Warum ich Grub2 durch Grub Legacy ersetzt habe

Der neue Bootloader Grub2 wartet mit vielen Verbesserungen auf. Wegen seiner Komplexität dürfte sich die Umstellung jedoch für viele Endanwender im Desktopbereich kaum lohnen. Ein persönlicher Erfahrungsbericht.

Nach mehreren Distributions-Upgrades bis hin zu Karmic Koala hatte ich mich mit der Erscheinung von Ubuntu Lucid Lynx dazu entschieden, das System frisch aufzusetzen. Dabei hatte ich neben dem Dateisystem ext4 auch den Bootloader Grub2 installiert. 

Diese recht neue Version des Bootloaders Grub (Grand Unified Bootloader) verspricht einige unbestreitbare Verbesserungen gegenüber der Vorgängerversion, u.a. durch den modularen Aufbau, bessere Portierbarkeit und die Unterstützung von RAID und LVM (Liste neuer Merkmale). Trotzdem habe ich Grub2 inzwischen wieder durch Grub Legacy ersetzt (Anleitung englisch, deutsch).

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Grub Legacy: Keep it simple

Die Installation von Grub2 erfolgte problemlos – so weit, so gut. Nach dem Erscheinen einiger neuer Kernelversionen füllte sich das Auswahlmenü jedoch schnell mit Bootoptionen für mehrere Kernelversionen – bis zu dem Punkt, bei dem die Übersichtlichkeit darunter litt (dieser an sich praktische Mechanismus betrifft natürlich auch den alten Grub).

Spätestens jetzt überkam mich das dringende Bedürfnis, das Auswahlmenü von unnötigem Ballast zu befreien. Im selben Aufwasch wollte ich gleich die automatische Bootzeit (nach Untätigkeit bei der Auswahl) auf drei Sekunden verkürzen, das öde Schwarz und Weiß mit ein bisschen Blau aufpeppen, und die ellenlangen Beschreibungen durch ein simples „ubuntu“, „redmond“ und „memtest“ ersetzen.

Schon nach ein paar Minuten Recherche schwante mir, dass Grub2 zwar einige Verbesserungen mitbringt, seine Konfiguration jedoch viel komplizierter geworden ist. Schnell sehnte ich mich nach dem alten Grub und seiner guten, alten und gewohnten /boot/grub/menu.lst zurück, in der ich die oben erwähnten Veränderungen mit einem Texteditor in rund zwei Minuten umgesetzt hätte.

In Grub2 ist die vormals übersichtliche Struktur  durch einen modularen Aufbau mit rund 150 Dateien ersetzt. An die Stelle der menu.lst ist die Datei grub.cfg getreten, die zu allem Überfluss mit einer neuen Syntax aufwartet und über Skripten und nicht mit einem Texteditor editiert werden soll. Ich habe keine Zweifel, dass dies für Grub2 angemessen und gut gelöst ist (wenn man eines der neuen Leistungsmerkmale benötigt).

Grub2 gehört die Zukunft, Grub Legacy wird nicht mehr aktiv weiterentwickelt. Zumindest für meine persönliche Situation bringt Grub2 jedoch keine signifikanten Vorteile mit sich, die eine doch recht intensive Einarbeitung gerechtfertigt erscheinen lassen. Noch nicht. Deshalb habe ich mich entschieden, dieses Konfigurationsmonster zu verbannen und durch den Vorgänger zu ersetzen.

Grub2 ist für mich eine Lösung für ein Problem, das ich nie hatte. Klar ist dies auch eine Frage der Gewohnheit. Meine Ansprüche an einen Bootloader sind durch Grub Legacy jedoch zu fast 100% gedeckt. Für mich gilt: Never change a running bootloader! Und ein buntes Bildchen zum Systemstart hat für mich keine Relevanz.

Grub2 durch Grub Legacy ersetzen
LinuxMagazin: Schöner booten?
Ubuntu Documentation: Grub2
/etc/inittab: Zerstückelt und abgeschoben

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Comments

  1. Zu der unübersichtlichen Liste scheint mir das Löschen der alten Kernels die angemessene Lösung zu sein. Dann bleibt auch die Systempartition erfreulich klein 🙂

    Mit Grub 2 hab ich mich inzwischen ganz gut angefreundet. Wie das meiste ist der garnicht so kompliziert wenn man ihn sich mal genauer anschaut. Aber du hast natürlich recht – spürbare Vorteile hab ich auch noch nicht festgestellt.

  2. Ich verwende grub2, der ist für mich etwa gleich zu handhaben wie das alte Grub.

    Neues, was ich wirklich verwende ist der loopback, über den ich eine ISO-Datei ohne CD brennen einhängen kann.

  3. Der Hinweis mit loopback ist genial!

    Ich hoffe für Grub2 schreibt bald mal wer einen grafischen Konfigurationseditor, wer weiß, hat evtl. sogar schon einer…

  4. Sind ja echt wichtige Gründe um wieder das alte GRUB zu installieren 😉

    Das Ändern der Zeit und Namen von Fremdbetriebssystemen ist übrigens genauso leicht wie zuvor bei Legacy.

  5. Also bei mir (archlinux) editiert man die /etc/default/grub (die recht gut zu verstehen ist) und generiert danach mit grub-mkconfig -o /boot/grub/grub.cfg die grub.cfg neu.
    Dürfte doch unter ubuntu nicht viel anders laufen, oder!?

