Die Unsitte des vorgezogenen Jahresrückblicks

Schon seit Wochen haben große Teile der (TV-)Medienlandschaft auf das noch nicht abgelaufene Jahr 2010 “zurückgeblickt”.  Was für eine Begriffsverwässerung! Kann man doch nur auf etwas zurückblicken, was hinter einem liegt.

Alles was dann in den letzten Wochen 2010 passiert, fällt einfach unter den Tisch. Denn nicht mal im Jahresrückblick 2011 wird dafür noch Platz sein – auch wenn es in sich logisch wäre. Den Jahresrückblick 2011 mit dem Dezember 2010 zu beginnen – das würde nicht mal der hirnloseste Idiot nachvollziehen.

Auf diese Art und Weise finden die letzten Wochen eines Jahres in vielen Jahresrückblicken nicht statt. Diese journalistische Nullleistung hätte nur dann eine Chance von der Bildfläche zu verschwinden, wenn einmal in den letzten Tagen eines Jahres ein absolutes Topereignis stattfinden würde.

Das wäre es doch mal: Während im Archiv das Band mit dem Jahresrückblick (voll mit chilenischen Kumpeln, Stuttgarter Baumbesetzungen und einer geballten Ladung Promisülze) bereits Staub ansetzt, hat sich die Topmeldung des Jahres bis zum 31.12. Zeit gelassen. (“Außerirdische landen in Fürth” oder “Japan nach Erdbeben im Meer versunken“).

Schade also, dass, sagen wir, Jesus auch heuer nicht in den letzten Minuten des Jahres zur Erde zurückkehren wird. Dann wäre wahrscheinlich Schluss mit der Unsitte des vorgezogenen Jahresrückblicks.

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