Die Unsitte des vorgezogenen Jahresrückblicks

27. Dezember 2010
By

Schon seit Wochen haben große Teile der (TV-)Medienlandschaft auf das noch nicht abgelaufene Jahr 2010 “zurückgeblickt”.  Was für eine Begriffsverwässerung! Kann man doch nur auf etwas zurückblicken, was hinter einem liegt.

Alles was dann in den letzten Wochen 2010 passiert, fällt einfach unter den Tisch. Denn nicht mal im Jahresrückblick 2011 wird dafür noch Platz sein – auch wenn es in sich logisch wäre. Den Jahresrückblick 2011 mit dem Dezember 2010 zu beginnen – das würde nicht mal der hirnloseste Idiot nachvollziehen.

Auf diese Art und Weise finden die letzten Wochen eines Jahres in vielen Jahresrückblicken nicht statt. Diese journalistische Nullleistung hätte nur dann eine Chance von der Bildfläche zu verschwinden, wenn einmal in den letzten Tagen eines Jahres ein absolutes Topereignis stattfinden würde.

Das wäre es doch mal: Während im Archiv das Band mit dem Jahresrückblick (voll mit chilenischen Kumpeln, Stuttgarter Baumbesetzungen und einer geballten Ladung Promisülze) bereits Staub ansetzt, hat sich die Topmeldung des Jahres bis zum 31.12. Zeit gelassen. (“Außerirdische landen in Fürth” oder “Japan nach Erdbeben im Meer versunken“).

Schade also, dass, sagen wir, Jesus auch heuer nicht in den letzten Minuten des Jahres zur Erde zurückkehren wird. Dann wäre wahrscheinlich Schluss mit der Unsitte des vorgezogenen Jahresrückblicks.

Ähnliche Artikel:

  1. Aprilscherze – der TÜV für Medienkompetenz
  2. Ubuntu Anwendertreffen (Deutschlandkarte)
  3. Puppeee Linux auf Netbook Asus EeePC 1005PX
  4. Xkill: Der Tod im grafischen Gewand

Tags: , , , , , , , , , , , ,

2 Responses to Die Unsitte des vorgezogenen Jahresrückblicks

  1. [...] This post was mentioned on Twitter by Herbert Peck, linuxnetzer. linuxnetzer said: Über die Unsitte des vorgezogenen "Jahresrückblicks" (oder: Warum Japan im Meer versinken sollte): http://tinyurl.com/32rpg4a [...]

  2. Endlich! Die Jahresrückblicke beginnen… on 3. November 2011 at 21:40

    [...] es schon im letzten Jahr nicht geklappt hat (vgl. Die Unsitte des vorgezogenen Jahresrückblicks), dann wünsche ich es mir eben für dieses Jahr. Nämlich dass sich die Topmeldung des Jahres in [...]