    1. @alle (die Grub2 auch nicht schwerer zu bedienen finden)

      Ihr habt bestimmt Recht, wenn ihr sagt, dass Grub2 letztlich auch nicht schwerer zu bedienen ist. Wer die Zeit und Lust hat sich neu einzuarbeiten (bzw. wer auf die neuen Merkmale angewiesen ist), dem ist mit Grub2 besser geholfen. Ich kann das nicht beurteilen.

      Mir ist es nur zu aufwändig, mich in eine neue Sache einzuarbeiten, wenn mir dies persönlich (nur unter meinen persönlichen Umständen) keinen Vorteil bringt. Dies ist eine Frage meiner persönlichen Prioritäten und erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, mehr nicht.

  6. Kann dir nur beipflichten.
    Als ich die config-Files gesehen han, hab ich Reißaus genommen.
    Ich will mit Grub2 nix mehr zu tun haben. Habs noch drauf, aber ich hab echt keine Lust mehr, mich damit zu beschäftigen.
    Vielleicht kommen sie ja mit Grub3 dann wieder zu einer einfachen config zurück, die trotzdem alle Features beherrscht 😉

  7. Hallo, Linuxnetzer hat Recht: Grub2 ist sehr leistungsfähig und unnachvollziehbar kompliziert. Ich habe mich darein gearbeitet und komme gut mit Grub2 klar. Und trotzdem sehne ich mir die Anwenderfreundlichkeit der menu.lst zurück. Ich habe mir eine eigene 40_custom gemacht; die nötigen Angaben dazu zog ich aus dem Ergebnis des Terminalbefehls „sudo grub-mkconfig“. Ich sehe mich jedoch nicht in der Lage, z. Bsp. in der 30_os-prober zu arbeiten.

  8. Bootloader? Bei einem Uptime von derzeit 118 Tagen, spielt es bei mir eigentlich keine Rolle, ob Grub, Grub2, oder LILO.

    (Leider kann nicht jeder bei einem Betriebssystem bleiben, aber selbst unter diesen können die meisten durch Virtualiserierung geholfen werden, ohne gleich zu einem Reboot zu greifen.)

  9. 118 Tage ohne Kernelaktualisierung? Ist das im Hinblick auf Sicherheitsaktualisierungen wirklich klug?

  10. Wahrscheinlich nicht. Das Problem ist, wie so häufig, die Bequemlichkeit: Ich habe typischerweise zwölf virtuellen Desktops mit im Durchschnitt vielleicht fünf Fenster, einige davon Browserfenster mit einer Mehrzahl an Tabs. Der Aufwand um die Ordnung nach einem Reboot wiederherzustellen…

    (Wenn jemand einen Tipp hat, wie ich Kernel wechseln kann, ohne die aktuelle Umgebung zu verlieren, bin ich durchaus experimentierwillig.)

  11. @michaeleriksson: Ist dir bewusst, dass du mit recht einfachen Mitteln, seien das jetzt Compiz-Regeln oder Devilspie oder einem Fenstermanger wie IceWM, diese Ordnung festschreiben kann? Sowas nach jedem Start manuell zu machen ist eindeutig zu viel Aufwand – aber sowas einmal einzurichten, zu automatisieren, um Sicherheitsupdates zu installieren, ist den Aufwand eindeutig wert.

  12. Hat eigentlich niemand hier den Bedarf, die GRUB mit einem Passwort zu versehen? Bei GRUB2 geht das nämlich nicht (letzter Stand meiner Recherche) und das halte ich für ein Killerargument _gegen_ GRUB2.

  13. für mich als simplen desktopnutzer sind die verbesserungen von grub2 auch nicht unmittelbar ersichtlich.

    letztens habe ich unter debian die tty-auflösung durch veränderung der grub eingestellt. das ist im vergleich zur legacy wesentlich umständlicher und hat mich eine menge zeit gekostet um herauszufinden wie das denn überhaupt geht.

  14. @onli Danke für den Tipp. Leider stellte sich bei einem tieferen Blick heraus, dass dies nur ein Teil der Arbeit erledigt, nämlich die Fenster richtig zu platzieren. Dann kommt (der wahrscheinlich größere Teil) die Inhalte richtig hinzubekommen. Schliesslich noch die Komplikation, dass nur die Hälfte meiner Umgebung statisch ist, während die andere Hälfte dynamisch variert…

    Ein extrem intelliger Sessionmanager, eine Art selektiver Hibernation, oder irgendeine Variante mit einer virtualisierenden Zwischensicht, sind die Dinger, wonach ich früher geschaut habe, aber noch keine zufriedenstellende Lösung gesehen habe.

  15. Hat eigentlich niemand hier den Bedarf, die GRUB mit einem Passwort zu versehen? Bei GRUB2 geht das nämlich nicht (letzter Stand meiner Recherche) und das halte ich für ein Killerargument _gegen_ GRUB2.

    Gefunden habe ich 2 bereits ältere Beitrage:
    http://ubuntuforums.org/showthread.php?t=1369019
    http://www.ubuntugeek.com/how-to-set-grub-2-password-protection.html

    Für Grub legacy habe ich mal selbst ein Howto geschrieben:
    http://linuxnetz.wordpress.com/2010/02/05/grub-eintrag-mit-passwort-schutzen/

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