darüber beschweren, wenn sie jemand kostenlos liest!

  3. Es gibt noch 3 weitere Gründe für Adblocker:
    1. weniger Traffic – wer mit Volumentarif (z.B. vom Handy) surft, merkt das auch direkt an seinem Geldbeutel. Verbunden mit dem Traffic ist auch die Surf-geschwindigkeit: wer mit <50kB/s surft, kann je Werbebild ca. 2s zusätzlich einrechnen, je Flash-Werbung ca. 10s. Welcher Website-betreiber würde schon freiwillig 20s warten, bis die Seite geladen ist (besonders wenn der relevante Inhalt eigentlich in <5s geladen wäre)
    2. Flash-Werbung: Der Adobe Flash Player ist eine gewaltige Sicherheitslücke – ich würde ihn nirgends aktivieren, wenn ich der Seite nicht gut vertrauen kann.
    3. Manchmal wird auch Tracking als Argument genannt: Wer über Dienste wie AdSense oder doubleclick.net Werbung schaltet, liefert seine Nutzer voll und ganz Google aus.

    Ein Tipp noch:
    Gute Werbung ist solche, die auf den Inhalt der Seite zugeschnitten ist – sie ist meistens passend und angebracht, im Gegensatz zu dem, was die Dienste aus 3. liefern.
    Ein Beispiel:http://www.netzpolitik.org/ wirbt für die re:publica

  4. Ich finde aufdringliche Werbung einfach nur nervig und im TV zappe ich dann weiter, in der c’t ignoriere ich sie komplett sprich ich lese sie eigentlich so gut wie nie wenns nicht grad Preislisten etc. sind.

    Ich finde zb. Golem ist eine grauenhafte Internetpräsenz mit Werbung, 50% der Seite reine Werbung. Bei Privaten Blogs finde ich es teilweise lächerlich wenn da steht: Bitte schalte Adblocker aus um die Seite zu finanzieren. WTF? Wenn ich einen privaten Blog betreibe zahle ich meine 8€ für nen Webhosting angebot das ist nicht wirklich die Welt, wenns ne grössere Seite ist setze ich einen eigenen Server auf das ist eh besser für Leute die nen Plan davon haben und VDSL sei dank ist die Anbindung auch schnell genug wenns dann etwas Grösser wird und wenn man evtl. nicht 24h einen Rechner laufen haben will dann holt man sich halt nen V-Server für unter 20€ im Monat.

    Schlimm ist dann ja auch die durch Werbung bedrohte Sicherheit, die Nutzer binden teilweise dutzende Ad und Tracking Skriptn ein ohne nen Plan zu haben was die machen. Es gibt aber durchaus Seiten auf denen ich mein Adblock und Noscript vorübergehend ausschalte zb. auf http://darkerprojects.com und da klicke ich von Zeit zu Zeit auch mal auf den dezenten Paypal Link und spende 10-20$ nicht für die Webseite sondern für die Inhalte die mir dort geboten werden und mal Hand aufs Herz: Seiten wie Golem und Heise sind doch fast ausschließlich Werbe Seiten was ich sagen will: Deren Artikel bestehen zu 70% aus Produktwerbung (Android,Mac etc.) und sind oft auch keine News sondern eher dem Gerne Olds zuzuordnen (jedenfalls für Leser die ua. wired.com lesen)….

  5. Erst einmal sollte man sich Gedanken machen, warum die AddBlocker so stark auf dem Vormarsch sind. Weil die Werbung immer nerviger und unerträglicher wird. Es gibt Seiten, auf denen MUSS ich mir erst die Werbung anschauen, bevor ich den Text lesen kann. Solche Seiten sperre ich schon von mir aus aus.
    Und wenn mich eine Seite wegen meines Werbeblockers nicht haben will, gut einen User weniger. Ich glaube, niemand hätte etwas gegen kleine lockrere Textwerbung, wie sie schon lange bei Google üblich ist. Da würde auch niemand einen Werbeblocker benötigen.
    Aber wenn ich dann solche Sachen sehe, das ich eine Seite aufrufe, die in den Google-Suchergebnissen interessant erscheint, ich beim aufrufen mit aktiven Werbeblocker eine nahezu weiße Seite sehe, weil dort alles Werbung ist und nichts nützliches, dann beantwortet sich die Farge nach dem tatsächlichen Nutzen des Werbeblockers doch von ganz alleine.

  6. Stimme Dir vollkommen zu. Es gibt doch tatsächlich Seiten, da bekommst du mit Adblocker nur eine weiße Seite zu sehen. Das ist wirklich schlechtes Webdesign (in meinen Augen). Dezente Werbung wäre vielleicht noch irgendwie akzeptabel.

  7. Beide Seiten haben gute Argumente: Sowohl der User, der beim Surfen nicht von nerviger Werbung belästigt werden will, als auch der Webmaster, der für seine Arbeit eine materielle Entlohnung erhalten möchte. Entsprechend wird aufgerüstet: Die Werbung wird aufdringlicher, die Abwehr totaler. Wie immer triumphieren am Ende die Großen und Aggressiven, während die Kleinen und Vernünftigen (nämlich die, die um einen fairen Kompromiss bemüht sind) auf der Strecke bleiben.

  8. Werbung ist so widerlich und aggressiv … da geht lauter Ton an, klickt man auf aus, wird es noch lauter, da muss man sich nackte Hintern ansehen und primitive obszöne Inhalte, die Texte verdecken, da blinkt und flimmert es usw.
    Niemals würde ich auf so geschmacklose Aufdringlichkeiten reagieren!

  9. Mittlerweile ist Werbung schon so primitiv und aufdringlich , dass sie quasi eine Selektivform erreicht hat . Halbwegs normale Menschen reagieren nur noch genervt und abgestossen – das umworbene Produkt bleibt sowieso auf der Strecke .
    Hier hat wohl eine ganze Industrie den Sinn vom Werben nicht verstanden . Nicht bloß dass sie ihr Produktionsmittel “ potenzieller Kunde “ schamlos überfordern , sie betrügen so wohl auch ihre zahlenden Kunden , nämlich diejenigen die für ihre Produkte und Angebote Werbechampagnen bei der Werbeindustrie schalten .
    Ein zu umwerbendes Produkt mit so vielen negativen Empfindungen zu behaften ist eigentlich schon Betrug .
    Die wirkliche Seuche der Neuzeit ist die heutige Werbung selbst . Dank Werbeblocker verkürzt sich jetzt aber die Kette auf Werbeindustrie – Werbender . Der potenzielle Konsument wendet sich einfach ab und verabschiedet sich .
    Weiter so – bleibt unter euch und belästigt nicht andere .

  10. Diese kurze Version erhebt kein Anspruch auf Vollständigkeit.

    7:00 Alles ist gut

    Weg zur Arbeit /es geht los) Autoradio Werbung Werbung Werbung
    Oder Zeitung im Zug mit Werbung Werbung Werbung

    Überall in der Stadt Werbung Werbung Werbung

    Android Handy (Auch als Werbehure und Superwanze bekannt) Tagsüber WErbung Werbung Werbung

    Email Abrufen 50x Werbung Werbung WErbung

    Nach Hausefahren Einkaufen überall. Werbung Werbung WErbung
    ###
    Übergang Privatspähre ( primäre Erschöpfung) die Meisten einfach nur noch ihren Frieden wollen…

    Briefkasten öffen: Pro Woche mind. 5 Kg Werbung Werbung Werbung

    (bsp. 19:30) Fernseher einschalten: mind. 3x 9 min (pro/h) superlaute WERbung WErbung Werbung…

    (bsp. 19:50) Rechner einschalten, daddeln Tag ausklingen lassen Den Inhalt kaum gefunden dafür auf jeder
    Seite Blinkde hörbare irritierende: WERbung Werbung Werbung.

    Mein Fazit lautet: Werbeblocker, die notwendigste Notwehr in der Neuzeit.

  11. Es gibt verschiedene Gründe, Werbeblocker zu verwenden.
    Ich hätte nichts dagegen, auf einigen Seiten ordentliche Werbebanner/-bilder/-texte angezeigt zu bekommen. Ich möchte aber möglichst wenig von den Werbekonzernen im Internet verfolgt werden, darum blocke ich so weit es geht jede Verbindung, die zu solchen Servern aufgebaut wird, insbesondere wenn JavaScript enthalten ist.

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